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Chinesische Interessen in Burma: Profit zählt mehr als Menschenrechte

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China verurteilt das Militärregime in Burma bislang nicht. Das hat einen Grund: Das bitterarme Land verfügt über riesige Rohstoffvorkommen und liegt strategisch günstig. Deshalb interessiert sich die aufstrebende Volksrepublik mehr für Burmas Wirtschaft als für die Menschenrechte.

Hamburg - Manchmal klingen Verteidigungsreden absurd, obwohl sie der Wahrheit sehr nahe kommen: "Unglücklicherweise liegen die Öl- und Gasreserven der Welt nicht immer in Demokratien", schreibt der französische Ölkonzern Total auf seiner Internetseite. "Deshalb sind Ölgesellschaften, die mit diktatorischen Regimen Geschäfte machen, häufig heftiger Kritik ausgesetzt." Trotzdem sei man überzeugt, dass man mit seinem Engagement den Alltag von zehntausenden Menschen verbessere.

Demonstranten auf den Philippinen: Weltweit wird Solidarität mit Burma gezeigt
AFP

Demonstranten auf den Philippinen: Weltweit wird Solidarität mit Burma gezeigt

Gerade in diesen Tagen hagelt es wieder Kritik, weil der Konzern an einem Offshore-Gasfeld in der Andaman See beteiligt ist und das Gas über eine 65 Kilometer lange Pipeline durch Burma nach Thailand exportiert. Total gehört damit nicht nur zu den größten Auslandsinvestoren der Militärdiktatur. Am Beispiel des Ölkonzerns wird auch deutlich, dass bei dem Konflikt zwischen den buddhistischen Mönchen, der Zivilbevölkerung und den militärischen Machthabern in Burma viel mehr Interessen im Spiel sind als auf den ersten Blick ersichtlich.

Ein Drittel der Bevölkerung Burmas lebt unterhalb der Armutsgrenze und muss mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen - und das, obwohl das Land über Ressourcen verfügt, nach denen es viele gelüstet: Öl und Gas. Laut dem aktuellen Länderbericht des Ostasiatischen Vereins (OAV) sind bisher drei große Offshore-Gas- und Ölvorkommen und 19 Vorkommen im Land identifiziert.

China hat die besseren Karten

Die gesamten Bestände belaufen sich nach offiziellen Statistiken auf 2,46 Billionen Kubikmeter Gas und 3,2 Milliarden Barrel förderwürdiges Rohöl. "Das ist beträchtlich und einer der Gründe, warum sich China und Indien derzeit mit einer Verurteilung Burmas so zurückhalten", sagt OAV-Geschäftsführerin Monika Stärk.

Derzeit hat China noch die besseren Karten: Das Land - neben Singapur der größte Handelspartner Burmas - besitzt weitreichende Ausbeutungsrechte im Westen des Landes und plant den Transport per Pipeline nach Südchina. Das lässt sich das chronisch klamme Regime mit 300 Millionen US-Dollar jährlich bezahlen. Im April hat es außerdem ein Abkommen mit einem russisch-singapurischen Konsortium über die Förderung von Erdöl und Gas im Nordwesten des Landes geschlossen.

"Der Norden des Landes ist schon heute wirtschaftlich fest in chinesischer Hand", sagt Stärk vom OAV. Dabei geht es vor allem um Teakhölzer, neben Gas das meist exportierte Gut. Das Holz wird über China ausgeführt - ein Teil offiziell, ein anderer Teil inoffiziell. "Außerdem besitzt Myanmar große Edelsteinvorkommen, die verarbeitet und exportiert werden", sagt Stärk. Das Geschäft werde allerdings stark von den Generalsfamilien kontrolliert.

"Konzeptlose Wirtschaftspolitik"

Tatsächlich kommt bei den normalen Bürgern Burmas von dem eigentlichen Reichtum des Landes nichts an. Offiziellen Zahlen zufolge verfügt das Land zwar über ein Wachstum von 12,3 Prozent - Experten halten das aber für unrealistisch. Noch immer macht die Landwirtschaft mehr als 50 Prozent der Wirtschaft aus, der Anteil der verarbeitenden Industrie liegt nur bei 15 Prozent.

