Britische Währung Ein Pfund ist ein Euro

Englische Handtücher an balearischen Pools wird es künftig wohl seltener geben. Denn der Verfall des britischen Pfundes macht Urlaub im Ausland für immer mehr Briten unerschwinglich: Manche Wechselstuben zahlen nicht einmal mehr einen Euro pro Pfund.


Hamburg/London - Nach Angaben der Bank of England ist das britische Pfund derzeit nur noch 1,0199 Euro wert. Das ist der niedrigste Wert seit Einführung des Euro im Jahr 1999. Tausende britische Touristen auf dem europäischen Festland staunten in den vergangenen Tagen, als sie beim Tausch nicht einmal mehr einen Euro pro Pfund erhielten: Manche Banken, Wechselstuben und Postämter zahlten ihnen nur 0,98 Euro für ein Pfund, berichtet die Londoner Tageszeitung "Times".

Mosaik vor der Bank of England: Nicht mal mehr einen Euro pro Pfund
REUTERS

Mosaik vor der Bank of England: Nicht mal mehr einen Euro pro Pfund

Auch in Bezug auf den Dollar rutschte das Pfund auf ein Tief: Es war nur noch 1,4385 Dollar wert, so wenig wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Noch im Sommer 2008 notierte das Pfund bei 1,99 Dollar. Insgesamt hat das Pfund 2008 etwa ein Viertel seines Wertes eingebüßt, allein im Dezember sank er um 15 Prozent. In einer internationalen Gewichtung von Währungen und ihrer Bewertung für den Welthandel fiel das Pfund der "Times" zufolge auf den niedrigsten Wert seit 1975.

Nach Meinung von Experten ist es angesichts der düsteren Wirtschaftsaussichten in Großbritannien unausweichlich, dass das Pfund in den kommenden Tagen unter einen Euro fallen wird. "Es sind keinerlei guten Nachrichten absehbar", sagte Mike Cast, Analyst bei der Beratungsfirma 4Cast, der "Times". "Der Wertverfall wird sich womöglich noch beschleunigen. Noch im Januar werden wir eine Parität zwischen Pfund und Euro sehen." Gerard Lyon, Chefökonom bei der Bank Standard Chartered, sagte der Zeitung sogar einen Kurs von 0,90 Euro für ein Pfund voraus - noch innerhalb eines Monats.

Immer mehr Briten meiden Urlaub in Euro-Ländern

Dem Bericht zufolge seien die Auswirkungen des Pfund-Wertverfalls bereits in der britischen Tourismusindustrie zu spüren. So würden viele Briten es vermeiden, Urlaub in den Euro-Ländern zu machen. Einer Umfrage zufolge würde ein Fünftel der Befragten angeben, lieber anderswo günstiger Urlaub machen zu wollen.

Volkswirten zufolge hat das niedrige Pfund aber auch positive Auswirkungen auf die britische Ökonomie. So würden Auslandsreisen für Briten zwar deutlich teurer, aber britische Exporte würden deutlich günstiger. Ein echter Ausgleich sei dies aber nicht, da die Nachfrage nach Exporten in Zeiten der weltweiten Konjunkturkrise insgesamt sinke. Zugleich würden die Kosten für Importe - zum Beispiel Lebensmittel oder Öl - drastisch steigen.

Großbritannien ist Ökonomen zufolge besonders stark von der Finanz- und Konjunkturkrise betroffen. Die britische Regierung hatte Ende November zur Ankurbelung der Konjunktur ein Rettungspaket in Höhe von 20 Milliarden Pfund angekündigt, seit Dezember bis Anfang 2010 ist die Mehrwertsteuer von zuvor 17,5 Prozent auf 15 Prozent gesenkt worden. Die Steuersenkungen sowie die britische Staatsverschuldung waren in Berlin auf heftige Kritik gestoßen.

kaz



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