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Rohstoffboom in Botswana: Diamanten für die Armen

Von , Gaborone

Rohstoffboom: Diamanten machen Botswana reich Fotos
REUTERS

Botswana wird zum Zentrum des globalen Diamantenhandels: Weltmarktführer De Beers verlegt große Teile seines Geschäfts von London nach Gaborone. Die dortige Regierung ist an den Edelsteinverkäufen beteiligt - und finanziert damit Häuser und Straßenbeleuchtung in den Armenvierteln.

Vor einiger Zeit schon wurden Laternen aufgestellt. Ende vergangenen Jahres haben Bauarbeiter auch die Straße verbreitert: Sie ist jetzt glatt, geteert, eingefasst von Randsteinen. Gaonyadiwe Keithatile ist für sie verantwortlich. Sie wohnt an der neuen Straße in Old Naledi, dem Armenviertel von Botswanas Hauptstadt Gaborone, und hält ihre Kreuzung sauber. 400 Pula, etwa 37 Euro, bekommt sie dafür im Monat.

Die Stadtverwaltung stellt Leute an, die die Straßen kehren oder das Gras an den Rändern außerhalb der Stadt mähen. Das Geld für das Beschäftigungsprogramm und die neuen Straßen kommt aus den Diamantenminen: Botswana im Süden Afrikas fördert so viele der Edelsteine wie kein anderes Land. Gerade entwickelt sich der kleine Staat zum Zentrum des weltweiten Diamantenhandels - und anders als in vielen Ländern Afrikas soll hier auch die Bevölkerung davon profitieren.

Gaonyadiwe Keithatile, eine stämmige Frau mit kurzen Locken, wohnt seit fünf Jahren im Haus mit der Nummer 09029 in Old Naledi. In den vergangenen Jahren wurde hier nicht nur die Straße geteert, auch viele Häuser haben einen neuen, meist meerblauen oder hellbeigen Anstrich bekommen. Ihr Haus könnte eines der nächsten sein.

"Wir versuchen, ihnen zu helfen"

"65 Prozent der Häuser sind bereits frisch gestrichen", sagt Matshidiso Moramedi, der Assistent des Parlamentsabgeordneten für Old Naledi. "Alle Grundstücke haben jetzt einen Wasseranschluss, an bedürftige Familien geben wir Spaghetti, Brot und andere Lebensmittel aus." Drei Viertel der Menschen in Moramedis Wahlkreis lebten unter der Armutsgrenze. "Wir versuchen, ihnen zu helfen."

Botswanas Diamanten sollen die Armut reduzieren: Das Land schafft es, die Bevölkerung an seinem Rohstoffreichtum teilhaben zu lassen. Andere,wie die Demokratische Republik Kongo, zerbrechen daran.

Nun wird Botswana auf besondere Weise gewürdigt: De Beers, der größte Diamantenhändler der Welt, kommt ins Land. 125 Jahre lang, seit der Gründung des Unternehmens 1888, sichtete und verkaufte der Konzern seine Steine in London. Allein 2012 hatten die Geschäfte einen Wert von 6,1 Milliarden Dollar.

Doch nun gibt es ein neues Zentrum des Diamantenhandels: Ende vergangenen Jahres verlagerte De Beers bereits seine Qualitätsprüfung nach Gaborone; auch geschliffen, verdichtet und gepresst wird inzwischen nicht mehr in Europa. Gerade zieht auch der Verkauf um: De Beers will ab diesem Jahr alle Verkäufe in Botswana abwickeln.

De Beers unterhält Minen in Botswana, Namibia, Kanada und Südafrika. 27,9 Millionen Karat hat der Konzern im vergangenen Jahr produziert - 20,2 Millionen davon in Botswana. Für das Land, das etwa so viele Einwohner hat wie Hamburg, ist das ein gigantischer Erfolg.

Die Armenquote ist gesunken

Die Regierung ist zur Hälfte am Verkauf der Bodenschätze beteiligt. Das Unternehmen "Debswana", das in Botswana Diamanten fördert, ist ein Joint Venture und gehört zu je 50 Prozent De Beers und dem botswanischen Staat. Dadurch stammen etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts und die Hälfte der Staatseinnahmen aus dem Handel mit Edelsteinen.

