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Nach Kursstürzen: China entlässt obersten Börsenaufseher

Erfinder des Stopp-Mechanismus: Der oberste Börsenaufseher Xiao Gang muss gehen Zur Großansicht
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Erfinder des Stopp-Mechanismus: Der oberste Börsenaufseher Xiao Gang muss gehen

Die Turbulenzen an den Aktienmärkten kosten den Chef der chinesischen Börsenaufsicht den Job. Xiao Gang, der als Erfinder des Stopp-Mechanismus gilt, konnte die jüngsten Kursstürze nicht stoppen - und wurde entlassen.

China hat den Chef der Börsenaufsicht, Xiao Gang, entlassen. Der frühere Verwaltungsratsvorsitzende der Agricultural Bank of China und Vize-Gouverneur der Notenbank, Liu Shiyu, werde Nachfolger von Xiao an der Spitze der China Securities Regulatory Commission (CSRC), teilte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag mit.

Der 57-jährige Xiao gilt als Erfinder des Stopp-Mechanismus, bei dem der Börsenhandel nach größeren Verlusten eingestellt wird. Dieses System war erst zu Jahresbeginn in der Volksrepublik eingeführt, aber wegen massiver Turbulenzen schon am 7. Januar wieder beendet worden. Kritikern zufolge hat dieser Mechanismus zur Panik an den Märkten beigetragen.

Xiao leitete die Börsenaufsicht seit März 2013 und war zunächst dafür gelobt worden, dass er Geld aus dem überhitzten Immobilienmarkt in Aktien gelenkt hatte. Zudem war er massiv gegen Insiderhandel vorgegangen.

Allerdings konnte Xiao nicht verhindern, dass im Sommer 2015 binnen wenigen Monaten die Aktienkurse um 40 Prozent einbrachen und weltweit Sorgen um die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft auslösten. Im Januar spitzte sich die Lage durch den Stopp-Mechanismus zu. Dabei wurde der Handel an der gesamten Börse ausgesetzt, wenn bestimmte Limits unterschritten wurden. Xiao hatte nach der Abschaffung des Systems schon im Januar seinen Rücktritt angeboten.

Liu Shiyu, Vize-Gouverneur der Notenbank wird neuer Chef der Börsenaufsicht Zur Großansicht
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Liu Shiyu, Vize-Gouverneur der Notenbank wird neuer Chef der Börsenaufsicht

Investoren und Analysten gehen davon aus, dass sein 54-jähriger Nachfolger Liu, ein gelernter Volkswirt, eine neue Herangehensweise an den Tag legt. Allerdings wird es Branchenbeobachtern zufolge wohl mindestens sechs Monate dauern, bis er eingearbeitet ist.

Die Personalie steht im Einklang mit den jüngsten Zusicherungen von Spitzenpolitikern, die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Handelsminister Gao Hucheng sagte am Freitag, er sei zuversichtlich, dass sich im laufenden Jahr die Lage verbessere. Die Wirtschaftsleistung in der Volksrepublik war 2015 um 6,9 Prozent gewachsen - so wenig wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

nck/Reuters

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1. So so entlassen
tommit 20.02.2016
woanders nennt man sowas Frührente mit Aussicht. Rauswerfen in diesen Höhen erinnert eher an Belohnung, denn dann muss man sich nicht mehr am Schaden abmühen.. nur Boni keine Mali wozu ist man schliesslich an der Macht... Dito Kapitalismus und da glauben immer noch Arbeitnehmer an den CEO der bestraft wird indem er keine Abfindung beläme.... die haben alle den Knall nie verstanden der das juristsich unterscheidet... oder hat irgend ein normales Arbeitnehmer etwa einen betrag in seinem Arbeitsvertarg stehen.. Abfindung ist ein Schutz des Staates vor zuvielen und zu frühen Bittstellern, dann etwas höher Schweigegeld und noch etwas höher eher eine Antrittsbedingung...
2. Bremse in der falschen Richtung
localpatriot 20.02.2016
Auch in China wachsen die Bäume nicht in den Himmel und wer sich die Grafik vom rasanten Aufstieg des Shanghaier Broersenverlauf in Erinnerung rufen kann, versteht sofort dass so etwas nur in einem Zusammenbruch enden konnte. Steil rauf endet immer in steil runter wobei der Abstieg normalerweise zwei drittel des Aufstiegs ausmachen. Aber Personalwechsel ist nach so einer Berg und Talfahrt immer gut. Mit einer Grafik wäre der Artikel besserer Journalismus.
3. kill the messenger
CommonSense2006 20.02.2016
Da war nichts, was er hätte tun können, das Ganze entstand aus der versuchten Beeinflussung der Märkte. Jeder Versuch, eine Blase irgendwo zu unterdrücken, führt zu einer noch größeren woanders.
4. Spekulative Aktienmaerkte sind halt keine gute Idee
gweihir 20.02.2016
Im Endeffekt geht es da nur um eines: Eine kleine Zahl von Leutem will stinkreich werden, auf Kosten aller anderen. Massivster Kollateralschaden stoert nicht. Diese Sache muss dringend wieder in rationale Bahnen gelenkt werden (z.B. mit einer heftigen Transaktionssteuer) oder die naechtsen paar massiven Kriesen sind vorprogrammiert.
5. Freie Marktwirtschaft lernen...
wanniii 21.02.2016
Es ist noch ein weiter Weg bis die Regierung erkennt, dass ein Aktienmarkt nur nach den Regeln der freien Marktwirtschaft funktionieren kann. Jegweglicher Versuch, den Aktienmarkt wie Nachrichten, wie die Politik mit dem Ziel irgendetwas zu "kontrollieren", wird bei Aktien immer wieder scheitern. Wie in China üblich, wird eine Person für die Schwächen des Systems verantwortlich gemacht. Aktienmärkte sind kein Spielfeld für den kleinen Mann, sondern ein Schlachtfeld für Reiche, institutionelle Anleger sowie Regierungsvertreter, die über die richtigen "Kontakte" verfügen!
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