Branchengerücht Freenet an AOL Deutschland interessiert

Der Telekomanbieter Freenet prüft einem Agenturbericht zufolge die Übernahme von AOL Deutschland. Auch die britische AOL-Tochter soll verkauft werden. Den Preis, den der US-Mutterkonzern verlangt, bewerten Experten allerdings als utopisch.


Hamburg - Freenet, die Tochter des Mobilfunkkonzerns Mobilcom, habe die Angebotsunteranlagen angefordert und lote die Möglichkeiten für einen Erwerb aus. Das will die Agentur dpa erfahren haben. Eine Sprecherin des Hamburger Unternehmens Freenet lehnte einen Kommentar dazu ab: "Wir beteiligen uns nicht an Marktgerüchten", so die Sprecherin.

Mit dem Erwerb könnte Freenet seine Position auf dem deutschen Breitbandmarkt kräftig stärken. AOL Deutschland hatte zuletzt eine Million DSL-Kunden unter Vertrag, Freenet nur knapp 800.000. Als mögliche Interessenten für den Internetanbieter gelten auch United Internet und Telecom Italia .

Bereits am Wochenende hatte es Spekulationen über den Verkauf von AOL England gegeben. Die British Sky Broadcasting Group (BSkyB) und die BT Group sind der "Sunday Times" zufolge Favoriten für eine eventuelle Übernahme des britischen Geschäfts von AOL. Allerdings sei der angestrebte Kaufpreis von einer Milliarde Pfund strittig, wie die britische Zeitung berichtet. Potenzielle Käufer hätten bis zum heutigen Montag Zeit, die Ernsthaftigkeit ihres Interesses darzulegen.

Der Medienkonzern Time Warner prüft seit einigen Wochen den Verkauf der europäischen AOL-Aktivitäten. Der Verkaufsprozess wird dem Vernehmen nach von dem amerikanischen Bankhaus Citigroup begleitet. Die von Citigroup bereit gestellten Dokumente enthielten allerdings nur wenige Informationen, monierte laut "Sunday Times" ein Manager, der selbst mit einem möglichen Gebot befasst ist. Daher sei eine Bewertung des britischen AOL-Geschäfts schwierig.

Der Manager sagte, er glaube nicht, dass die Transaktion zum Preis von einer Milliarde Pfund über die Bühne gehen werde. Erreichbar sei vielleicht ein Preis von 200 bis 300 Pfund pro AOL-Kunde. Damit würde der britische Ableger des Internetanbieters maximal 660 Millionen Pfund bringen, schreibt die Zeitung. Ein BT-Sprecher wollte die Spekulationen nicht kommentieren. Bei BSkyB war kurzfristig niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

tim/mm.de/dpa



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