Boom der Privatjets Luxus im Himmel

Limousinenservice und Sushi vom Lieblingsjapaner statt stundenlanger Kontrollen und schwitzender Sitznachbarn: Immer mehr Manager chartern oder kaufen Privatjets. Kostengünstige Superleicht-Flieger und Lufttaxiunternehmen machen diesen Luxus auch für weniger Betuchte erschwinglich.


Hamburg – Mark Booth lässt keinen Zweifel daran, an welche Klientel er sich richtet: Flugreisen seien ein "bedauerliches Unterfangen geworden", beklagt der Netjets-Europe-Chef auf der Internetseite des Unternehmens. Egal wie viel man für sein Ticket bezahle - Verspätungen und das Gedränge am Flughafen seien unvermeidbar. Ein Privatjet sei etwas für Menschen, "die nicht bereit sind, die Kontrolle über ihr Leben abzugeben", philosophiert der Manager. Wer einen Flieger bei Netjets chartere, könne das Reisen in der Luft wieder zu einer "kultivierten Erfahrung" machen.

Die Cessna Citation Bravo von Netjets: Der kleinste Flieger des Charteranbieters
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Die Cessna Citation Bravo von Netjets: Der kleinste Flieger des Charteranbieters

An Bord der Cessna Citation Bravo, die gerade im Geschäftsfliegerzentrum des Hamburger Flughafens zwischengelandet ist, geht es dementsprechend zu. Champagner und Chablis stehen gut gekühlt in der kleinen Bar hinter dem Cockpit. Die hellen, weichen Ledersitze sehen aus wie poliert. Wenn die nächsten Gäste mit der Luxuslimousine angerauscht kommen, wird Pilot Jason Williams wie immer schon vorab über deren spezielle Vorlieben informiert sein - und die Lieblings-Mineralwassermarke oder den bevorzugten Rotwein besorgt haben. Williams zeigt auch nach einem langen Arbeitstag immer noch sein beflissenes Lächeln, die Uniform sitzt perfekt. Gerade habe er ein siebenjähriges Mädchen zu seiner Geburtstagsfeier geflogen, erzählt er freundlich. Nichts Besonderes offenbar.

Der kleine, schnittige Flieger ist das Schlichteste, was Netjets zu bieten hat. In den größeren gibt es elegant eingerichtete Küchen und Bäder. Das Essen an Bord wird auf Wunsch aus internationalen Gourmettempeln geliefert. Dort wurden eigens Netjets-Menüs entwickelt. Weil Gewürze in großen Höhen weniger stark schmecken und das Essen noch einmal aufgewärmt werden muss. Um sich die Stammkundschaft warm zu halten, bietet Netjets noch kleine Extras außerhalb der Fliegerei wie etwa ein Privatkonzert von Lionel Richie oder eine eigene Netjets-Lounge bei einer angesagten Kunstmesse.

Eine reine Zeitfrage

Allerdings hört man es im Unternehmen nicht gern, wenn allzu viel über den Super-Luxus gesprochen wird. Darum gehe es den meisten Kunden doch gar nicht. Er fliege viele Manager, versichert etwa Pilot Williams. "Die meisten kommen rein, nehmen ein Mineralwasser und sagen: 'Los, los.'" Eine reine Zeitfrage. Ein Businessjet warte, wenn ein Meeting mal länger dauert. "Und selbst wenn Sie irgendwo in Marrakesch stehen, holen wir Sie in 24 Stunden ab", beteuert auch Netjets-Deutschland-Chef Steffen Fries. Wichtige Verhandlungen könnten noch an Bord vorbereitet, brisante Akten bearbeitet werden – ungestört vom neugierigen Blick des Sitznachbarn.

Die Flexibilität hat ihren Preis. Wer gar einen eigenen Jet kaufen will, ist schnell eine zweistellige Millionensumme los. Eine Teileigentümerschaft bei Netjets mit Anrecht auf 50 Flugstunden im Jahr kostet immerhin noch 400.000 Dollar Minimum, eine 25-Stunden-Karte um die 130.000 Euro.

Trotz der saftigen Preise leisten sich Manager und Superreiche den teuren Luxus aber immer öfter. 2006 wurden 18 Prozent mehr Privatjets weltweit ausgeliefert als noch im Vorjahr. Die Nachfrage ist so groß, dass die Kunden auf einen neuen Flieger inzwischen zwei bis drei Jahre warten müssen - vor allem weil die Kabinenausstatter mit der Einrichtung von Ledersitzen, Konferenzräumen und individuellen Badezimmern nicht nachkommen.

Und auch das Geschäft von Charteranbietern ist in den vergangenen Jahren aufgeblüht: Die Bombardier-Tochter Flexjet, die in den USA ebenfalls Teileigentum an Privatjets verkauft, verzeichnete seit 2003 ein Umsatzwachstum von 130 Prozent. Marktführer Netjets absolvierte 2006 weltweit 62.000 Flüge – rund 30 Prozent mehr als 2005. Allein zur Fußballweltmeisterschaft flog das Unternehmen 200 Mal. In den USA haben viele Beteiligungsanbieter schon Probleme, weil die Flieger zu Stoßzeiten wie Weihnachten zu viel unterwegs sind - und viele Teilbesitzer frustriert abspringen und lieber gleich Stundenkontingente kaufen.



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