Mexiko: Gewerkschaftschefin soll mehr als 120 Millionen Euro unterschlagen haben

Gewerkschaftsführerin Gordillo (Juli 2006): Geld für Privatflugzeug und Schönheits-OPs? Zur Großansicht
AP/dpa

Gewerkschaftsführerin Gordillo (Juli 2006): Geld für Privatflugzeug und Schönheits-OPs?

Elba Esther Gordillo gilt als eine der mächtigsten Gegnerinnen des neuen mexikanischen Präsidenten - und ist bekannt für ihren aufwendigen Lebensstil: Die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft ist wegen Untreueverdachts verhaftet worden. Sie soll mehr als 120 Millionen Euro unterschlagen haben.

Mexiko-Stadt - Elba Esther Gordillo galt bislang als eine der mächtigsten Frauen in Mexiko - nun ist die Vorsitzende der einflussreichen mexikanischen Lehrergewerkschaft wegen des Vorwurfs der Unterschlagung in dreistelliger Millionenhöhe verhaftet worden. Gordillo habe mindestens 2,6 Milliarden Pesos (155 Millionen Euro) an Gewerkschaftsgeldern veruntreut und auf Privatkonten in der Schweiz und Liechtenstein überweisen lassen, erklärte der Generalbundesanwalt José Murillo Karam laut der Nachrichtenagentur dpa. Ermittler hätten sie am Flughafen von Toluca südwestlich von Mexiko-Stadt gefasst.

Über die von Karam genannte Höhe der vorgeworfenen Unterschlagung gab es unterschiedliche Angaben der Nachrichtenagenturen: dpa und Reuters geben den Betrag mit mindestens 2,6 Milliarden Pesos (155 Millionen Euro) an, AP und AFP hingegen mit mehr als zwei Milliarden Pesos (120 Millionen Euro).

Nach Angaben Karams flog der Betrug auf, nachdem dem Finanzministerium eine ungewöhnliche Transaktion aufgefallen war. Daraufhin seien weitere Transaktionen entdeckt worden. Drei weitere Verdächtige, die Schecks aus der Gewerkschaftskasse erhalten hätten, seien ebenfalls festgenommen worden.

Die Verhaftung Gordillos erfolgte einen Tag, nachdem der im Juli vergangenen Jahres gewählte Präsident Enrique Peña Nieto eine grundlegende Bildungsreform in Kraft gesetzt hatte, die unter anderem eine bessere Kontrolle von Schulen und Lehrern vorsieht. Gordillo galt als eine der vehementesten Gegnerinnen der Reform und als führende Protagonisten des alten Bildungssystems. Die von ihr geführte Lehrergewerkschaft kontrolliert weite Teile dieses Systems und sorgt bislang dafür, dass nicht einmal die Anzahl der Schulen, Lehrer und Schüler im Land bekannt ist.

Bislang haben sich weder die Gewerkschaftschefin noch ihre Anwälte zu den Anschuldigungen geäußert. Ein Abgeordneter der mexikanischen Kleinpartei Movimento Ciudadano stellte die Festnahme Gordillos vor dem Hintergrund ihres Widerstands gegen die Bildungsreform in einen politischen Zusammenhang. Gordillos Handeln sei moralisch nicht zu rechtfertigen, noch verwerflicher sei aber die Dienstbarmachung der Justiz für politische Zwecke, twitterte Ricardo Monreal.

Gordillos Vorliebe für extrem teure Kleidung und einen aufwendigen Lebensstil ist in Mexiko weithin bekannt. Das unterschlagene Geld der Mitglieder gab die 68-Jährige dem Ermittler zufolge unter anderem dafür aus. Die Gewerkschaftschefin habe damit Schönheitsoperationen und Kunstwerke gekauft. Alleine im Nobelkaufhaus Neiman Marcus habe sie Rechnungen in Höhe von drei Millionen Dollar mit Gewerkschaftsgeldern bezahlt. Zudem habe sie die Wartung ihres Privatflugzeugs damit bestritten und sich ein Haus in San Diego in den USA zugelegt, sagte der Ermittler.

Erst im vergangenen Oktober war die seit 1988 amtierende Vorsitzende der 1,5 Millionen Mitglieder starken Gewerkschaft ohne Gegenstimme für weitere sechs Jahre in ihrem Amt bestätigt worden. Gordillo genießt insbesondere unter den Lehrern Mexikos hohes Ansehen, gehört aber auch zu den umstrittensten politischen Figuren des Landes. Sie gehörte bis 2006 der heute regierenden Partei der Institutionalisierten Revolution an, deren Generalsekretärin sie auch war. Nachdem sie damals die Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur verloren hatte, wechselte sie zur inzwischen von ihr kontrollierten Partei Nueva Alianza über.

Bereits seit Jahren werfen politische Rivalen und Journalisten der Gewerkschaftschefin immer wieder Korruption, Veruntreuung und sogar einen Mord vor. Bislang führten die Ermittlungen jedoch nie zu einer Anklage gegen Gordillo.

fdi/dpa/AP/Reuters

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insgesamt 38 Beiträge
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1.
Sleeper_in_Metropolis 27.02.2013
Tja, das ist das Lateinamerikanische Problem : Armut unten, Korruption überall, Egoismus und Desinteresse oben. Deswegen kommt dieser Kontinent in seiner Gesamtheit auch nicht wirklich voran. Wirtschaftskennzahlen wie z.B. bei Brasilien täuschen vernünftige Verhältnisse wie in Europa vor, tatsächlich ist aber auch hier Korruption weit verbreitet und der Gegensatz von Arm zu Reich gigantisch.
2. was ist dreifach
stedaros 27.02.2013
das heißt nicht "dreifacher Millionenhöhe" sondern eher dreistellig. Klitzekleiner Unterschied!
3. Kann nicht sein
pirx64 27.02.2013
Zitat von sysopElba Esther Gordillo gilt als eine der mächtigsten Gegnerinnen des neuen mexikanischen Präsidenten - und ist bekannt für ihren aufwendigen Lebensstil: Die Vorsitzende der Lehrer-Gewerkschaft ist wegen Untreueverdachts verhaftet worden. Sie soll mehr als 150 Millionen Euro unterschlagen haben. Chefin von Lehrer-Gewerkschaft in Mexiko wegen Untreue verhaftet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/chefin-von-lehrer-gewerkschaft-in-mexiko-wegen-untreue-verhaftet-a-885782.html)
Gewerkschaften sind die Guten, die anderen die Ausbeuter und Bösen ;-)
4. dreifacher Millionenhöhe?
denpohh 27.02.2013
was soll das sein? Ich vermute es sollte " in dreistelliger Millionenhöhe" heissen. Ich schlage vor: Erst lesen, dann veröffentlichen.
5. Der Untertitel vom Bild ist falsch formuiert!
u.loose 27.02.2013
Geld für Privatflugzeug und misslungene Schönheits-OPs? Wäre wohl richtiger (;-)
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