Bundesbankpräsident Weidmann hält Deflationsrisiko für gering

Der Preisauftrieb dürfte wieder an Schwung gewinnen: Bundesbankpräsident Weidmann sieht ungeachtet der jüngst sehr niedrigen Teuerung aktuell so gut wie keine Gefahr für eine Deflation. Erwartungen an die EZB verpasste er einen Dämpfer.

Weidmann (im März in Frankfurt am Main): "Allmählich steigende Inflationsraten"
REUTERS

Weidmann (im März in Frankfurt am Main): "Allmählich steigende Inflationsraten"


Berlin - Jens Weidmann wiegelt ab. Das Risiko einer "sich selbst verstärkenden deflatorischen Abwärtsspirale aus sinkenden Löhnen und Preisen" sei gering, sagte Weidmann, der auch im Rat der Europäischen Zentralbank über die Geldpolitik mitentscheidet.

Die niedrigen Inflationsraten seien vor allem Folge sinkender Energiepreise und der Anpassungsprozesse in den Krisenländern, fügte Weidmann hinzu: "Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Erholung der Krisenländer dürfte dort auch der Preisauftrieb wieder an Schwung gewinnen." Die EZB erwarte daher "allmählich steigende Inflationsraten", sagte Weidmann. Daher sei die Geldpolitik auf der Sitzung des EZB-Rats am vergangenen Donnerstag auch nicht weiter gelockert worden.

Weidmann dämpft damit Erwartungen, wonach die EZB schon bald ein großangelegtes Anleihekaufprogramm starten könnte. EZB-Chef Mario Draghi hatte nach der Sitzung des EZB-Rats in der vergangenen Woche berichtet, man habe über ein solches Programm diskutiert. Ende März hatte Bundesbankpräsident Weidmann seine harte Haltung in einem Interview deutlich aufgeweicht und Anleihekäufe nicht mehr ausgeschlossen - offenbar ein Manöver in Vorbereitung der EZB-Ankündigung.

Weidmann schloss auch jetzt weitere Maßnahmen nicht aus: "Wir verfolgen die Entwicklung aber sehr genau und sind gegebenenfalls zu weiteren Maßnahmen bereit, um einer zu lange anhaltenden Periode niedriger Inflationsraten effektiv zu begegnen." Generell warnte Weidmann jedoch vor weiteren unkonventionellen Entscheidungen. Mit allen derzeit im Raum stehenden geldpolitischen Maßnahmen werde Neuland betreten. "Daher stellen sich Fragen nach der Effektivität solcher Maßnahmen und nach den mit ihnen verbundenen Risiken und Nebenwirkungen."

bos/dpa

insgesamt 4 Beiträge
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umuc 08.04.2014
1. Man kann froh sein,
dass Weidmann an der Stelle sitzt.
hevopi 09.04.2014
2. Herr Weidmann,
Sie passen nicht in die Politiktrickserei, weil Sie zu intelligent sind. Ich bin froh, dass wir wenigstens eine Persönlichkeit in der Bundesbank haben, befürchte aber, Sie können sich in Ihrer Position mit Intelligenz und Persönlichkeit nicht durchsetzen. Ich (wir) hoffen es aber trotzdem und hoffen auf ein Wunder.
meinung2013 09.04.2014
3.
Es gibt keine Deflation, jedenfalls nicht in Deutschland. Bisher konnte ich nur Preissteigerungen verspüren. Wenn in den Krisenländern tatsächlich fallende Preise wären, dann ist das ein Ergebnis der Sparmaßnahmen, die einseitig zu Lasten der Konsumenten, der kleinen Leute gehen. Wenn die Leute kein Geld mehr haben, können sie auch nicht mehr teuer einkaufen. Die Reichen und Vermögenden kompensieren den Konsum der kleinen Leute nicht. Die brauchen nichts mehr und ihre Luxuskarrossen werden quersubventioniert von den Klein- und Mittelklassewagen. Das gespenst der Deflation wird von Draghi nur deswegen an die Wand gemalt, damit die EZB ihre geplanten massiven Aufkäufe von Staatsanleihen UND auch noch Firmenanleihen argumentieren kann. Ein weiterer Vertrags- udn Gesetzesbruch. und Schäuble, der Gouverneur der ESM, schaut vergnügt zu.
malocher77 09.04.2014
4. Iwf
Hat heute ein Bericht vorgelegt, wonach die deutsche Wirtschaft dieses Jahr um 1,6% wächst und eine Inflation von 2%. Im süden müssen die Preise zwangsläufig zurück gehen, da die Löhne sinken, ist klar dass die Staaten sich über 1 Billion frisches Geld freuen, nur hat der Weidmann Recht, die Risiken für Deflation sind zu gering, ich würde sogar sagen, dass es keine Deflation geben wird so lange EZB den Leitzins beinahe bei 0% hält.
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