Chronische Erfolglosigkeit: Deutsche Börse gibt Regie bei Derivate-Tochter ab
Rund zweieinhalb Jahre hatte die Deutsche Börse versucht, die Geschäfte ihrer Derivate-Tochter Eurex US zum Laufen zu bringen. Vergeblich - jetzt zieht das Unternehmen die Reißleine.
Frankfurt am Main - Neuer Name, neuer Mehrheitsaktionär - bei Eurex US wird sich in Zukunft einiges ändern. Der Hedgefonds Man Group wird 70 Prozent an dem in Chicago ansässigen Unternehmen für 23,2 Millionen Dollar übernehmen. Zusätzlich bringt die Man Group 35 Millionen Dollar in die US Futures Exchange ein. 30 Prozent der Anteile bleiben im Besitz der Deutschen Börse.
Deutsche Börse in Frankfurt am Main: Kaum je einen Stich bekommen
Vorerst rote Zahlen
Davis wollte in einer Telefonkonferenz am Abend nicht sagen, wann er erwartet, die US Futures Exchange profitabel betreiben zu können. Die US Futures Exchange soll, so die Pläne der Eigner, in Zukunft Hedgefonds und Privatanlegern den Handel mit innovativen Finanzprodukten in den USA ermöglichen. Anschließend, so Davis, werde sein Unternehmen seinen Anteil von 70 Prozent Schritt für Schritt auf unter 50 Prozent reduzieren. Davis und Eurex-Chef Andreas Preuss erklärten, die neue Derivatebörse sei offen für weitere Investoren aus der Finanzbrache, auch andere Hedgefonds. Die US Futures Exchange sei als offene Plattform für alle Arten alternativer Finanzprodukte wie Futures und Optionen konzipiert.
Die Deutsche Börse hatte die Eurex US Anfang 2004 in Chicago gegründet, gegen die starke heimische Konkurrenz - darunter riesige Börsen wie die Chicago Mercantile Exchange (CME) und das Chicago Board of Trade (CBOT) - aber kaum je einen Stich auf dem US-Derivatemarkt machen können. Die Deutschen betreiben gemeinsam mit der Schweizer Börse die weltgrößte Derivatebörse Eurex. Auf ihren Systemen wird der Bund-Future - der wichtigste Gradmesser für den europäischen Anleihenhandel - gehandelt.
Die Deutsche Börse verfügt über einige Erfahrung mit Hedgefonds. Erst im vergangenen Jahr hatten an der Börse beteiligte Investoren den damaligen Vorstandschef Werner Seifert aus dem Amt gejagt, weil sie mit der von ihm vorangetriebenen Übernahme der Londoner Börse nicht einverstanden waren. Als Folge davon geriet das Unternehmen in eine beispiellose Krise.
mik/Reuters
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