Arbeitsbedingungen in Textilindustrie: Mode-Beschäftigte wollen für Zulieferer kämpfen
Der Brand in einer pakistanischen Textilfabrik zeigt einmal mehr die fatalen Arbeitsbedingungen, unter denen Billigkleidung entsteht. Jetzt wollen sich die Beschäftigten von Zara, H&M und der Metro erstmals für bessere Arbeitsbedingungen bei Zulieferern starkmachen.
Berlin - Die Zusammenfassung war so kurz wie klar: "Wir haben mit schlimmen Verhältnissen gerechnet, aber die Realität hat uns schockiert", so beschreibt Johann Rösch, Textilexperte von Ver.di, die Eindrücke einer Reise nach Bangladesch. Ähnliches gilt für andere asiatische Länder wie Indien oder Pakistan, wo erst vergangene Woche bei einem Großbrand in einer Textilfabrik rund 300 Menschen ums Lebenkamen.
In dieser Fabrik wurde unter anderem für den Billiganbieter Kik produziert.
Zusammen mit Betriebsräten von H&M, Zara und Metro hatte Rösch im letzten Herbst Produktionsstätten in Bangladesch besucht und sich dort über die Situation bei der Herstellung von T-Shirts, Hosen und Kleidern informiert.
Das Ergebnis der Reise ist eine internationale Kampagne, die Ver.di am Donnerstag in Berlin vorstellt. Unter dem Namen "Exchains" fordert die Dienstleistungsgewerkschaft gemeinsam mit den Betriebsräten multinationaler Handelskonzerne wie H&M, Zara und Metro sowie dem Bildungsnetzwerk TIE, die Löhne der asiatischen Arbeiter zu erhöhen. Außerdem sollen die Konzerne dazu gebracht werden, ihre Zulieferbetriebe offenzulegen. Ferner wollen die Initiatoren das Zugangsrecht für Gewerkschaften in den Fabriken verbessern und Gesundheits- und Arbeitsschutzkomitees vor Ort gründen.
Durchsetzen will man die vier Kernforderungen, indem die Arbeitnehmervertreter das Management immer wieder damit konfrontieren. Gleichzeitig hofft man bei Ver.di auch auf die Kunden, die mit ihrer Kaufentscheidung Druck ausüben könnten.
Nach Berechnungen von Ver.di würde sich ein Kleidungsstück im Schnitt lediglich um 12 Cent verteuern, wenn man den Näherinnen pro Monat 50 Euro mehr Lohn zahlen würde. "Ein lächerlicher Betrag für den Auftraggeber oder für den Konsumenten, aber ein Riesenschritt für die Näherin in Bangladesch auf dem Weg zu einem besseren Leben", so Rösch.
Allein in Bangladesch stellen 3,5 Millionen Arbeiterinnen in 5000 Bekleidungsfabriken Kleider für den Export in die globalen Märkte her, vor allem nach Europa und Nordamerika. Entlohnung und Arbeitsbedingungen sind allerdings katastrophal. So sind zwischen 2006 und 2010 allein in Bangladesch mehr als 550 Beschäftigte bei Fabrikbränden ums Leben gekommen, Hunderte wurden schwer verletzt.
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- Donnerstag, 20.09.2012 – 12:41 Uhr
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