Mögliche US-Strafzölle Zypries will Gouverneure gegen Trump ausspielen

Bundeswirtschaftsministerin Zypries droht der US-Regierung im Fall von Strafzöllen mit Konsequenzen. Einem Bericht zufolge will Zypries in dem Fall mit den Gouverneuren einzelner US-Bundesstaaten direkt verhandeln.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries
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Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries


Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) droht den USA damit, bei der Verhängung von Strafzöllen gegen deutsche Unternehmen notfalls die Gouverneure einzelner US-Bundesstaaten gegen US-Präsident Donald Trump in Stellung zu bringen: "Wir werden eine Reise in die USA machen und auch mit den Bundesstaaten in Kontakt treten. Der Gouverneur von South Carolina zum Beispiel wird kein Interesse haben, dass BMW dort Arbeitsplätze abbaut", sagte Zypries dem Handelsblatt.

BMW, aber auch Daimler und VW haben in den vergangenen Jahrzehnten große Fabriken in den USA errichtet und damit dem schleichenden Niedergang der amerikanischen Industrie entgegengewirkt. Weit über 30.000 Arbeitsplätze haben allein die drei Hersteller in den Südstaaten geschaffen, schreibt die Zeitung. Rechne man die Zulieferer und die Folgejobs hinzu, komme man schnell auf eine Viertelmillion Arbeitsplätze, die allein die deutschen Autobauer in den USA sichern.

Zudem exportieren deutsche Hersteller auch aus den USA in andere Länder. So produzierte beispielsweise BMW im vergangenen Jahr rund 415.000 Autos in ihrem Werk in Spartanburg , dem weltweit größten Produktionsstandort des Konzerns - verkaufte auf dem US-Markt aber nur knapp 370.000 (s. Grafik).

Sollte die US-Regierung Importe von Autos und Autoteilen mit Strafzöllen belegen, dürfte das auch die amerikanische Wirtschaft treffen. Auch US-Autokonzerne sind von günstigen Importen für Teile wie Getriebe, Elektronik oder Einspritzpumpen abhängig. Weil sich dadurch gerade die günstigen Massenmodelle verteuern würden, dürften gerade die leiden, für die Trump eintreten will -weniger betuchte US-Bürger und amerikanische Unternehmen. (Lesen Sie hier eine ausführliche Analyse der Abhängigkeiten und globalen Verflechtungen der US-Autoindustrie.)

Trumps Handelsberater Peter Navarro hatte Deutschland vorgeworfen, mit dem schwachen Euro Handelspartner wie die USA auszubeuten. Trump hatte außerdem angekündigt, Importzölle für die Länder zu verhängen, mit denen die USA ein Außenhandelsdefizit haben. Gemeint sind vor allem China und Deutschland. Zur Diskussion stehen 20 Prozent auf ausländische Waren.

Daten: SPON/Producing/Projekte/Ressort/Wirtschaft/2017/Grafik USA Import Export - Nico Kwasnieski - Anna
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Daten: SPON/Producing/Projekte/Ressort/Wirtschaft/2017/Grafik USA Import Export - Nico Kwasnieski - Anna

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