Britische Immobilien Notenbanker befürchtet Wertverlust der Häuser um ein Drittel

Kredite werden nicht verlängert, Neuabschlüsse an deutlich strengere Bedingungen geknüpft - Millionen Briten bekommen die Immobilienkrise schmerzhaft zu spüren. Nach Überzeugung von David Blanchflower, Mitglied der Bank of England, steht die böse Überraschung aber noch bevor.


London - Die Prognose ist düster: Um bis zu dreißig Prozent könnten die Häuserpreise in den kommenden zwei bis drei Jahren noch fallen, befürchtet Blanchflower. Die Warnung kommt nicht von irgendwem: Blanchflower gehört zu dem neunköpfigen Gremium der Bank of England, das die Leitzinsen festlegt.

Wohnstraße in Macclesfield: Schnelles Handeln angemahnt
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Wohnstraße in Macclesfield: Schnelles Handeln angemahnt

Die Hoffnung gibt der Notenbanker gleichwohl nicht auf. Es sei durchaus möglich, die Entwicklung noch aufzuhalten - etwa durch die Senkung der Leitzinsen. "Hier sollten wir so schnell wie möglich handeln, um eine Rezession wie in den USA zu vermeiden", sagte er von der Royal Society im schottischen Edinburgh.

Im April sind die Häuserpreise in Großbritannien erneut gefallen: Sie lagen um 1,0 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Damit fielen die Preise mehr als doppelt so stark wie Analysten vorausgesagt hatten. Es ist der erste Rückgang auf Jahressicht seit zwölf Jahren. Im Durchschnitt kostete ein Haus in Großbritannien 178.555 Pfund.

Für die britischen Hausbesitzer hat die jüngste Entwicklung nicht selten dramatische Folgen, denn viele hatten ihr Haus im Vertrauen auf steigende Preise mit einem nur geringen Anteil an Eigenkapital finanziert. Vor ein, zwei Jahren noch genügten lediglich fünf Prozent des Kaufpreises, um einen Kredit zu erhalten. Einige Banken vergaben sogar Hypotheken ohne Anzahlung und finanzierten 125 Prozent des Werts einer Wohneinheit, weil sie die erwarteten Preissteigerungen mit einrechneten.

Niedrige Häuserpreise und die gestiegene Risikoscheu der Banken dürften nun dazu führen, dass Anschlussfinanzierungen nur noch zu deutlich schlechteren Konditionen zu bekommen sind. Allein im laufenden Jahr müssen über 1,4 Millionen Festzinshypotheken neu verhandelt werden.

Millionen Briten werden deshalb den Gürtel enger schnallen müssen - wenn sie denn überhaupt einen neuen Kredit bekommen. Nach Schätzungen des Verbands Intermediary Mortgage Lenders Association (IMLA) sind bis zu zwölf Prozent aller Hypotheken an schwache Schuldner gegangen. Die Finanzaufsicht Financial Services Authority (FSA) warnt sogar, dass rund ein Drittel aller Hypotheken, die zwischen März 2005 und September 2007 vergeben wurden, als riskant eingestuft werden müssten. Experten gehen davon aus, dass ein Großteil der Betroffenen nur noch die Möglichkeit hat, möglichst schnell zu verkaufen.

Zusammen mit der von der Finanzkrise gebeutelten Londoner City drückt das mächtig auf die Konjunktur. Nach drei Prozent Wachstum 2007 dürfte die britische Wirtschaft im laufenden Jahr nur noch 1,5 Prozent zulegen.

mik



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