Cargolifter Gablenz lässt die Luft raus

Der Luftschiffbauer Cargolifter ist so gut wie pleite, risikofreudige Investoren sind weit und breit nicht in Sicht. Deshalb hat sich Konzernchef Carl von Gablenz jetzt eine neue Strategie überlegt: Schuld abwälzen und um Staatsknete betteln.


Cargolifters Experimental-Zeppelin "Joey": Luftiges Projekt
DPA

Cargolifters Experimental-Zeppelin "Joey": Luftiges Projekt

Die "Financial Times Deutschland" ("FTD") zitiert in ihrer Donnerstagsausgabe den Cargolifter-Vorstandsvorsitzenden Carl von Gablenz mit den Worten: "Das Cargolifter-Projekt (ist) im veränderten Umfeld ohne Staatshilfe nicht mehr zu machen." Das Unternehmen hat den Bericht der "FTD" bestätigt.

Was Gablenz seinen Aktionären im Grunde sagen will ist Folgendes: "Unser Geschäftsmodell taugt nichts. Es wird sich aber dennoch rechnen, wenn uns aus heiterem Himmel ein großer Sack Geld vor die Füße fällt". Darauf zu hoffen ist allerdings keine Vertrauen erweckende Geschäftsstrategie.

Warum genau sich das Projekt "ohne Staatshilfe nicht mehr machen" lässt, darüber lässt sich derzeit nur spekulieren. Schuld sind auf jeden Fall "die veränderten Umstände". Nicht das Management oder die Tatsache, dass man Käufer für den "fliegenden Krahn" mit der Lupe suchen muss. In welchen Umständen sich das Unternehmen genau befindet, bleibt unklar. Ist die Rezession im allgemeinen schuld? Oder die Krise im Luftfahrtsektor im speziellen? Oder (wie üblich) Osama Bin Laden?

Geldhungriger Heißluftballon

Cargolifter befinde sich mit Bund und Ländern im Gespräch, sagte eine Sprecherin. Daneben würden aber auch andere Möglichkeiten zur Finanzierung gesucht. Das kann man für die Cargolifter-Investoren nur hoffen. Denn Gablenz' Zeppelinprojekt, dass viele Beobachter von Anfang an für einen Heißluftballon hielten, hat bereits eine Menge Kapital verschlungen. Erst im November 2001 hatte Cargolifter über eine Kapitalerhöhung 34 Millionen Euro eingenommen.

Grafik: Ohne Subventionen bleibt der Ballon am Boden
DER SPIEGEL

Grafik: Ohne Subventionen bleibt der Ballon am Boden

Trotzdem ist Gablenz schon wieder klamm. Die liquiden Mittel des Unternehmens werden im ersten Quartal 2002 vermutlich aufgebraucht sein - wenn Cargolifter kräftig spart, reiche das Geld vielleicht noch ein Quartal länger, so eine Unternehmenssprecherin. Von einer soliden Finanzierung ist das Unternehmen nach wie vor meilenweit entfernt.

"Schnell aus der Aktien verabschieden"

Die Aussagen des Firmenchefs seien als Appell an Bund und Länder zu verstehen, auch andere Luftfahrtprojekte zu fördern, sagte die Sprecherin weiter. Gablenz plötzliches Engagement für die Industriepolitik ist zwar rührend, allzu viele Hoffnungen sollte er sich allerdings nicht machen. Denn selbst wenn der Staat sich erweichen sollte, über eine Bürgschaft oder einen Kredit weitere Millionen in das wolkige Cargolifter-Projekt zu pumpen, müsste einer Beihilfe noch der notorisch marktwirtschaftlich gestimmte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti zustimmen.

Die Aktie Chart zeigen stürzte zeitweise um mehr als 60 Prozent auf ein Rekordtief von etwa zwei Euro ab. "Ich würde mich bombastisch schnell aus der Aktie verabschieden", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. "Ohne staatliche Hilfe kann das Unternehmen nicht überleben. Das sagt doch alles."



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