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Business-Etikette: Der erste Eindruck zählt

Von Salka Schwarz

Ob beim Bewerbungsgespräch oder beim Lunch mit dem neuen Geschäftspartner: Fast immer ist es der erste Eindruck, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Wie kann man diese Momente beeinflussen? Einige Regeln helfen, die entscheidenden Sekunden des Lebens besser zu meistern.

Hamburg - Was ist es, das die Franzosen den Esprit de Conduite nennen? Wie gelingt es manchen Menschen, sympathischer und fachkompetenter als andere zu wirken? Für einen guten Eindruck müssen Verhalten und Aussehen auf den ersten Blick angemessen sein. Das gilt nicht nur im Privatleben, sondern erst recht bei Begegnungen im formalisierten Geschäftsleben.

Der richtige Händedruck: Unbewusst macht man sich sofort ein Bild
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Der richtige Händedruck: Unbewusst macht man sich sofort ein Bild

Alle Menschen haben in einer bestimmten Situation ganz subjektive Erwartungen und interpretieren die Welt auf ihre eigene Weise. Unbewusst macht sich also jeder von allem und jedem sofort ein Bild.

Binnen weniger Sekunden haben die meisten Menschen ihr Gegenüber in eine der Schubladen, die sie im Laufe ihres Lebens angelegt haben, einsortiert und entschieden, ob der andere kompetent erscheint und sympathisch ist oder nicht, ob man ihn glaubwürdig findet oder nicht - und somit, ob Interesse an dem Kontakt besteht oder eben nicht. Denn das ist die zentrale Frage: Lohnt sich der Kontakt?

Aber man nimmt sich für den ersten Eindruck nicht nur wenig Zeit. Hinzu kommt obendrein, dass man vornehmlich anhand äußerlicher Merkmale auf das Wesen eines Menschen schließt. Nach einer vielzitierten und 1971 veröffentlichten Studie des amerikanischen Psychologen Professor Albert Mehrabian ist der Inhalt des Gesagten nur zu sieben Prozent für den ersten Eindruck maßgeblich - die restlichen 93 Prozent entfallen auf die Körpersprache (Körperbau, Bewegungsabläufe, Haltung, Gang, Gestik, Mimik, Distanzverhalten), die Kleidung (Qualität, Stilrichtung, Passform, Farbe), die Sprache (Stimmlage, Klang, Modulation, Lautstärke, Dialekt, Wortwahl) und den Geruch (Parfüm, Körpergeruch).

All das erfassen Menschen beim ersten Kontakt innerhalb von Bruchteilen von Sekunden und gleichen es mit ihren Erwartungen in der konkreten Situation aus ihrer eigenen Rolle heraus ab. Parallel dazu fließen Werte, Erfahrungen und unser Vorwissen sowie vorgefertigte Meinungen und Vorurteile in die Bewertung ein und vervollständigen das nun entstandene Bild mit dem, was die Person, etwa zur Begrüßung, sagt.

Gute Kleidung, guter Auftritt

Danach wird - bereits nach drei bis fünf Sekunden - die Informationssuche zunächst eingestellt. Das Urteil steht erst einmal fest, und die Person wird entweder als authentisch und sympathisch eingeschätzt oder sie hat schlechte Karten, etwa wegen unpassender Kleidung, eines zu laschen Händedrucks, fehlenden Blickkontakts bei der Begrüßung, oder was immer es auch sei. Denn immer dann, wenn das Aussehen oder das Verhalten nicht den Erwartungen entspricht, ist die Chance für einen guten ersten Eindruck vertan. Und um die positiven Eigenschaften eines Menschen auf den zweiten Blick doch noch erkennen zu können, fehlt es leider oft an Gelegenheit.

Jedoch ist es mit dem einen Mal noch nicht getan. Damit allein ist die Gunst des Gegenübers noch nicht gewonnen. Nur, wer auch bei jeder weiteren Begegnung einen guten Eindruck hinterlässt, überzeugt.

