Arbeitsbedingungen in Textilindustrie: Mode-Beschäftigte wollen für Zulieferer kämpfen

Von Susanne Amann

Der Brand in einer pakistanischen Textilfabrik zeigt einmal mehr die fatalen Arbeitsbedingungen, unter denen Billigkleidung entsteht. Jetzt wollen sich die Beschäftigten von Zara, H&M und der Metro erstmals für bessere Arbeitsbedingungen bei Zulieferern starkmachen.

Abgebrannte Textilfabrik in Karatschi: Hier wurde für Kik genäht Zur Großansicht
DPA

Abgebrannte Textilfabrik in Karatschi: Hier wurde für Kik genäht

Berlin - Die Zusammenfassung war so kurz wie klar: "Wir haben mit schlimmen Verhältnissen gerechnet, aber die Realität hat uns schockiert", so beschreibt Johann Rösch, Textilexperte von Ver.di, die Eindrücke einer Reise nach Bangladesch. Ähnliches gilt für andere asiatische Länder wie Indien oder Pakistan, wo erst vergangene Woche bei einem Großbrand in einer Textilfabrik rund 300 Menschen ums Lebenkamen.

In dieser Fabrik wurde unter anderem für den Billiganbieter Kik produziert.

Zusammen mit Betriebsräten von H&M, Zara und Metro hatte Rösch im letzten Herbst Produktionsstätten in Bangladesch besucht und sich dort über die Situation bei der Herstellung von T-Shirts, Hosen und Kleidern informiert.

Das Ergebnis der Reise ist eine internationale Kampagne, die Ver.di am Donnerstag in Berlin vorstellt. Unter dem Namen "Exchains" fordert die Dienstleistungsgewerkschaft gemeinsam mit den Betriebsräten multinationaler Handelskonzerne wie H&M, Zara und Metro sowie dem Bildungsnetzwerk TIE, die Löhne der asiatischen Arbeiter zu erhöhen. Außerdem sollen die Konzerne dazu gebracht werden, ihre Zulieferbetriebe offenzulegen. Ferner wollen die Initiatoren das Zugangsrecht für Gewerkschaften in den Fabriken verbessern und Gesundheits- und Arbeitsschutzkomitees vor Ort gründen.

Durchsetzen will man die vier Kernforderungen, indem die Arbeitnehmervertreter das Management immer wieder damit konfrontieren. Gleichzeitig hofft man bei Ver.di auch auf die Kunden, die mit ihrer Kaufentscheidung Druck ausüben könnten.

Nach Berechnungen von Ver.di würde sich ein Kleidungsstück im Schnitt lediglich um 12 Cent verteuern, wenn man den Näherinnen pro Monat 50 Euro mehr Lohn zahlen würde. "Ein lächerlicher Betrag für den Auftraggeber oder für den Konsumenten, aber ein Riesenschritt für die Näherin in Bangladesch auf dem Weg zu einem besseren Leben", so Rösch.

Allein in Bangladesch stellen 3,5 Millionen Arbeiterinnen in 5000 Bekleidungsfabriken Kleider für den Export in die globalen Märkte her, vor allem nach Europa und Nordamerika. Entlohnung und Arbeitsbedingungen sind allerdings katastrophal. So sind zwischen 2006 und 2010 allein in Bangladesch mehr als 550 Beschäftigte bei Fabrikbränden ums Leben gekommen, Hunderte wurden schwer verletzt.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
carlo02 20.09.2012
wo kann ich fair kleidung kaufen?
2.
frautina 20.09.2012
Hoffentlich wird das durchgezogen. Es ist höchste Zeit.
3.
fagus 20.09.2012
Zitat von carlo02wo kann ich fair kleidung kaufen?
Beim Schneider im Ort, falls es noch einen gibt. Oder bei Online-Portalen wie etsy oder dawanda, wo einzelne einheimische Kleinunternehmer ihre Sachen verkaufen. Die sind dann noch dazu nicht von der Stange. Oder man sucht sich entsprechende größere Händler, die fair gehandelte Kleidung anbieten (siehe z.B. Fair Trade Kleidung (http://www.fair-trade-kleidung.com/)), allerdings läßt sich da schwerlich etwas wirklich nachprüfen.
4. Faire Mode
M_Schwabenbrunner 20.09.2012
Zitat von carlo02wo kann ich fair kleidung kaufen?
Ein paar gute Firmen, die auch auf jeden Fall ohne Kinderarbeit produzieren, findest du hier: Bestenliste Faire Mode | Aktiv gegen Kinderarbeit (http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/firmen/besten-listen/faire-mode/)
5. Faire Kleidung
mickymicki 20.09.2012
Man muß schon sehr genau hinschauen, wenn man sich in eine halbwegs weiße Weste kleiden will. Handwerklich gemachte Kleidung vom Schneider oder Dawanda et al. ist eine schöne Sache, leider für viele zu kostspielig. Selbst Nähen ist da schon erschwinglicher, aber wer kann das noch. Immerhin, vor ein, zwei Generationen war das eine weit verbreitete Fähigkeit, die vielleicht sogar die eine oder andere Mutter oder Oma noch weitergeben könnte, bei Bedarf. Nähkurse gibt es auch recht zahlreich, Nähmaschinen werden einem sogar nachgeschmissen, ob alt oder neu. Bleibt natürlich der Haken, daß jeder zum Nähen erst einmal Stoffe braucht. Wo kommen die wohl her? So eine industrielle Spinnerei oder Weberei ist potentiell auch eine ziemlich grausame Arbeitsstelle (z.B. Stichwort "Manchester-Kapitalismus", und Stoffe aus mehr oder weniger einheimischer Produktion sind jedenfalls nicht billig genug, um Kleidung in preislicher Kik-Nähe daraus zu machen. Geeignete recycelte Stoffe, z.B. aufgetrennte "Alt"-Kleidung können eine Alternative sein, und wer sucht, findet vielleicht im Bekanntenkreis auch noch Omas Stoffvorräte im hintersten Winkel des Wandschranks.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles zum Thema Textilindustrie
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Donnerstag, 20.09.2012 – 12:41 Uhr
  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 11 Kommentare

Fotostrecke
Billig-Kleidung: Textilarbeiter in Bangladesch