Chemiekonzern BASF-Chef fordert globales Schadstoffabkommen

BASF-Chef Hambrecht fordert Klimaschutzregeln, die weltweit gelten. Unterschiedlich strenge Vorgaben machten keinen Sinn, sagte er. Aber auch in Deutschland müssten noch einige Fortschritte erzielt werden.


Hamburg - In der Debatte um die Folgen weltweiter Klimaveränderungen fordert der Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns BASF, Jürgen Hambrecht, ein globales Schadstoffabkommen. Unterschiedlich strenge Klimaschutzregeln in verschiedenen Teilen der Erde ergäben keinen Sinn, sagte Hambrecht der "Bild"-Zeitung. "Wir können doch keine Käseglocke über Deutschland stellen. Deshalb brauchen wir eine verbindliche Emissionsvereinbarung für die gesamte Erde", sagte er.

BASF-Chef Hambrecht: "Wir können doch keine Käseglocke über Deutschland stellen"
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BASF-Chef Hambrecht: "Wir können doch keine Käseglocke über Deutschland stellen"

Hambrecht verlangte gleichzeitig weitere Maßnahmen für den Klimaschutz in Deutschland. So könnten die Häuser besser isoliert werden. "Pro Jahr verbrauchen wir rund 25 Liter Öl oder Gas pro Quadratmeter fürs Heizen", sagte er. Mit dreifach verglasten Fenstern, gedämmten Fassaden und "Klima"-Tapeten könne man den Verbrauch auf drei Liter drücken. Diese Möglichkeiten würden zu wenig genutzt. Um hier Fortschritte zu erzielen, seien rechtliche Änderungen nötig. "Im deutschen Rechtssystem ist die Kaltmiete das Entscheidende bei einer Wohnung. Wenn ein Vermieter sein Haus besser isoliert, kann er trotzdem nicht die Miete erhöhen, obwohl die Warmmiete dadurch deutlich sinken würde. Das ist doch völlig absurd", sagte Hambrecht.

Zugleich sprach er sich für eine längere Laufzeit der deutschen Atomkraftwerke aus. Längere Laufzeiten seien in Ländern wie den Niederlanden, Schweden und den USA gängige Praxis. "Deutschland kann doch nicht so tun, als ob die Welt bei uns völlig anders ist. Wir brauchen einen intelligenten Energiemix, Kernkraft eingeschlossen", sagte Hambrecht.

Unterdessen unterstützte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber die Kritik von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas an der deutschen Klimaschutzpolitik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe in den vergangenen Wochen keine guten Signale ausgesendet, sagte Kelber der "Frankfurter Rundschau". Dimas habe Recht, wenn er an der deutschen "Selbstverliebtheit" als Klimaschutzvorreiter rüttele.

Dimas hatte am Wochenende von der Bundesregierung größere Anstrengungen verlangt. Deutschland sei derzeit leider keineswegs Vorreiter beim Klimaschutz.

kaz/ddp



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