"Catch me if you can" Hochstapler berät heute Banken und das FBI

Er war im wirklichen Leben der Trickbetrüger, den Leonardo di Caprio in "Catch Me If You Can" spielte: Frank Abagnale arbeitet heute als Berater - und schämt sich kein bisschen für seine Vergangenheit.

Von


Hamburg - "Verkäufer und Hochstapler leben von denselben Talenten. Sie bewegen sich auf einem schmalen Grat. Hochstapler überschreiten ihn - Verkäufer nicht." Frank W. Abagnale nippt an einem Pils und lehnt sich zurück. Er verkauft, heute, Geschichten und Erfahrungen. Erfahrungen von früher, als er ein weltberühmter Hochstapler war.

Ex-Hochstapler Abagnale : Er ging als Arzt, Pilot und Anwalt durch - ohne irgendein Diplom
manager-magazin.de

Ex-Hochstapler Abagnale : Er ging als Arzt, Pilot und Anwalt durch - ohne irgendein Diplom

Im kollektiven Gedächtnis sieht Abagnale aus wie Leonardo di Caprio. Denn der spielt ihn, in dem Film über seine Jahre als Hochstapler: "Catch Me If You Can" von Steven Spielberg aus dem Jahr 2003. Eine wahre Geschichte von einem jungen Mann, der sich sofort in jede gesellschaftliche Rolle einfühlt und die Erwartungen der Umwelt erfüllt. Der Hochstapler Abagnale war täuschend echt als Pilot, Arzt, Anwalt - ohne einen dieser Berufe gelernt zu haben.

Heute geht Abagnale auf die 60 zu. Sein Haar ist silbrig, die Augenbrauen immer noch schwarz, die Stirn hoch. Er trägt eine randlose Brille und einen marineblauen Einreiher. Sein Auftreten ist zurückhaltend. Abagnale ist zu Gast in Hamburg.

Er soll auf einer Veranstaltung über Sicherheitsdienste für Banken sprechen, auf dem "Kundenbindungsforum", das das Hamburger Marketingunternehmen Affinion International im schicken Gästehaus des Stromriesen E.on Chart zeigen abhält. Diese Dienste sollen die Banken wiederum ihren Kunden anbieten und sich damit von der Konkurrenz unterscheiden. Abagnale ist ein Ex-Hochstapler, der Banken berät.

Gute Idee. Damals, in den Sechzigern, hat Abagnale vor allem Schecks gefälscht. Das FBI, im Kinofilm verkörpert von Tom Hanks, jagte ihn dafür um den Globus. Ein lustiges Katz-und-Maus-Spiel, weil dieser junge High-School-Abbrecher so viel cleverer war als all die Agenten und Polizisten.

Hauptmann von Köpenick am Flughafen

Er habe damals wenig Skrupel gehabt, Banken und Fluggesellschaften zu bestehlen, gibt Abagnale freimütig zu. "Das geschah oft im Vorübergehen, weil es so einfach war", erinnert er sich. Vor allem wenn er Uniform trug oder sich als Anwalt ausgab, interessierte sich kaum jemand dafür, dass seine Schecks gefälscht sein könnten. Der Hauptmann-von-Köpenick-Effekt, wie im Klassiker von Carl Zuckmayer.

"Meinen ersten Betrug beging ich einfach, um zu überleben." Er sagt das nicht zur Entschuldigung, sondern zur Erklärung. Abagnale war mit 16 von zu Hause ausgerissen und brauchte Geld. Die erste manipulierte Zahlkarte in einer US-Bank spülte 40.000 Dollar auf sein Konto. Das ging exakt so leicht, wie er sich das vorgestellt hatte, in "jugendlichem Übermut", wie er sagt.

Er habe in den vorgetäuschten Berufen niemanden in Gefahr gebracht, sagt Abagnale. Überprüfen lässt sich das kaum. Die PanAm-Uniform sei einfach deshalb wertvoll gewesen, weil die Piloten der eigenen Airline kostenlos überall mitfliegen durften. Und ebenso kostenlos im Hotel untergebracht wurden. Und - zumindest damals - an den Schaltern beliebiger Fluglinien Bargeld bekamen, gegen Vorlage ihres Pilotenscheins. Und nicht zuletzt haben Stewardessen ihren Reiz.

Zwei Jahre lang trieb er dieses Spiel. Er brauchte immer mehr Geld für seine Frauengeschichten. Das FBI jagte den "Skywayman" - vergeblich. Dann stieg er mit gefälschtem Harvard-Diplom bei einer Anwaltskanzlei ein. Als ihm das zu heiß wurde, zog er nach Georgia weiter, wo er als Arzt praktizierte.

Verführerisch, ihm zu glauben

"Je älter ich wurde, desto öfter hatte ich Zweifel." Er erinnert sich an eine Situation, wo er eine Bankangestellte in Frankfurt bequatschte. Er habe keine Schecks dabei, ein dummes Missgeschick, er sei gestrandet in der Fremde. Bei seiner vermeintlichen US-Bank konnte die verunsicherte Dame nicht rückfragen, wegen der Zeitverschiebung. Schließlich gab sie nach und zahlte ihm einen vierstelligen Barbetrag aus. Nachdem er die Bank verlassen hatte, habe er sich vorgestellt, wie sie ihren Job verliert. Sie hätte ja nicht mal ein gefälschtes Dokument von ihm gehabt, um sich zu rechtfertigen. Da habe er kehrtgemacht und das Geld unter einem Vorwand zurückgegeben.

Abagnale erzählt das als launige Schnurre aus alten Zeiten. Rasch redet er sich warm, und es ist verführerisch, ihm zu glauben. Wenn seine Geschichte eine brenzlige Wendung nimmt, wippt er ungeduldig mit den Oberschenkeln auf dem Stuhl.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.