Exporte aus Burma als Grafik: Gas und Teakholz sind die Verkaufsschlager
SPIEGEL ONLINE

Exporte aus Burma als Grafik: Gas und Teakholz sind die Verkaufsschlager

Haupthandelspartner sind dabei die asiatischen Nachbarländer, an erster Stelle Thailand, China, Indien und Singapur. Danach folgen Hongkong, Japan, Malaysia und Indonesien. An achter und neunter Stelle der Exportländer liegen allerdings schon Deutschland und Großbritannien. Exportiert werden dabei neben Teakholz und Gas vor allem Hülsenfrüchte, Textilien und Metalle. Im Gegenzug importiert Burma Maschinen und Transportausrüstung, raffiniertes Öl und Metallerzeugnisse, aber auch Pharmaprodukte, Papier und Stoffe.

Wegen der vom OAV als "konzeptlos" bezeichneten Wirtschaftspolitik herrscht in vielen Bereichen Unterversorgung, die einheimische Industrie hat kaum eine Chance. Das liegt auch daran, dass zum Beispiel nur 20 Prozent der erzeugten Energie ins eigene Land fließen, der Rest wird exportiert. Etwa nach Thailand, das seit neuestem mit Strom aus Wasserkraftwerken beliefert wird. Die Folge: Im Frühjahr 2007 war Strom in Burma teilweise nur vier Stunden am Tag erhältlich.

Aber auch die notwendige Infrastruktur fehlt: Straßen und Brücken sind löchrig oder gar nicht vorhanden - und werden erst jetzt mit Geldern aus China oder Indien gebaut. "Auch für Bildung gibt es weder ein Konzept noch Geld", kritisiert Asien-Expertin Stärk. Zeitweise seien sogar die Universitäten über Jahre geschlossen gewesen. Wirtschaftssanktionen hält sie deshalb für den falschen Weg: "Sie treffen die Machthaber nicht, sondern nur die Menschen. Wir müssen die stärken, die etwas aufbauen können: die Wirtschaft und eine Zivilgesellschaft."

Wie ein Keil zwischen den Großmächten

Der wachsende Einfluss Chinas zeigt sich aber nicht nur in den Handelszahlen. "Von China inspiriert und weitgehend gesteuert sind Pläne zur Errichtung von sechs Freihandelszonen", heißt es in dem Bericht des OAV. Vorgesehene Standorte sind der Hafen von Thilawa Port bei Rangun und Kyaukphuy im Rakhine-Staat mit chinesischem Investment sowie Hpa-an, Mawlamyaing und Myawaddy für thailändische Investoren und ein Technologiepool in Pyin Oo Lwin. "Die Rolle Chinas ist unter wirtschaftlichen Aspekten durchaus positiv für das Land", sagt OAV-Chefin Stärk.

Karte von Burma: Wie ein Keil zwischen Indien und China
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Karte von Burma: Wie ein Keil zwischen Indien und China

Warum Indien und China trotzdem so großes Interesse an dem eigentlich unterentwickelten Land haben, zeigt ein Blick auf die Landkarte: Wie ein Keil schiebt sich das verhältnismäßig kleine Land zwischen die beiden großen Staaten und fungiert dabei wie ein Puffer. Außerdem - und das ist neben den Rohstoffreserven vielleicht der wichtigste Punkt - verfügt das Land über den Zugang zum Golf von Bengalen und damit zum Indischen Ozean. Der war bislang quasi indisches Hoheitsgebiet, allerdings macht China Indien diesen Einfluss zunehmend streitig.

Tatsächlich wäre für China der schnelle Zugang zum Indischen Ozean viel wert. Es würde Containern und Tankschiffen den langen Umweg über das Südchinesische Meer und die Straße von Malakka bei Singapur ersparen. Und damit den Import und Export von Waren erleichtern.

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