Erstes Halbjahr Deutschland exportiert fast drei Mal so viele Kleinwaffen

Die Exporte von Kleinwaffen haben sich nach SPIEGEL-Informationen im ersten Halbjahr fast verdreifacht. Die Bundesregierung findet das nicht weiter schlimm, weil vor allem die Ausfuhr in europäische und Nato-Staaten wächst.

Deutsche SIG Sauer Pistole Kaliber 9 mm (Archiv)
DPA

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Es sind heikle Zahlen, die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries erklären muss: Die Bundesregierung hat nach Informationen des SPIEGEL im ersten Halbjahr 2017 die Ausfuhr von fast drei Mal so vielen Kleinwaffen genehmigt wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Insgesamt wurden Waffen im Wert von 32 Millionen Euro verkauft. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Die größte Steigerung entfiel auf Exporte in EU- und Nato-Länder. Doch auch Drittländer dürfen deutlich mehr Pistolen und Gewehre aus Deutschland kaufen. Indien lag mit Importen im Wert von 6,25 Millionen Euro auf Platz zwei und der Oman mit 1,58 Millionen Euro auf Platz sechs. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Jan van Aken hervor.

Das Bundeswirtschaftsministerium relativiert die hohen Zuwächse nun damit, dass diese überwiegend an europäische Staaten wie Frankreich oder andere Nato-Staaten gingen. Bei Drittländern sei die Steigerung unter anderem deshalb so hoch, weil einige Genehmigungen im vergangenen Jahr liegengeblieben seien. Das hänge an den Kontrollen über den Verbleib der Waffen, die man seit Neuestem in den Käuferländern vornehme.

Zypries' Vorgänger Sigmar Gabriel hatte diese in seiner Amtszeit als Wirtschaftsminister eingeführt, die Rüstungsfirmen mussten eine Verpflichtung in den Kaufvertrag aufnehmen, in dem die Importländer diese sogenannte Endverbleibsprüfung zusichern. Linken-Politiker Aken erinnert dennoch an die Ankündigung Gabriels, den Kleinwaffenexport stark einzuschränken. "Davon kann nach diesen Zahlen keine Rede mehr sein", sagte Aken dem SPIEGEL.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
horst24 01.09.2017
1. Wo ist das Problem?
Verstehe nicht warum von vielen Medien ständig ein großer deutscher Industriezweig verunglimpft wird. Es ist absolut nichts daran auszusetzen wenn unsere Rüstungsindustrie Kleinwaffen in Länder liefert, in denen diese legal sind. Dort wird eine legale und auch oft selbstverständliche Nachfrage bedient. Wenn wir diese nicht liefern, kaufen die Kunden halt bei anderen Firmen und es fallen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen weg. Dieses typische deutsche Verdammungs- und Besserwisserhaltung nervt gewaltig. Waffen (auch in Privathand) sind nicht das Böse und eine ständige Gefahr. Selbst Staaten in unserer Nachbarschaft haben ein sehr viel weniger restriktives Waffenrecht und keine Probleme damit. Dort kann man sich beispielsweise nicht vorstellen, warum ein mündiger deutscher Bürger der nie straffällig war nicht das Recht haben sollte Waffen für den Privatgebrauch zu erwerben. Man merkt: andere Länder andere Sichtweisen.
Sportzigarette 01.09.2017
2. Eben, das ist kein Problem!
Genau, kann Kommentar 1 nur zustimmen. Deutschland produziert hervorragende Kleinwaffen, die weltweit nachgefragt werden. Darüber sollten wir uns freuen und nicht schon wieder den Zeigefinger erheben oder das als unmoralisch verteufeln. Warum immer diese Vorbehalte gegen Waffen- und Rüstungsindustrie? Typisch deutsche moralisierende Überheblichkeit!
vantast64 01.09.2017
3. Die christlichen Parteien sorgen eben dafür,
daß mehr Menschen früher in den Himmel kommen, mit oder ohne Jungfrauen im Angebot. Das verwirrt mich etwas, da meine Erfahrung ist, daß besonders diese Parteien menschenfeindlich sind. Ob es $175 war, der Kampf gegen Friedensbeseelte, gegen Deserteure, für die damalige Forderung nach der Todesstrafe ("Kopf-ab-Jäger" war berühmt) und nach der heutigen Flüchtlingspolitik: Christus würde sich mit Grausen abwenden.
karldhammer 01.09.2017
4. Kleinwaffen??
Was um Himmels willen sind Kleinwaffen? Hier hat der Super-Englisch-Übersetzer wiedermal zugeschlagen: engl. "small arms" bedeutet aber immer noch "Handfeuerwaffen".
IvicaMarkovic 01.09.2017
5.
Wenn man sich vor Augen hält, wie viel ein gutes Gewehr oder eine gute Pistole aus deutscher Produktion kostet, können das bei den genannten Kleckerbeträgen nur sehr wenig Waffen sein. Und ganz ehrlich: Der Weltfrieden hängt nun wirklich nicht an ein paar tausend deutschen Gewehren...
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