Börsenkrise USA erwägen Garantie für alle Bankeinlagen

Weltweit laufen die Bemühungen um eine Eindämmung der Börsenkrise - die Vorschläge werden immer drastischer. Die US-Regierung erwägt einem Medienbericht zufolge, eine Garantie für alle Bankschulden und alle Bankeinlagen zu übernehmen. Großbritannien favorisiert eine globale Lösung.


Washington/London - Es wäre der bisher größte Eingriff in das Finanzsystem, doch die Krise lässt offenbar keine andere Wahl: Die US-Regierung erwägt einem Zeitungsbericht zufolge, auch Garantien für alle Bankschulden und zeitweise auch Bankeinlagen zu übernehmen. Damit wolle die Regierung die Finanzmärkte stabilisieren, meldete das "Wall Street Journal" am Freitag auf seiner Internet-Seite. Bereits am Tag zuvor hatte die US-Regierung erklärt, eine systematische Teilverstaatlichung von Banken durch den Kauf stimmrechtsloser Aktien zu prüfen.

US-Präsident Bush, Finanzminister Paulson: Krise zwingt zu immer weiter reichenden Maßnahmen
AP

US-Präsident Bush, Finanzminister Paulson: Krise zwingt zu immer weiter reichenden Maßnahmen

Sollten diese beiden Maßnahmen umgesetzt werden, würden sie die bisher massivste Intervention von Seiten der Regierung markieren, schreibt die Zeitung. Doch die sich immer weiter verschärfende Krise zwinge die Verantwortlichen, über weiter reichende Schritte nachzudenken. Vorreiter dieser Überlegungen war Großbritannien, das am Mittwoch angekündigt hatte, drei Jahre lange die Garantie für Schulden bis zu einer Höhe von 432 Milliarden Dollar zu übernehmen.

"Globales Problem braucht globale Lösung"

Die britische Regierung drängt inzwischen massiv auf eine weltweite Zusammenarbeit, um der Finanzkrise Herr zu werden. Der britische Premierminister Gordon Brown hat die internationale Staatengemeinschaft zur Suche nach einer globalen Lösung in der Finanzmarktkrise aufgerufen. Weltweit müssten neue Richtlinien erarbeitet werden, um das internationale Bankensystem zu reformieren, schrieb Brown in der Freitagausgabe der "Times". Die Krise sei ein "globales Problem", das eine "globale Lösung" brauche. Außer dem Treffen der wichtigsten Industriestaaten am Freitag in Washington (G7) solle es ein weiteres internationales Spitzentreffen zur weltweiten Finanzkrise geben, sagte Brown.

Der Premierminister schlug in seinem Bericht vor, andere Länder sollten dem Beispiel Großbritanniens folgen und Garantien für neue Leihgeschäfte unter Banken garantieren. Außerdem müsse die Transparenz der Finanzmärkte mit schärferen internationalen Vorschriften verbessert werden. "Erfolgreiche Marktwirtschaften beruhen auf Vertrauen in das Finanzsystem", schrieb der Premierminister. Brown bezeichnete die Finanzaufsicht auf nationaler Ebene als "unzureichend" und forderte die sofortige Einrichtung von grenzübergreifenden Institutionen.

G-7-Treffen in Washington

Auf einem Krisentreffen in Washington wollen die Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten (G-7) am Freitag in Washington über die Bewältigung der Finanzkrise beraten. Der deutsche Ressortchef Peer Steinbrück (SPD) hat einen Acht-Punkte-Plan für die Reform der internationalen Finanzmärkte ausgearbeitet, den er bei dem Treffen zur Diskussion stellen will.

US-Präsident George W. Bush will unterdessen wegen der Finanzkrise und der Börseneinbrüche am Freitag erneut eine Ansprache an das amerikanische Volk halten, wie die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, mitteilte. "Die Amerikaner sollten Vertrauen haben, dass alle Anstrengungen unternommen werden, die Märkte zu stabilisieren", sagte Perino mit dem Blick auf die Umsetzung des vom Kongress bewilligten, 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsplans für die US-Finanzwirtschaft.

Die Liquiditätsprobleme der Banken seien derzeit die Wurzel der ökonomischen Probleme. Der Präsident werde dem amerikanischen Volk zusichern, dass die Wirtschaftsexperten der Regierung aggressiv vorgehen, um das Finanzsystem möglichst umgehend wieder zu stabilisieren.

sam/AFP/Reuters/dpa-AFX

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