Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Chrysler-Verkauf: Zetsche zerschlägt die Welt AG

DaimlerChrysler ist Geschichte: Konzernchef Zetsche verkauft die US-Tochter für 5,5 Milliarden Euro an den Investor Cerberus. Es ist ein Mega-Minusgeschäft für die Deutschen und das Ende der Welt AG - trotzdem sind alle froh.

Stuttgart - Der US-Finanzinvestor Cerberus wird für die 5,5 Milliarden Euro insgesamt 80,1 Prozent an Chrysler übernehmen. DaimlerChrysler behalte die restlichen Anteile, teilte der Autokonzern heute in Stuttgart mit. Cerberus wird auch die Verpflichtungen für die Pensionen und Gesundheitsfürsorge der Chrysler-Beschäftigten übernehmen.

DaimlerChrysler-Chef Zetsche: "Voraussetzungen für einen neuen Start geschaffen"
DPA

DaimlerChrysler-Chef Zetsche: "Voraussetzungen für einen neuen Start geschaffen"

1998 hatte der damalige Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp 36 Milliarden Dollar für Chrysler gezahlt. Neun Jahre später ist nun die deutsch-amerikanische Ehe am Ende. "Wir sind davon überzeugt, eine Lösung gefunden zu haben, die insgesamt den größten Wert schafft - für Daimler und für Chrysler", sagte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche heute in Stuttgart. "Mit dieser Transaktion haben wir die Voraussetzungen für einen neuen Start für Chrysler und für Daimler geschaffen."

Nach der Scheidung wird auch der Name geändert: Aus DaimlerChrysler soll die Daimler AG werden.

Die 5,5 Milliarden Euro von Cerberus fließen dem Konzern zufolge in eine neue Gesellschaft, die zum einen die klassische Fahrzeugproduktion betreibt, zum anderen die Finanzdienstleistungssparte von Chrysler. Die Fahrzeugproduktion werde mit 3,7 Milliarden Euro ausgestattet, die Finanzdienstleistungssparte 0,8 Milliarden Euro.

500 Millionen Euro Verlust

DaimlerChrysler erhält demnach nur die verbleibende eine Milliarde Euro und gibt der Fahrzeugsparte gleichzeitig ein Darlehen von 300 Millionen Euro. Weil DaimlerChrysler außerdem die Fahrzeugsparte schuldenfrei übergeben muss, bleibt unter dem Strich ein Verlust - nach Angaben aus dem Konzern gut 500 Millionen Euro. Die Kaufsumme sei genutzt worden, um Chrysler mit mehr Eigenkapital auszustatten, war im Konzern zu erfahren. Trotzdem sei der Preis "ordentlich".

Ron Gettelfinger, Präsident der US-Autogewerkschaft UAW, sagte, der Einstieg von Cerberus werde den Interessen der UAW-Mitglieder, der Chrysler Group und von Daimler am besten gerecht. "Wir sind froh, dass die Entscheidung gefallen ist. Denn nun können sich unsere Mitglieder und das Management wieder voll auf die Entwicklung und Fertigung von Qualitätsprodukten für die Zukunft der Chrysler Group konzentrieren."

Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm sagte, die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat würden der Übernahme von Chrysler durch Cerberus zustimmen. "Die UAW und die deutschen Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat erklären übereinstimmend, dass sie den Vertrag mit Cerberus in der Sitzung des Aufsichtsrats am Mittwoch dieser Woche akzeptieren werden", teilten die Gewerkschaften mit.

Cerberus-Aufsichtsratschef John Snow, früher erfolgloser Finanzminister unter George W. Bush, sagte: "Wir heißen Chrysler in der Cerberus-Familie willkommen und sind überzeugt davon, dass Cerberus eine gute Heimat für Chrysler sein wird." Cerberus glaube an die Kraft der verarbeitenden Industrie in den USA und an die US-Autoindustrie, "aber am wichtigsten ist: Wir glauben an Chrysler". Die Transaktion solle im dritten Quartal abgeschlossen werden. Bestehende Projekte mit Mercedes sollen fortgesetzt werden. Zetsche sagte, das sei einer der Gründe, warum man weiter 19,9 Prozent der Anteile halte.

Börse feiert den Chrysler-Verkauf

Die Namensänderung in Daimler AG soll auf einer Hauptversammlung im Herbst beschlossen werden. Der künftige Daimler-Vorstand werde auf sechs Mitglieder verkleinert. Chrysler-Chef Tom LaSorda, Eric Ridenour und Tom Sidlik werden ausscheiden. LaSorda soll aber CEO der Chrysler Group bleiben.

Zetsche sagte: "Unsere Ausgangsposition ist solide. Wir verfügen über eine überdurchschnittliche hohe Finanzkraft. Und unsere Perspektiven sind gut." Cerberus ist eines der größten privaten Investment-Unternehmen und wurde 1992 gegründet. Es wurde von Wolfgang Bernhard beraten, der 2001 bis 2004 bei Chrysler als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft zuständig war. Nach seinem Weggang von DaimlerChrysler war er VW-Markenchef. Auch bei Volkswagen schied er aus. Insidern zufolge geht er nun womöglich ins Board der Chrysler Group.

Die DaimlerChrysler Chart zeigen-Aktie schoss nach Bekanntgabe der Trennung an der Frankfurter Börse steil nach oben. Nach starken Schwankungen stand sie gegen Mittag mit etwa 5,5 Prozent im Plus.

Die Aktionäre waren der als "Hochzeit im Himmel" gefeierten Fusion von Beginn an skeptisch gegenüber gestanden. Die Fusion im Jahr 1998 war das Lebenswerk von Zetsche-Vorgänger Jürgen Schrempp, der sich damals als Gründer der "Welt AG" DaimlerChrysler feiern ließ.

kaz/Reuters/dpa/AP/AFP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
DaimlerChrysler: Chronik einer Auto-Ehe
Fotostrecke
Grafiken: Die Daimler-Chrysler-Scheidung


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: