Brasilien Ölbohrungen bedrohen Naturparadies

Enorme Erdölvorkommen soll es nahe der Amazonasmündung vor der brasilianischen Küste geben. Mehrere Konzerne besitzen Bohrlizenzen für das Gebiet. Bald könnte es losgehen - und eine einzigartige Umwelt zerstört werden.

REUTERS

Tief unter der Meeresoberfläche vor der brasilianischen Atlantikküste vermuten Ölkonzerne einen Schatz von bis zu 14 Milliarden Barrel Erdöl - und sie wollen ihn heben. Die Unternehmen Total (Frankreich), BP (Großbritannien) und Petroleo Brasileiro (Brasilien) haben sich Lizenzen gesichert, die Ausrüstung steht bereit, jederzeit könnten sie mit dem Bohren beginnen. Allerdings haben brasilianische Wissenschaftler in der Gegend ein gigantisches Korallenriff entdeckt.

Naturschützer warnen jetzt vor der Gefahr einer Umweltkatastrophe, auch für die Mangrovenwälder und den Regenwald am Amazonas. Greenpeace und lokale Umweltschützer fordern von den brasilianischen Behörden, die Ölsuche in der Region zu verbieten. Das mehr als 1000 Kilometer lange Korallenriff könne bisher unbekannte Tier- und Pflanzenarten beherbergen - die durch eine mögliche Ölverschmutzung zerstört werden könnten.

Der französische Ölkonzern Total verweist auf umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen und darauf, dass die brasilianische Regierung die Genehmigung schon vor vier Jahren erteilt hat. Total und seine Partnerunternehmen hatten die Bohrlizenzen in einer Auktion für rund 200 Millionen Dollar ersteigert.

Die Umweltschützer warnen vor den schwierigen Arbeiten in mehr als 1900 Meter unter der Wasseroberfläche - eine ähnliche Tiefe wie bei der BP-Bohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. Im Jahr 2010 hatte eine Explosion dort die größte Ölkatastrophe der Geschichte verursacht.

Vor einem ähnlichen Unglück fürchten sich auch die Flussfischer, die in der Amazonasregion vom Fischfang leben. Eine weitreichende Verschmutzung mit Erdöl würde ihnen die Basis ihres Lebens zerstören.

Sehen Sie in der Fotostrecke Bilder aus dem brasilianischen Naturparadies und aus dem Leben der Menschen, deren Existenzgrundlage ebenfalls bedroht ist.

nck/Reuters



insgesamt 11 Beiträge
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Anur 17.05.2017
1. Geld für die Welt!
Es hilft alles nicht, wir müssen Brasilien Ausgleichszahlungen leisten, damit dieses Land seine Natur erhalten kann. Die brasilianischen Naturräume sind für die gesamte Welt von unschätzbarem Wert, aber Brasilien eine verarmte, in Teilen unterentwickelte Nation mit ausufernder Korruption. Dieses Land hat ohne Geld der Weltgemeinschaft gar keine andere Wahl als aus allem Profit zu schlagen, was von Wert ist.
gunpot 17.05.2017
2. Warum immer dieser Aufschrei im voraus
Da gibt es Lizenzen und wahrscheinlich große Ölvorkommen. Inzwischen haben die Ölkonzerne hinzugelernt. Es ist nun an der Regierung, die spätere Förderung nicht nur mit Auflagen sondern auch deren konsequente Überwachung auf die Beine zu bringen. Bitte keine Vorverurteilungen. Naturparadiese und Ölförderung müssen sich nicht zwingend ausschließen.
grommeck 17.05.2017
3. Nein, hat die Vergangenheit auch so gezeigt...
Zitat von gunpotDa gibt es Lizenzen und wahrscheinlich große Ölvorkommen. Inzwischen haben die Ölkonzerne hinzugelernt. Es ist nun an der Regierung, die spätere Förderung nicht nur mit Auflagen sondern auch deren konsequente Überwachung auf die Beine zu bringen. Bitte keine Vorverurteilungen. Naturparadiese und Ölförderung müssen sich nicht zwingend ausschließen.
immer positiv denken und mein Auto fährt ohne Sprit auch nicht. alles wird gut für unsere Kinder und Enkel - am bitteren Ende!!
global.payer 17.05.2017
4. Erinnert mich an Ken Follet
und die Pelikanakte. Seitdem nix dazugelernt.
desertcruiser 17.05.2017
5.
Die meisten, d.h. die ärmeren Brasilianer profitieren von den Naturschönheiten bestimmt nicht. Wohl aber davon, wenn es dem Land durch diese Erdölförderung ingesamt besser gehen würde.
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