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Brandkatastrophe in Bangladesch: Textilfabrik-Chef gegen Kaution freigelassen

Die Anklage lautete auf fahrlässige Tötung, der Beschuldigte kommt gegen Kaution wieder frei. Arbeiter der Textilfabrik sprechen von Erpressung: Ihr Lohn sei einbehalten worden, um Druck auf die Justiz auszuüben.

Delwar Hossain bei seiner Festnahme: Fahrlässiger Tod von 112 Menschen Zur Großansicht
DPA

Delwar Hossain bei seiner Festnahme: Fahrlässiger Tod von 112 Menschen

Dhaka - Dieser Zusammenhang wirft Fragen auf: Fast zwei Jahre nach dem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch mit 112 Toten ist der Besitzer wieder auf freiem Fuß. Delwar Hossain sei wegen Totschlags angeklagt, aber auf Kaution freigekommen, berichtete die Zeitung "Daily Star". Wenige Stunden nach dessen Freilassung begann der Verband der Textilhersteller und -exporteure Bangladeschs damit, Arbeitern einige ausstehende Löhne zu zahlen.

Mehrere Hundert Textilarbeiter aus fünf Fabriken Hossains sind seit mehr als einer Woche im Hungerstreik. Sie haben seit drei Monaten keinen Lohn mehr erhalten. Einige Arbeiter sagten, ihr Lohn sei einbehalten worden, um Druck auf die Justiz auszuüben, den Fabrikbesitzer gehen zu lassen.

Zunächst nahm nur eine kleine Gruppe Arbeiter das Angebot an, zumindest die ausstehenden Löhne für die Monate Mai und Juni zu erhalten. Die meisten Streikenden blieben in einem Fabrikgebäude in Ashulia, einem Industrievorort der Hauptstadt Dhaka. Laut "Daily Star" ging die Polizei mit Stöcken auf Aktivisten und Journalisten los, die die Arbeiter unterstützen wollten.

Fabrikbesitzer Hossain hat sich laut Anklage der Fahrlässigkeit schuldig gemacht. Bei dem Brand waren im November 2012 111 Menschen gestorben, die meisten von ihnen Frauen. Die Fabrik gehört zur Tuba Group, bei der auch C&A, Walmart und andere europäische und US-amerikanische Auftraggeber fertigen ließen. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde das Feuer von einem Arbeiter gelegt.

Eine Untersuchungskommission forderte bereits eine Strafe für den Fabrikbesitzer, weil er die Sicherheit der Arbeiter nicht gewährleistet habe. In der Fabrik fehlten Notausgänge, und nur für drei der acht Stockwerke gab es eine Baugenehmigung. Überlebende hatten berichtet, dass sie bei ihrer Flucht vor verschlossenen Toren gestanden und die Aufseher ihnen befohlen hätten, trotz des Feueralarms wieder an die Arbeit zu gehen.

sun/dpa

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