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Boykott gegen Iran: USA setzen deutsche Firmen unter Druck

Der Freund meines Feindes ist auch mein Feind – diesen Grundsatz verfolgt die US-Regierung kompromisslos, auch wenn es um reine Wirtschaftsbeziehungen geht. Einem Zeitungsbericht zufolge wurden US-Diplomaten in diesem Punkt gegenüber deutschen Mittelständlern ungewöhnlich deutlich.

Düsseldorf – Die Lieferungen der Maschinenbau-Unternehmen an Iran betrachten die USA als unfreundlichen Akt. Vertreter der US-Botschaft hätten deshalb bereits vor Monaten in Frankfurt versucht, Firmen zum Ausstieg aus dem Iran-Geschäft zu bewegen, berichtete die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf den Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Maschinenbau: US-Markt von großer Bedeutung
AP

Maschinenbau: US-Markt von großer Bedeutung

Die "Frankfurter Rundschau" zitierte den Vorsitzenden der deutsch-iranischen Parlamentariergesellschaft, Rolf Mützenich (SPD), mit den Worten, zwei US-Beauftragte hätten bei Besuchen von Firmen auf "mögliche Auswirkungen auf Geschäfte in den USA" hingewiesen. Der VDMA-Außenwirtschaftsexperte Klaus Friedrich sagte dem Blatt, Maßstab für den Maschinen- und Anlagenbau seien die politischen Vorgaben der Vereinten Nationen sowie die europäische und deutsche Rechtslage. Es sei Sache der Bundesregierung über eine mögliche Verschärfung zu befinden. Dies habe man auch den US-Diplomaten klargemacht.

Vom VDMA war bislang keine Stellungnahme zu erhalten.

Die USA werfen Iran vor, Atomwaffen bauen zu wollen, was die Führung in Teheran bestreitet. Das Land arbeite lediglich an einem Programm zur friedlichen Nutzung der Atomenergie, hieß es. US-Präsident George W. Bush erhöht seit Monaten den Druck auf Iran. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist derzeit zu Besuch bei Bush auf dessen Ranch in Texas. Der Atomstreit mit Iran sollte dabei auch Thema sein.

An anderer Stelle hatte die US-Regierung bereits mehr Erfolg: Die Deutsche Bank und Commerzbank haben in den vergangenen Monaten schrittweise ihre Iran-Aktivitäten zurückgefahren. Im August wurde zudem bekannt, dass auch die Dresdner Bank ihre Geschäfte komplett einstellen will.

Die Institute fürchten Einbußen im für sie enorm wichtigen Geschäft mit den USA. Im vorigen Jahr hatten weitere Großbanken ihren Dollar-Zahlungsverkehr mit Iran eingestellt, darunter Credit Suisse, UBS, ABN Amro sowie Banken aus Frankreich und Großbritannien.

mik/Reuters

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