Die Kenntnis um die Entstehung des ersten Eindrucks hilft, sich bewusst auf eine bestimmte Situation vorzubereiten und einzustimmen. Denn nur, wenn Verhalten und Aussehen stimmig und der Situation angemessen sind, wird man positiv bewertet.

"Kleider machen Leute": Diese Erfahrung hat nahezu jeder Mensch in seinem beruflichen und privaten Leben gemacht. Die Kleidung ist in bedeutendem Maße mitentscheidend über den ersten Eindruck eines Menschen. Die Kleidung ist aber nicht nur für das äußere Erscheinungsbild ein ganz wesentliches Merkmal, sondern sie hilft als Unterscheidungskriterium auch bei der Einordnung unseres Gegenübers. Mit seinem äußeren Erscheinungsbild hat jeder die Möglichkeit, Einfluss auf sein Selbstbild zu nehmen und es sogar in gewissem Maße bewusst zu managen.

Ist die gewählte Kleidung beispielsweise angemessen und stimmig zum Anlass, zur Situation und zur Rolle? Welche Signalwirkung hat sie? Die meisten Menschen empfinden unangemessene Kleidung nicht nur als Missachtung eines Anlasses, sondern auch als Missachtung, Provokation oder gar Beleidigung ihrer Person, und das hat möglicherweise Konsequenzen.

Wissen, wie man wirkt

Es ist dabei ganz egal, wieso Sie sich auf eine bestimmte Weise gekleidet haben, weshalb die Schuhe womöglich schmutzig oder abgetreten sind oder warum Ihre Hose keine scharfe Bügelfalte hat. Es ist entscheidend, ob der Gesamteindruck als praktizierte Wertschätzung gegenüber Ihren Geschäftspartnern, Kollegen oder Angestellten erlebt wird.

Ausschlaggebend ist daher die Frage: Welche Erwartungen haben andere an Ihr äußeres Erscheinungsbild? Was ist es für ein Anlass? Welche Personen sind anwesend? In welcher Rolle sind Sie selbst? Wie sollten und wie wollen Sie wirken? Was sind Sie für ein Typ? Im Berufsleben gibt es für bestimmte Branchen weitverbreitete Kleidungserwartungen. So signalisiert etwa die klassische Geschäftsuniform für den Mann und für die Frau weltweit Seriosität, Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz. Daneben sind weiterhin bestimmte Kleiderordnungen für gesellschaftliche Anlässe zu beachten.

Wobei es gerade bei solchen Gelegenheiten ratsam ist, sich von Freiherrn von Knigge sagen zu lassen: "Kleide dich nicht unter und nicht über deinen Stand; nicht über und nicht unter dein Vermögen; nicht fantastisch; nicht bunt; nicht ohne Not prächtig, glänzend noch kostbar; aber reinlich, geschmackvoll, und wo du Aufwand machen musst, da sei dein Aufwand zugleich solide und schön. Zeichne dich weder durch altväterliche, noch jede neumodische Torheit nachahmende Kleidung aus. Wende einige größere Aufmerksamkeit auf deinen Anzug, wenn du in der großen Welt erscheinen willst. Man ist in Gesellschaft verstimmt, sobald man sich bewusst ist, in einer unangenehmen Ausstaffierung aufzutreten."

Nur jene Menschen, die sich ihrer Wirkung auf andere bewusst sind, können auch ihren persönlichen Auftritt bewusst gestalten und ihre positiven Seiten betonen. So gelingt es zudem, jedwedem Menschen gegenüber nicht nur Respekt und Achtung zu zollen, sondern auch, mehr Aufmerksamkeit auf Inhalte zu lenken. Erst bei angemessenen Umgangsformen (Verhalten und Aussehen) wirken Worte stimmig, Höflichkeit glaubwürdig und man selbst gegenüber jedermann souverän. Und das ist wichtig - vor allem beim ersten Eindruck.

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