Börsenpoker: Deutsche Politiker drohen mit Blockade

Im Ringen um die Übernahme der Mehrländerbörse Euronext legt sich die hessische Landesregierung quer. Die Deutsche Börse mache zu viele Zugeständnisse, so der Vorwurf.

Frankfurt am Main - "Jetzt ist aus meiner Sicht die Führung der Deutschen Börse Chart zeigen einen entscheidenden Schritt zu weit gegangen", sagte CDU-Ministerpräsident Roland Koch. Das Interesse des Finanzplatzes Frankfurt sei mit der neuen Offerte nicht mehr gesichert. Wirtschaftsminister Alois Rhiel ergänzte, das Land könne sich durchaus gegen die Transaktion stellen. "Im Extremfall" sei auch eine Blockade denkbar. Noch seien die Voraussetzungen hierfür aber nicht gegeben.

Die Deutsche Börse kämpft gegen eine Übernahme der Euronext durch die New York Stock Exchange Chart zeigen (NYSE). Euronext Chart zeigen und NYSE haben sich schon auf eine Fusion geeinigt. Die Deutsche Börse will sich mit einer verbesserten Offerte noch nicht geschlagen geben. Ende Mai hatte die Deutsche Börse den Euronext-Eigentümern 8,6 Milliarden Euro in Aktien und in bar geboten. Trotzdem erhielt Anfang Juni die NYSE für knapp acht Milliarden Euro den Zuschlag, womit die Deutsche Börse zunächst zum vierten Mal binnen weniger Jahre mit einem Akquisitionsvorhaben scheiterte.

Um die französischen Euronext-Betreiber noch zu überzeugen, will die Deutsche Börse nun sogar die Bedingung aufgeben, dass Frankfurt Hauptsitz der fusionierten Gesellschaft bleiben müsse. Stattdessen sollten die Zentralfunktionen auf Amsterdam, Paris und Frankfurt verteilt werden. Zudem will die Frankfurter Börse für einen Zusammenschluss ihr Handelssystem Xetra opfern und auf die Aktienhandelsplattform NSC der Euronext umsteigen. Auf dem Chefposten des neuen Unternehmens beharren die Deutschen aber weiterhin.

Auch der Präsident der Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK), Joachim v. Harbou, hat sich gegen einen Zusammenschluss der Deutschen Börse mit Euronext "um jeden Preis" ausgesprochen. "Der Finanzplatz Frankfurt darf sich nicht unter Wert verkaufen", sagte v. Harbou. "Bei einer Fusion zu Lasten Frankfurts ist ein Domino-Effekt zu befürchten: Weitere Finanzdienstleister könnten abwandern."

Zugeständnisse akzeptabel

Die Banken in der Main-Metropole halten das Entgegenkommen der Deutschen Börse jedoch für akzeptabel, wenn daraus doch noch eine europäische Mega-Börse entsteht und der geplante Schulterschluss der Euronext mit der New Yorker Börse verhindert werden kann.

So sagte ein Frankfurter Banker, dass die Zugeständnisse der Deutschen Börse weit reichend seien. "Dies ist aber akzeptabel, wenn es gelingt, ein europäisches Börsensystem zu bekommen." Ein Aktienhändler ergänzte, die Belastungen durch eine technische Umstellung dürften überschaubar bleiben. "Langfristig wären für die Kunden einer europäischen Börse signifikante Kostensenkungen möglich." Mehrere Marktteilnehmer bezeichneten das Euronext-System als ähnlich leistungsfähig und zuverlässig wie Xetra.

Dem widersprach der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. Eine europäische Lösung wäre zwar zu begrüßen. Allerdings müsse das Xetra-System erhalten bleiben, das technisch überlegen und nutzerfreundlicher sei. "Dieses Aushängeschild des deutschen Finanzplatzes sollte nicht vorschnell aufgegeben werden - unter Inkaufnahme erheblicher Anpassungskosten für die deutschen Marktteilnehmer", warnte der Verband.

Für Beobachter der Übernahmeschlacht gilt als ausgemacht, dass auch finanziell das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. "Das Angebot wird erhöht werden, die Frage ist nur wann und um wie viel", prognostizierte ein Aktienhändler.

tim/dpa/Reuters

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