Börsenpoker Chirac und Merkel fordern starken Handelsplatz in Europa

Im Übernahmewettstreit um die Vierländerbörse Euronext sprechen sich die Regierungen in Deutschland und Frankreich gegen die geplante Fusion mit der New York Stock Exchange aus. Auch die Deutsche Börse will sich immer noch nicht geschlagen geben.


Rheinsberg -  "Ich ziehe die deutsch-französische Lösung vor", sagte der französische Präsident Jacques Chirac heute bei einem informellen Gipfeltreffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im brandenburgischen Rheinsberg. Auch Merkel sagte: "Ich halte es für wichtig, dass Europa stark aufgestellt ist."

In der vergangenen Woche hatte die Leitbörse New York Stock Exchange (NYSE) angekündigt, mit Euronext zu fusionieren, um eine Megabörse zu schaffen. Auch die Deutsche Börse hatte mehrfach versucht, mit Euronext ins Geschäft zu kommen und war bereit, mehr als die New Yorker zu bezahlen. Doch die französischen Euronext-Betreiber wollen statt mit den Deutschen lieber mit den Marktführern aus New York zusammenarbeiten.

Zwar müssen Aktionäre und Regulierungsbehörden dem Deal zwischen Euronext und NYSE noch zustimmen, doch im weltweiten Konsolidierungstrend der Handelsplätze gerät die Deutsche Börse weiter ins Hintertreffen. Eine erhöhte Offerte aus Frankfurt für Euronext gilt als unwahrscheinlich. Trotzdem will sich die Deutsche Börse nicht geschlagen geben. Ein Zusammenschluss der beiden Börsen sei die einzige Option, um die Integration der europäischen Finanzmärkte in einem europäischen Umfeld voranzutreiben, sagte der Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni, dem "Handelsblatt". "Deshalb werden wir weiter auf eine europäische Lösung hinarbeiten."

Politiker sind machtlos

Trotz der Bemühungen der Politiker verwies Chirac darauf, dass die französische Regierung "nur wenige Mittel" in der Hand habe, um den derzeit geplanten Zusammenschluss von Euronext mit der NYSE noch zu verhindern. "Euronext - das ist nicht Frankreich", sagte Chirac mit Blick auf die Vierländerbörse, an der neben Paris auch die Börsenplätze Amsterdam, Brüssel und Lissabon beteiligt sind. Die französische Seite habe im Vorstand nur zwei von neun Sitzen.

Auch Merkel sagte, es handele sich bei den Fusionsvorhaben um "Vorgänge, auf die wir keinen Einfluss haben". Es gehe um eine "rein wirtschaftliche Entscheidung".

tim/dpa/afp/dpa-AFX


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