Börsenstart in Frankfurt Händler reagieren skeptisch auf Obama-Sieg

Verhaltener Start an Frankfurts Börse: Der Dax verliert zu Handelsbeginn leicht an Wert. Der historische Sieg von Barack Obama konnte die Kurse nicht wie erwartet stützen. Händler geben sich skeptisch - die Finanzkrise sei durch den neuen US-Präsidenten "ja nicht weg".


Frankfurt am Main - Er ist Amerikas erster schwarzer Präsident, seine Autobiografie betitelte er mit "Hoffnung wagen" ("The Audacity of Hope"). Den Händlern auf Frankfurts Börsenparkett konnte Amerikas 44. US-Präsident in der Nacht seines historischen Siegs offenbar aber nur bedingt Hoffnung einflößen.

Der Dax Chart zeigen hat am Mittwoch mit Kursverlusten eröffnet. Wenige Minuten nach dem Handelsstart notierte der Index 1,5 Prozent niedriger bei 5202 Punkten. Die Anleger hatten zwar auf einen klaren Wahlsieg von US-Demokrat Barack Obama gesetzt - den deutschen Leitindex konnte das aber nur bedingt beflügeln. Immerhin: Mit Blick auf den Ausgang der US-Wahl begrüßten Händler, dass es nun "klare Verhältnisse und keine Hängepartie wie vor acht Jahren" gebe.

"Mal sehen, was Obama aus dem Ärmel zaubert", sagte ein Marktteilnehmer, "die Finanzkrise ist durch seinen Sieg ja nicht weg." Vor Börsenbeginn hatte der deutsche Leitindex noch um 1,93 Prozent höher tendiert - offenbar zu Unrecht. Am Dienstag hatte der Dax angesichts der Wahl und durch positive Vorgaben der Wall Street dagegen noch mehr als fünf Prozent höher gewonnen.

Die Aktien der Deutschen Börse Chart zeigen standen mit einem Minus von 3,4 Prozent auf der Verliererseite. Der Börsenbetreiber hatte mit seinen Zahlen zum dritten Quartal die Erwartungen von Analysten übertroffen und zugleich seine Prognosen für das Gesamtjahr bekräftigt.

Hannover Rück Chart zeigen lagen nach Veröffentlichung von Ergebnissen 3,1 Prozent im Plus, Rheinmetall Chart zeigen fielen dagegen um 0,8 Prozent. Die Aktie von Leoni Chart zeigen sackte um 7,4 Prozent ab, nachdem sich der Automobilzulieferer zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen skeptischer zum weiteren Geschäftsverlauf geäußert hatte.

Im TecDax Chart zeigen schossen die Aktien von QSC Chart zeigen um 22,4 Prozent in die Höhe, nachdem der Telekommunikationsanbieter im dritten Quartal wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt war und seine Jahresprognose bekräftigt hatte. Singulus Chart zeigen stiegen nach Veröffentlichung von Zahlen um zehn Prozent.

Obamania an Asiens Börsen

Die Börse in Tokio war zuvor deutlich im Plus aus dem Handel gegangen. Der Nikkei Chart zeigen gewann 4,46 Prozent und schnellte damit auf den höchsten Stand seit drei Wochen empor. Der chinesische Hang Seng Chart zeigen legte um mehr als 2,5 Prozent auf 14.752 Punkte zu.

Ein Händler in Hongkong sagte, der haushohe Sieg Obamas "zeigt, dass die Amerikaner mehr Reformen wollen. Das ist ein guter Stimulus für die Wall Street". Nach Ansicht eines Analysten an der Tokioter Börse bevorzugten die Märkte im Allgemeinen zwar einen republikanischen Präsidenten in den USA, dies habe sich mit der Finanzkrise nun aber geändert. Obama hat in seinem Wahlprogramm Steuersenkungen für 95 Prozent der Steuerzahler versprochen, was die Binnenkonjunktur in den USA ankurbeln dürfte. Der Wahlsieger versprach zudem, 50 Milliarden Dollar in die Infrastruktur zu investieren.

Händler begründeten die Gewinne zudem mit einen fallenden Yen-Kurs und den guten Vorgaben aus den USA. Angesichts der Präsidentschaftswahl hatten zuvor schon die Investoren an der Wall Street kräftig eingekauft: Der Dow Jones Chart zeigenging 3,3 Prozent im Plus bei 9625 Punkten aus dem Handel. Der S&P-500 stieg um vier Prozent, der Nasdaq Chart zeigenkletterte um 3,1 Prozent auf 1780 Punkte.

Barack Obama dankte den Wählern inzwischen für seinen historischen Sieg. Knapp eine Stunde nach Verkündung des Wahlergebnisses wandte sich der US-Demokrat an Hunderttausende jubelnde Anhänger, die sich im Grant Park in Chicago versammelt hatten: "Wenn noch irgendjemand daran zweifelt, dass Amerika ein Land ist, in dem alles möglich ist - der bekommt den heutigen Abend als Antwort."

ssu/dpa/ddp/Reuters



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