Laut "African Economic Outlook" sei vor allem wegen dieser Einnahmen die Zahl der Menschen unter der Armutsgrenze zwischen 2002 und 2010 von 31 auf 21 Prozent gesunken. Trotzdem gibt es immer noch eine hohe Arbeitslosigkeit und Einkommensungleichheit. Die Regierung sei aber bemüht, diese Probleme zu lösen.

"Botswana ist äußerst gut darin, den Reichtum unter der Erde - die Diamanten - in Reichtum übertage zu transformieren, etwa in Bildung und Humankapital", erklärt Rick van der Ploeg, Wirtschaftsprofessor an der Universität Oxford. Botswana sei ethnisch homogener als andere Staaten und deshalb weniger anfällig für den "Rohstofffluch".

"Grundsätzlich ist es zwar besser, Einnahmen in einem unabhängigen Fonds anzulegen", sagt van der Ploeg. "In vielen Entwicklungsländern herrscht allerdings ein Mangel an Kapital, deshalb ist es für solche Länder sinnvoll, das Diamantengeld für Investitionen im Land zu verwenden."

Etwa 200.000 Pula, rund 18.000 Euro, seien bisher in seinem Wahlkreis im Armenviertel Old Naledi für die Verminderung der Armut und die Aufwertung der Gegend investiert worden, sagt Matshidiso Moramedi im Abgeordnetenbüro. "Aber wir machen weiter", verspricht er. "Wir wollen noch ein Gemeindezentrum bauen." Und danach einen neuen Sportplatz.

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insgesamt 57 Beiträge
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1. Hier wäre von Deutschland zu lernen.
lanoia 02.06.2013
Die oberen 10 % bekommen das Meiste.
2. 6.1 Mrd € Umsatz pro Jahr
britneyspierss 02.06.2013
Und 37 € für eine Straßenkehrerin die damit ihre 9 Kinder durchbringt. Kapitalismus vom Feinsten! Ich bin in Zwiespalten bei diesem Artikel. Einerseits ist es sehr vorbildlich was dort geschieht , andererseits hat es einen beissigen Beigeschmack wenn Multimilliardäre armen Arbeitern ,die unter Tage für Diamantenhändler schuften , ihre Häuser himmelblau streichen... Naja ich glaube wenn man nichts hat dann würde ich mit fließend Wasser und einem neuen Anstrich meiner Hütte,einer geteerten Strasse und für 37,-€ Lohn im Monat auch loyal und ruhig sein.
3.
TheK79 02.06.2013
Das klingt ja erstmal gut – wenn man dazu bedenkt, dass Botswana eine der niedrigsten Korruptionsraten der Welt hat und schon heute einen höheren Entwicklungsstand als der als reich geltende Nachbar Südafrika, könnte sich hier eine positive Entwicklung abzeichnen. Wichtig wäre, das Geld auch in die Schaffung von Arbeitsplätzen zu stecken, um nicht ewig von einem einzigen Gut abhängig zu sein.
4. De Beers ...
distel61 02.06.2013
... geht strategisch klug vor. Wenn in Botswana dermaßen viel Diamanten gefördert werden und De Beers wäre nicht beteiligt, dann wäre das Quasimonopol in Gefahr.
5. Schön
earl grey 02.06.2013
Zitat von distel61... geht strategisch klug vor. Wenn in Botswana dermaßen viel Diamanten gefördert werden und De Beers wäre nicht beteiligt, dann wäre das Quasimonopol in Gefahr.
Jupp, man weiss nicht, was da im Hintergrung für Verhandlungen gelaufen sind. Freiwillig macht De Beers das sicher in dem Umfang nicht, aber so wie jetzt haben alle etwas davon - klassische Win-Win Situation. Schön auch das endlich mal ein afrikanisches Land die Kurve kriegt und sich nicht nur irgendwelche Despoten die Taschen voll stopfen.
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