Börse in Tokio Wie Anleger vom Japan-Boom profitieren können

Die Rallye japanischer Aktien elektrisiert Anleger weltweit. Es läuft eines der spannendsten und zugleich riskantesten Experimente der jüngeren Wirtschaftsgeschichte.

Von Christian Kirchner

Japanische Börsenkurse: Bisher hat das Experiment geklappt
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Japanische Börsenkurse: Bisher hat das Experiment geklappt


Es ist wieder Grillzeit in Deutschland. Landauf, landab stehen täglich Männer rund um ein funzelndes Feuerchen und fachsimpeln: Wie bringt man das Ding so richtig auf Temperatur? Je nach Temperament und Alkoholpegel gibt es viele Strategien: Ein paar Stücke Kohle dazulegen. Luft drüber fächern. Zeitungspapier unterschieben.

Auch in Japan fachsimpeln Experten: Wie bekommt man bloß die seit über einer Dekade vor sich hinfunzelnde Wirtschaft Japans wieder auf Betriebstemperatur? Jetzt hat Japans Regierung, Hand in Hand mit der ihr ergebenen Notenbank, eine eigene Idee entwickelt: Literweise Benzin über den Grill schütten.

"Abenomics" heißt der nach dem amtierenden Premierminister Shinzo Abe benannte Ansatz, die Wirtschaft mit Gewalt anzukurbeln und die Inflation auf zwei Prozent heben zu wollen. Zu diesem Zweck druckt die japanische Notenbank pro Monat umgerechnet rund 45 Milliarden Euro extra und tritt am Markt als Käufer von Wertpapieren auf - bislang mit dem gewünschten Erfolg: Der Yen brach seit Herbst 2012 um gut 30 Prozent zum US-Dollar und zum Euro ein und verschafft so japanischen Exportfirmen starke Wettbewerbsvorteile. Die japanische Wirtschaft wächst endlich wieder. Und zugleich steigen japanische Aktien immer schneller, binnen gut sechs Monaten kletterte der Nikkei-Aktienindex um 75 Prozent.

Nach einer seit 1989 laufenden Talfahrt sind japanische Aktien nun endlich wieder eine spannende Investition. Denn die Probleme Japans - die gemessen an der Wirtschaftskraft rekordhohe Verschuldung und die Überalterung der Gesellschaft - sind bekannt. Und der angezettelte Währungskrieg ist für Sparer riskanter als für Aktionäre, denn dem gehört stets der gleiche Anteil an einer Firma, egal, was mit der japanischen Währung passiert. Teilhaben lässt sich an dem Boom am besten über einen Indexfonds, der die Kurse der japanischen Aktienindizes Nikkei 225, Topix oder MSCI Japan für knapp ein halbes Prozent an Gebühren pro Jahr eins zu eins abbildet.

Natürlich birgt das derzeit in Japan laufende Abwertungsexperiment auch immense Risiken: Für die importierten Güter muss Japan mehr an heimischen Yen auf den Tisch legen, folglich steigen die Kosten der Firmen. Und die Abwertung nagt an den Kursgewinnen und hat seit Herbst aus Sicht eines deutschen Investors gut die Hälfte des Nikkei-Anstiegs aufgezehrt.

Bis hierher hat das Experiment geklappt

Doch wie man es dreht und wendet: Bis hierher hat das Experiment geklappt - Wirtschaftswachstum, Konsumentenvertrauen und natürlich auch Aktien steigen. Japan ist zudem gut positioniert, um vom starken Wachstum in Asien zu profitieren: Über die Hälfte der japanischen Exporte gehen in asiatische Nachbarländer, darunter ein Fünftel nach China. Japanische Großunternehmen sind Weltmarktführer in Wachstumsmärkten wie der Automatisierungstechnik, Digitalfotografie, Solarzellen oder Werkstoffentwicklung. Und: Trotz der Rallye um 75 Prozent sind japanische Aktien gemessen an ihrem Substanzwert - also dem Betriebsvermögen abzüglich aller Schulden - günstiger als im historischen Schnitt. Sie sind auch nicht teurer als deutsche Standardwerte und billiger als US-Aktien.

