Bwin-Verbot Werder Bremen muss auf Trikotwerbung verzichten

Fußball-Bundesligist Werder Bremen wird vorerst auf einen wichtigen Teil seiner Werbeeinnahmen verzichten müssen. Im Nordderby am Sonntag gegen Hannover 96 dürfen die Spieler keine Trikots mit dem Logo des Wettanbieters Bwin tragen.


Hannover - Das Verwaltungsgericht Hannover wies damit einen Eilantrag des Vereins gegen die Untersagungsverfügung des niedersächsischen Innenministeriums ab. Die Kammer folgte der Argumentation, wonach die Werbung zu untersagen ist, weil damit für ein in Niedersachsen unerlaubtes Glücksspiel geworben wird. Bei einem Verstoß droht den Bremern ein Zwangsgeld in Höhe von 50.000 Euro.

Werder-Fan mit neuem Werder-Trikot: Vizemeister will auf Trikotwerbung verzichten
DPA

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Der Fall wird jedoch nicht eintreten, da der deutsche Vizemeister bereits angekündigt hatte, auf die Brustwerbung zu verzichten, wenn das Verwaltungsgericht den Eilantrag zurückweist. "Wir laufen entweder mit blanker Brust auf oder verdecken die Werbung", hatte Marketing-Chef Manfred Müller bereits vor der Gerichtsentscheidung angekündigt.

Derweil versucht Bwin gegen das durch das sächsische Innenministerium ausgesprochene Gewerbeverbot vorzugehen. Das zuständige Verwaltungsgericht in Dresden werde angerufen, um den vom Ministerium geforderten Sofortvollzug außer Kraft zu setzen, sagte ein Firmensprecher heute. "Wir sind zuversichtlich, weil es auch ein europarechtlich zweifelhaftes Vorgehen ist", fügte er hinzu.

Binnen weniger Tage wird mit einer Entscheidung gerechnet. Eventuell fällt diese aber erst vor dem Oberverwaltungsgericht Bautzen. Daran könnte sich ein langer Rechtsstreit durch alle Instanzen anschließen.

Sachsens Innenministerium hatte den Unternehmen "Betandwin e.K." mit Sitz im sächsischen Neugersdorf und "Bwin.com" Interactive Entertainment AG in Wien gestern die Tätigkeit im Freistaat mit sofortiger Wirkung untersagt. Das Verbot trifft auch weitere private Wettanbieter. Das Vorgehen Sachsens war von Sport-Verbänden und Vereinen, die mit der Firma vertraglich verbunden sind, kritisiert worden. Das Unternehmen investiert unter anderem mehrere Millionen Euro als Trikotsponsor bei Fußball-Bundesligist Werder Bremen und Zweitligist TSV 1860 München.

Der Verband Europäischer Wettunternehmer (VEWU) kritisierte das Vorgehen der sächsischen Regierung. Das Ministerium habe in "blindem Aktionismus Fehlentscheidungen mit fatalen Folgen" getroffen. Er monierte zudem die Tätigkeit von Sachsens Innenstaatssekretär Jürgen Staupe als Aufsichtsratsmitglied der sächsischen Lotto-Gesellschaft "Sachsenlotto". Staupe hatte das Verbot für Bwin verkündet. Das Innenministerium sieht darin keinen Interessenkonflikt. "Wir schützen nur das staatliche Wettmonopol", sagte Ministeriumssprecher Andreas Schumann.

mik/dpa



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