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Bundesbank-Zahlen: Deutsche horten Cent-Münzen

Ein-Cent-Münze: "Im Einmachglas" Zur Großansicht
DPA

Ein-Cent-Münze: "Im Einmachglas"

Die Deutschen haben offenbar ein ganz besonderes Verhältnis zu Ein- und Zwei-Cent-Stücken. Statt damit zu bezahlen, sammelten die Bürger die Münzen, berichtet die Bundesbank. Deren Experten diskutieren deshalb eine Abschaffung des Kleingelds.

Nach Erkenntnis der Bundesbank horten viele Bürger Ein- und Zwei-Cent-Münzen, anstatt damit zu bezahlen. Es sei fraglich, inwieweit Kleinmünzen überhaupt zum Bezahlen verwendet würden, schreiben Bundesbank-Experten. Falls sie in erster Linie dazu dienten, Wechselgeld herauszugeben, könne ein Verzicht auf diese Geldstücke den Zahlungsverkehr effizienter machen.

Doch von dieser Überlegung der eigenen Experten hält wiederum Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele wenig. "Die deutsche Bevölkerung hat nach unseren Untersuchungen eine positive Einstellung zu Kleinmünzen", sagte Thiele der Nachrichtenagentur dpa. Die Mehrheit sei gegen eine Abschaffung der kupferfarbenen Geldstücke. Die Bundesbank sehe keinen Grund, den Wunsch der Deutschen zu missachten, an den Kleinmünzen festzuhalten.

Eine Umfrage von myMarktforschung hatte im Sommer allerdings ein anderes Bild ergeben: Damals hatten sich 53 Prozent der 1000 Befragten dafür ausgesprochen, die kleinen Geldstücke aus dem Verkehr zu ziehen. Nur ein gutes Viertel hatte das abgelehnt.

Auch Thiele sagte, dass ein Großteil der Ein- und Zwei-Cent-Stücke gar nicht für das tägliche Einkaufen verwendet, sondern gesammelt werde. Nach einer früheren Schätzung der Bundesbank wird etwa nur jede fünfte Ein-Cent-Münze für das tägliche Einkaufen genutzt, bei der Zwei-Cent-Münze etwa jede vierte. "Das heißt: 75 Prozent sind verloren oder im Einmachglas", sagte Thiele.

Die Folge: Die Zentralbank muss immer wieder neue Münzen prägen, weil die Geschäfte frisches Wechselgeld brauchen.

Verbraucherschützer tun sich schwer mit der Bewertung, ob Ein- und Zwei-Cent-Münzen sinnvoll sind oder nicht. Es gebe die Sorge, dass ein Wegfall zum Aufrunden von Preisen führe und damit zu einer Verteuerung, sagte Finanzexperte Frank-Christian Pauli von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). "Damit würde zwar den unsinnigen x,99 Euro Preisen bei Einzelprodukten entgegengewirkt. Allerdings wirken sich auch Cent-Beträge in der Summe aus, nicht nur beim Tanken, sondern auch bei der Gesamtrechnung eines Einkaufes."

mka/dpa

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