Bürgermeister AG Bertelsmann macht, was Würzburg nicht schafft

In England steuert Bertelsmann schon einen ganzen Landkreis – nun ist dem Konzern auch in Deutschland der Einstieg in den Markt mit Verwaltungsbehörden gelungen. In Würzburg soll er die Kommunalverwaltung modernisieren. Ein bundesweit einzigartiges Projekt.


Gütersloh – Die Bertelsmann-Tochter Arvato soll künftig alle Abläufe in der Würzburger Kommunalverwaltung über eine zentrale Internet-Plattform steuern. Ziel sei es, Bürgern, Unternehmen und Partnern alle Dienstleistungen der Stadt über nur eine Anlaufstelle anzubieten. Arvato und die Stadt gaben die Partnerschaft heute gemeinsam bekannt.

Das Projekt unter dem Titel "Würzburg integriert!" soll Pilotcharakter für weitere Kommunen in Deutschland haben. Die Stadt Würzburg erhofft sich während der Laufzeit von zunächst acht Jahren Einsparungen in Höhe von 25 Millionen Euro. Mit Hilfe dieses Geldes soll das Projekt auch finanziert werden.

Auch sollen die Qualität des Bürgerservices deutlich erhöht und die Abläufe beschleunigt werden. "Unsere Verwaltung wird schneller, besser und bürgernäher", sagte Würzburgs Oberbürgermeisterin Pia Beckmann (CSU). Ziehen Bürger um, müssten sie sich künftig nicht mehr an mehrere Verwaltungsstellen wenden, sondern nur an einen Ansprechpartner, der sich um alle Prozesse kümmere. Das Projekt soll im kommenden Jahr starten.

Arvato, größter Mediendienstleister Europas mit weltweit 45.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von knapp fünf Milliarden Euro, hat bereits in England Erfahrungen mit dieser Form sogenannter Private-Public-Partnership gesammelt. Im Distrikt East Riding betreut Arvato einen ganzen Landkreis mit 325.000 Einwohnern. Dort hat das Unternehmen alle Abläufe der Kommune einschließlich aller Mitarbeiter komplett übernommen. Diese sind nun Angestellte des Unternehmens.

Eine so weit reichende Privatisierung öffentlicher Leistungen ist in Deutschland derzeit noch undenkbar. So ist nach Angaben von Arvato die Übernahme von Personal aus steuerrechtlichen Gründen für Unternehmen unattraktiv. Dennoch sieht Arvato in dem Würzburger Projekt einen Einstieg in den deutschen Markt mit öffentlichen Dienstleistungen.

itz/dpa



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