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Bundesbank-Abgang: Weber vermisste Rückhalt von Euro-Regierungen

Bundesbank-Präsident Axel Weber hat zum ersten Mal begründet, warum er nicht EZB-Präsident werden will. Im SPIEGEL verriet er, durch seine Minderheitsmeinung in finanzpolitischen Fragen habe er an Rückhalt in der Politik verloren. Seine berufliche Zukunft ließ Weber offen.

Axel Weber: Abtritt aus "persönlichen Gründen" Zur Großansicht
REUTERS

Axel Weber: Abtritt aus "persönlichen Gründen"

Dem Präsidenten komme eine Sonderstellung zu, sagte er dem SPIEGEL. "Wenn er jedoch zu wichtigen Fragen eine Minderheitsmeinung vertritt, leidet die Glaubwürdigkeit dieses Amts." Er habe bei einigen wichtigen Entscheidungen in den vergangenen zwölf Monaten klare Positionen bezogen. "Die Positionen mögen für die Akzeptanz meiner Person bei einigen Regierungen nicht immer förderlich gewesen sein", so Weber. Seither sei seine Überzeugung gereift, dass er das Amt des EZB-Präsidenten nicht anstrebe.

Bereits im Herbst habe er der Regierung signalisiert, "dass für mich mehrere berufliche Optionen bestehen. Wichtig war mir, frei zu entscheiden, was ich machen werde". Im Januar habe er darüber mit der Bundeskanzlerin gesprochen. Es habe keine Festlegung auf eine Kandidatur gegeben, sondern die Vereinbarung, im März noch einmal ein Gespräch darüber zu führen. "Seit Januar ist dann mein Entschluss gereift."

Über seine Entscheidung habe er - "wie es in einer unabhängigen Institution üblich ist" - als Erstes seine Vorstandskollegen in der Bundesbank informiert. Das Gespräch sei durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gekommen, was er sehr bedaure.

Seine Zukunft ließ Weber offen. Er werde sich jetzt erst einmal eine Karenzzeit gönnen. "Ich möchte nicht vor dem nächsten Jahr irgendeine Tätigkeit aufnehmen. Zu den Gerüchten, er werde an die Spitze der Deutschen Bank wechseln, sagte er: "Solange ich im Amt bin, führe ich keine Gespräche über meine berufliche Zukunft. Mit niemandem."

Der Berliner "Tagesspiegel" berichtet in seiner Sonntagsausgabe, Weber würde nach seinem Ausscheiden zunächst an die Universität Köln zurückkehren und dort wieder in Lehre und Forschung eintreten. Die Zeitung beruft sich dabei auf Kreise der Notenbank. Weder von der Universität Köln noch von der Bundesbank war am Samstag eine Bestätigung zu erhalten.

Weber war in Köln ab 2001 als Professor für Internationale Ökonomie tätig und war nach seinem Amtsantritt bei der Bundesbank Ende April 2004 von der Universität nur beurlaubt worden. Diese Zeit ende mit dem Ausscheiden aus der Bundesbank, schreibt das Blatt. Weber habe allerdings zunächst ein Freisemester beantragt und werde erst zum Wintersemester wieder an der Universität Köln aktiv werden.

AP

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insgesamt 65 Beiträge
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1. Axel Weber
Clawog 12.02.2011
Er hat eingesehen, dass seine Fähigkeiten nicht mehr ausreichen, um den Euro zu retten. Jetzt müssen wahre und moderne Finanz-Profis ran. Solche Giganten könnten z.B. Steinbrück,Gysi, Lafontaine oder der Finanzminister von Griechenland sein. Nur so kann die "Vormachtstellung" Europas in der Welt verteidigt werden. Klare Sache und Merkel zeigt den Weg.
2. "Selbstverschuldeter Abstieg"
tlogor 12.02.2011
"Selbstverschuldeter Abstieg". Das war vor kurzem eine andere Schlagzeile des Spiegel-Online. Als ob es nicht noch andere Motive im Leben geben würde, als finanzieller Erfolg. Mein Respekt hat Herr Weber. Und meine Anlageentscheidungen beeifnlusst Weber auch.
3. Verantwortung
Das Auge des Betrachters 12.02.2011
Bundespräsident, Bundesbank-oder EZB Vorstand, dass alles sind Positionen die man als verantwortungsbewusster Mensch nicht mehr besetzen kann. Hier sind Opportunisten gefragt , die das Possenspiel beherrschen. So viel Rückgrat hätte ich dem Weber nach seinem Fehlverhalten zu Sarrazin gar nicht zugetraut.
4. Ausgleichende Gerechtigkeit?
Wembley 12.02.2011
Abgesehen von den im Artikel geschilderten Überlegungen könnte man Webers "Sturz" auch als gerechte Strafe für sein satrapenhaftes Verhalten im Fall seines Vorstandskollegen Sarrazin verstehen.
5. :::::
lupenrein 12.02.2011
Das Selbstbewusstsein Webers korreliert stark mit dem Niedergang von Merkels Anseehen und Autorität. Es muss nicht mehr geschleimt werden....
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