Bonuszahlungen Postbank-Vorstand sicherte sich Millionenprämie

Der Zeitpunkt war schlecht gewählt. Wenige Tage vor Bekanntwerden des Gewinneinbruchs hat der Vorstand der Deutschen Postbank noch Sonderzahlungen in Millionenhöhe erhalten - für außerordentliche Belastungen bei der Suche nach einem Investor. Die Prämien würden aber noch nicht ausgezahlt, hieß es.


Hamburg - Ein Jahresgehalt zusätzlich für Vorstandsmitglieder: Der Aufsichtsrat mit Postchef Frank Appel an der Spitze hat nach Informationen des SPIEGEL den Postbank Chart zeigen-Managern einen massiven Bonus gezahlt. Spekulationen, wonach sich die Manager vor einer möglichen Inanspruchnahme von staatlichen Garantien noch schnell die eigenen Taschen füllen wollten, weisen Post und Postbank von sich. Auch mit dem überraschenden Gewinneinbruch des Unternehmens in Höhe von rund 450 Millionen Euro bestehe keinerlei Zusammenhang.

Postchef Frank Appel: Massive Boni für Postbank-Vorstand
DPA

Postchef Frank Appel: Massive Boni für Postbank-Vorstand

Die Millionenprämie und der konkrete Termin seien bereits im Mai vereinbart worden, teilte das Unternehmen mit. Damals habe sich die Postbank wegen andauernder Verkaufsspekulationen in schwerem Fahrwasser befunden. Das Management habe vor außerordentlichen Belastungen gestanden.

Insofern sei dem Vorstand eine Sonderprämie für den Fall zugestanden worden, dass die Postbank doch noch zu einem lukrativen Preis an einen Investor veräußert werden könne. Dies sei nun der Fall. Zudem hätten die Banker zugesichert, die Sonderprämie einzufrieren und erst in Anspruch zu nehmen, wenn die Postbank wieder schwarze Zahlen schreibt, beschwichtigt das Unternehmen.

Die Bank habe im Zuge der Verkaufsabsichten und dem Einstieg der Deutschen Bank nicht noch weitere Manager verlieren wollen, sagte ein Postbank-Sprecher. Deshalb sei der Bonus vereinbart worden. Die Vorstände hätten das Geld aber mit dem Hinweis auf die Finanzlage der Bank vorübergehend zurückgegeben.

Die Postbank hatte vor wenigen Tagen einen Gewinneinbruch im dritten Quartal bekanntgegeben. Zugleich verkündete die Bank, sich vom Mutterkonzern Post rund eine Milliarde Euro zu besorgen. Appel hatte sich am Freitag gegen ein Konjunkturpaket der Bundesregierung ausgesprochen, den Stabilitätsfonds der Regierung dagegen als "sicher keine schlechte Lösung" bezeichnet. Zugleich hatte er bekräftigt, die Postbank habe eine privatwirtschaftliche Lösung gefunden.

Royal Bank of Scotland unter Beschuss

In Schottland sorgt derweil die krisengebeutelte Royal Bank of Scotland (RBS) für Aufregung. Nachdem ein staatliches Rettungspaket von 20 Milliarden Pfund (25,2 Milliarden Euro) gezahlt wurde, sollen nun Tausende Mitarbeiter Boni erhalten. Zwar hatte die Regierung bestimmt, dass auf höchster Managementebene keine Zusatzzahlungen zulässig sind - doch erfolgreiche Investmentbanker innerhalb der Belegschaft sollen trotzdem massive Boni erhalten, wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet.

Die Bank gab einen Betrag von 1,79 Milliarden Pfund für Gehälter und Boni an, die allein in der Investmentbanking-Abteilung für das erste Halbjahr 2008 gezahlt werden sollten. Das ist der Bereich, der im gleichen Zeitraum mit einem Verlust von 5,9 Milliarden Pfund das Unternehmen an den Rand der Pleite brachte. Doch wenn dort Bonuszahlungen ausgesetzt würden, würden die Angestellten vermutlich zur Konkurrenz abwandern, wie ein namentlich nicht genannter Experte der Zeitung sagte.

Die Regierung habe gesagt, man werde strikte Regelungen gegen Bonuszahlungen treffen, doch es sei klar, dass die Banken sich nicht daran hielten, polterte daraufhin der Liberaldemokrat Vince Cable. "Die Banken machen sich doch über die lustig."

sto/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 57 Beiträge
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Pinarello, 01.11.2008
1. Juckt das noch jemand?
Wen juckt denn das alles noch, die angebliche Elite hat doch inzwischen in einem Maße jegliche moralischen Anspruch und Integrität verloren daß einem nicht mal mehr solche Meldungen das Blut in Wallung bringen. Die angestellten Damen und Herren in den Vorstandsetagen zeigen nur noch ganz deutlich, daß die erste und wichtigste Aufgabe ihres Berufes daraus besteht, sich schnellstens die eigene Tasche und die eigenen Bankkonten zu füllen, alles andere ist nur noch Alibi. Gerade die Deutsche Post ist, neben der Bahn, das Musterbeispiel, im Inland die Poststellen bis zum geht nicht mehr ausgedünnt, viele Milliarden in den USA beim Global Player Wahn verbrannt, aber die Herren Vorstände genehmigen sich fleißig ihre Erfolgsprämien, für was denn eigentlich. Übrigens, analog zur Bahn AG ist ja der Mehrheitsaktionär der Deutschen Post immer noch die Bundesrepublik Deutschland. Wer ist denn hier der oder die Vertreter im Aufsichtsrat und wieviel Ex-Politiker sind bereits mit Posten und hochdotierten Beraterverträgen gekauft worden?
munaykim 01.11.2008
2. Federn
federn und teeren und dann so wie vom bohlen vorgeschlagen weiter behandeln
Rainer Daeschler, 01.11.2008
3. Das All und die Gründe für Boni sind unendlich
Zitat von sysopDer Zeitpunkt war schlecht gewählt. Wenige Tage vor Bekanntwerden des Gewinneinbruchs hat der Vorstand der Deutschen Postbank noch Sonderzahlungen in Millionenhöhe erhalten - für außerordentliche Belastungen bei der Suche nach einem Investor. Die Prämien würden aber noch nicht ausgezahlt, hieß es. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,587869,00.html
Bekommen Vorstände jetzt eigentlich auch Boni für unfallfreies Essen mit Messer und Gabel?
lmike, 01.11.2008
4. Boni - Unwort des Jahres
Das wird ein einsamer Sieger.
wasissn, 01.11.2008
5. Selbst die Pleite ist ein Bonus
Zitat von Rainer DaeschlerBekommen Vorstände jetzt eigentlich auch Boni für unfallfreies Essen mit Messer und Gabel?
quod erat demonstrandum
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