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Chiphersteller: Qimonda meldet Insolvenz an

13.000 Arbeitsplätze in Gefahr: Der krisengeschüttelte Speicherchiphersteller Qimonda hat einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht München gestellt, nachdem Sachsen seine Hilfskredite nicht erhöhen wollte. Den Betrieb will der Konzern aber vorerst aufrechterhalten.

München - Qimonda Chart zeigen hat am Freitag einen Insolvenzantrag gestellt. "Es ist ein Eigenantrag eingegangen", sagte eine Sprecherin des Amtsgerichts München. Über das weitere Vorgehen müsse nun der zuständige Richter entscheiden.

Qimonda-Zentrale in Dresden: Kein zukunftsfähiges Konzept vorgelegt
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Die Infineon-Tochter will ihren Betrieb trotz Insolvenz aufrechterhalten. Der Vorstand sehe "gute Chancen", die zur Neuausrichtung notwendigen finanziellen Mittel in Verhandlungen mit potentiellen Geldgebern und Investoren zu bekommen, teilte das Unternehmen am Freitag in München mit.

Der Vorstand sei bestrebt, wesentliche Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz zu sanieren. "Wir gehen davon aus, dass wir unseren Geschäftsbetrieb mit Unterstützung des vorläufigen Insolvenzverwalters sowie unserer Mitarbeiter im Sinne unseres Restrukturierungsprogramms fortführen können", sagte Vorstandschef Kin Wah Loh.

Zuvor war bekanntgeworden, dass die sächsische Landesregierung keine weiteren Mittel in die Rettung des angeschlagenen Chipherstellers investieren wollte. "Der Freistaat Sachsen bleibt bei seinem Angebot von 150 Millionen Euro", sagte ein sächsischer Regierungssprecher der "Frankfurter Rundschau". Alles Weitere müsse das Unternehmen beibringen.

Dem Bericht zufolge hatte es in jüngster Zeit mehrmals Gespräche mit der Bundesregierung zur Rettung des Unternehmens gegeben. In Berlin hieß es demnach, Qimonda habe bislang kein tragfähiges Konzept für die Zukunft vorweisen können. Man glaube deshalb kaum, dass die Insolvenz des Unternehmens noch abwendbar sei.

Finanzierungslücke über 300 Millionen Euro

Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones hatte am Donnerstag unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, dass Qimonda mit weltweit 13.000 Beschäftigten und Standorten in Dresden, München und im portugiesischen Porto eine zusätzliche Finanzierungslücke von 300 Millionen Euro habe.

Die Lücke sei Folge des jüngsten Preisverfalls bei sogenannten Dram-Speicherchips, die in Handys und Computern zum Einsatz kommen. Qimonda müsse die Finanzierungslücke schließen, um das im Dezember angekündigte Rettungspaket im Volumen von 325 Millionen Euro zu erhalten. Ein Qimonda-Sprecher wollte zu den Angaben nicht Stellung nehmen. Das Unternehmen leidet wie seine Konkurrenten unter dem massiven Preisverfall für Speicherchips auf dem Weltmarkt.

Am 21. Dezember war ein Finanzierungspaket für Qimonda vorgestellt worden, laut dem der Freistaat Sachsen dem Unternehmen ein Darlehen von 150 Millionen Euro zur Verfügung stellen soll. Die mit 77,5 Prozent an Qimonda beteiligte Infineon sollte laut dem Plan einen Kredit von 75 Millionen Euro bereitstellen, weitere 100 Millionen Euro sollten von der portugiesischen Investitionsbank kommen. Zusätzlich erwartete Qimonda die Bewilligung einer Bürgschaft des Bundes und Sachsens von insgesamt 280 Millionen Euro. Qimonda selbst hatte kurz vor Weihnachten angekündigt, ohne finanzielle Hilfe Anfang 2009 in Zahlungsnot zu geraten.

Qimonda-Papiere verloren im Frankfurter Parketthandel deutlich und lagen am Morgen rund 40 Prozent im Minus. Die Aktien des Chipherstellers sind in New York notiert. Sie waren am Vorabend um 28 Prozent auf 26 US-Cent abgestürzt. Die Aktien des Qimonda-Aktionärs Infineon gaben am Morgen um knapp acht Prozent nach.

kaz/dpa/ddp/Reuters

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