Böser "Blick" Schweizer Blatt beschimpft Steinbrück als "hässlichen Deutschen"

Der Schweizer Boulevard hat einen neuen Lieblingsfeind: Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück. Nach seinem umstrittenen Wildwest-Vergleich wird er mit Wut und Spott überzogen - eine Zeitung nennt den SPD-Politiker "einen der meistgehassten Menschen in der Schweiz".


"Blick am Abend"-Titel: Vordergründig um Verständnis bemüht
Blick am Abend

"Blick am Abend"-Titel: Vordergründig um Verständnis bemüht

Hamburg - Peer Steinbrück teilt gerne aus. Im Kampf gegen das Schweizer Bankgeheimnis drohte er im Oktober "mit der Peitsche". Kürzlich dann sprach er auf einer Pressekonferenz über die Taktik, "die Indianer in Angst und Schrecken zu versetzen" - damit war die Schweiz als Steuerparadies gemeint, die unter internationalen Druck geraten war.

Nun keilen die Schweizer zurück, besser gesagt: der Boulevard. Dort fungiert Steinbrück mittlerweile als Lieblingsfeind. "Blick am Abend" widmet dem Finanzminister in der aktuellen Ausgabe eine Titelgeschichte. Überschrift: "Der hässliche Deutsche". Dazu ein Bild, auf dem der Berliner Minister grimmig drein schaut. Im Text geht der Autor dann in die Vollen. Steinbrück sei "einer der meistgehassten Menschen in der Schweiz", Leser werden zitiert, die gegen Steinbrück protestieren.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist die schwarze Liste der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Auf ihr sollen Steuerparadiese aufgeführt werden, die international nicht kooperieren. Auch die Schweiz sollte auf die Liste kommen - zumindest wurde darüber diskutiert. Aus Sicht der Eidgenossen war es vor allem Steinbrück, der die Drohkulisse aufbaute - mit Erfolg: Die Schweiz hat ihr Bankgeheimnis mittlerweile praktisch abgeschafft.

Trotzdem will sich die Regierung in Bern die Ausfälle des Berliner Ministers nicht gefallen lassen. Nach der "Indianer"-Attacke Steinbrücks zitierte Außenministerin Micheline Calmy-Rey am Dienstag den deutschen Botschafter Axel Berg ins Ministerium. Es war bereits das zweite Mal nach dem "Peitschen"-Angriff im Oktober.

Laut "Blick am Abend" muss Steinbrück auch "aus dem eigenen Land Kritik einstecken". Dazu führt die Zeitung deutsche FDP- und Grünen-Politiker an, die Steinbrück rügen - was bei Vertretern der Opposition kaum verwunderlich ist. Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin sagte demnach über Steinbrück: "Er startete als Löwe und endete als Bettvorleger."

Die Boulevardzeitung bemüht sich nun vordergründig um Verständnis. In dem Artikel zitiert die Zeitung einen Kommunikationsexperten: "Als Norddeutscher spricht Steinbrück eine sehr harte Sprache und pflegt eine typisch norddeutsche Ausdrucksweise." Diese Tonalität stoße bei Schweizern "auf Unverständnis".

wal



Forum - Ende des Bankgeheimnisses?
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Seite 1
Gebetsmühle 13.03.2009
1.
Zitat von sysopLiechtenstein und Andorra gaben als erste auf, nun folgen die Schweiz, Luxemburg und Österreich: Die Regierungen von Steueroasen in ganz Europa beugen sich dem internationalen Druck - das Ende des Bankgeheimnisses?
das wurde auch zeit. entweder überall ein bankgeheimnis oder nirgendwo. damit hört dann hoffenltich endlich diese ärgerliche steuerhinterziehung auf.
Hartmut Dresia, 13.03.2009
2.
Zitat von sysopLiechtenstein und Andorra gaben als erste auf, nun folgen die Schweiz, Luxemburg und Österreich: Die Regierungen von Steueroasen in ganz Europa beugen sich dem internationalen Druck - das Ende des Bankgeheimnisses?
Das Ende des Bankgeheimnisses sollte eher darin bestehen, dass die Verluste von Pleitebanken offengelegt werden und dem Bürger dargelegt wird, wer die Begünstigten all der Rettungsmilliarden sind, die in den Bankensektor gepumpt werden. Schulden verstaatlichen und Gewinne privatisieren (http://www.plantor.de/2009/hre-schulden-verstaatlichen-und-gewinne-privatisieren/), das darf nicht die Politik sein, hier gilt es an erster Stelle Transparenz zu schaffen.
Zero2024 13.03.2009
3.
Es wird andere Wege und Orte geben. Dieses Geld wird wohl dann in andere Länder verschifft. Man wird es nie vermeiden können, dass Menschen versuchen Ihre Steuern zu hinterziehen.
Reziprozität 13.03.2009
4.
Zitat von sysopLiechtenstein und Andorra gaben als erste auf, nun folgen die Schweiz, Luxemburg und Österreich: Die Regierungen von Steueroasen in ganz Europa beugen sich dem internationalen Druck - das Ende des Bankgeheimnisses?
"Nachdem Merz diese Änderungen präsentiert hatte, stellte er andererseits ausdrücklich fest: «Das Bankgeheimnis bleibt bestehen». Deshalb brauche es auch keine Gesetzesänderungen. Der Finanzminister betonte insbesonders, _dass sich für in der Schweiz ansässige Steuerpflichtige gar nichts ändere._" Prima, ich bin zufrieden mit dieser Lösung.
Reziprozität 13.03.2009
5.
Zitat von Reziprozität"Nachdem Merz diese Änderungen präsentiert hatte, stellte er andererseits ausdrücklich fest: «Das Bankgeheimnis bleibt bestehen». Deshalb brauche es auch keine Gesetzesänderungen. Der Finanzminister betonte insbesonders, _dass sich für in der Schweiz ansässige Steuerpflichtige gar nichts ändere._" Prima, ich bin zufrieden mit dieser Lösung.
Quelle (http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/schweiz_bankgeheimnis_konzessionen_oecd_standard_1.2193064.html)
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