Bei allen guten Kaufgründen: Gießt man Benzin über einen schwächelnden Grill, kann natürlich am Ende nicht nur die Wurst fertig gegrillt sein, sondern auch der Skalp der zwei Herren am Grill - in diesem Fall Japans Premierminister Shinzo Abe und sein willfähriger Notenbankchef Haruhiko Kuroda. Und die Haare versengen könnten sich auch jene Investoren, die mit am Grill stehen und das Feuer ihres Lebens sehen wollen. Die Stichflamme wäre in diesem Fall eine dramatisch ansteigende Inflationsrate.

Wie ein solches Stichflammen-Szenario aussehen könnte, hat schon vor drei Jahren das Anlagestrategieteam der Société Générale am Beispiel von Israel errechnet: Das Land ging zwischen 1972 und 1987 einen ähnlichen Weg wie Japan heute und versuchte mit Gelddrucken sein Schulden- und Wachstumsproblem in den Griff zu bekommen. Überträgt man die israelischen Wirtschaftsdaten jener Zeit auf Japan heute, wäre laut Société Générale eine nominale Versechseinhalbtausendfachung des Nikkei drin. Daher gaben die Anlageexperten das Kursziel von 63 Millionen Punkten für den Nikkei bis 2025 aus.

Ein aberwitziges Gedankenexperiment? Natürlich würde der Anstieg zum allergrößten Teil durch Hyperinflation und Abwertung aufgefressen. In Israel etwa hielt der Kursanstieg auf Dauer nicht mit der Teuerung Schritt. Doch noch spielt die Inflation in Japan keine Rolle.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
idealist100 16.05.2013
1. Hallo
Zitat von sysopREUTERSDie Rallye japanischer Aktien elektrisiert Anleger weltweit. Es läuft eines der spannendsten und zugleich riskantesten Experimente der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/christian-kirchner-ueber-japans-radikale-wirtschaftspolitik-a-900205.html
Hallo Herr Kirchner, Sie sollten nicht meinen Posting von heute morgen "Benzin in nur noch gliemende Feuer gießen" übernehmen und daraus einen Grill machen.
kogno 16.05.2013
2. Guckt Euch das an!
Wenn unsere Regierung so etwas irgendwo in ihrem Machtbereich in Europa erlebte, würde sie total ausrasten ausrasten. Wenigstens von den USA sollten sich die Europäer eine Scheibe Wachstumspolitik abschneiden dürfen. Wo die Frau Merkel doch so ein Fan der USA ist, wie alle Osteuropäer und alle Bildzeitungsaffinen.
kdshp 16.05.2013
3. Die Rallye
Zitat von sysopREUTERSDie Rallye japanischer Aktien elektrisiert Anleger weltweit. Es läuft eines der spannendsten und zugleich riskantesten Experimente der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/christian-kirchner-ueber-japans-radikale-wirtschaftspolitik-a-900205.html
Hier tut sich doch eine börsen/aktien blase auf! Jetzt GOLD kaufen ist das beste was man machen kann.
paoloDeG 16.05.2013
4. vom Japan-Boom profitieren
Japans Regierung will damit die Arbeitslosigkeit bekämpfen, das Land wiederaufbauen und modernisieren ! Das Anleger verführt werden ist eine logische Folge ! Wenn dadurch die Wetbewerbsfähigkeit Japans ausreichend steigt, dann ist das Ziehl 100% erreicht !
KobiDror 16.05.2013
5.
Zitat von kdshpHier tut sich doch eine börsen/aktien blase auf! Jetzt GOLD kaufen ist das beste was man machen kann.
3-Jahresentwicklung Gold (http://boersen.manager-magazin.de/spo_mmo/kurse_einzelkurs_uebersicht.htm?u=0&p=0&k=0&s=USDGOLPM.LFIX&l=826&b=401&n=Gold%20PM&chartzeit=30000) Noch Fragen? Gold hat seinen Boom Ende 2011 erlebt, lief ein Jahr seitwärts und ist nun auf dem absteigenden Ast. Etwa bei Höchstständen eingestiegen und nun Buchverluste sehend anderen den Einstieg schmackhaft machen? Sobald hier Anlagetips auftauchen, sollte man vorsichtig sein. Wie im Artikel bereits erwähnt wurden Bereits 75% Steigerung beim Index erreicht. Die historischen Höchststände sind gerade mal 3000 Punkte entfernt und dann schlagen Charttechniken durch... Vielleicht kann man noch einen Schnitt machen, ist aber hoch riskant - selbst mit Indexfonds.
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