Clement-Reise: Was Deutschland von Indien lernen kann

Am Ende seines zweitägigen Indien-Besuches hat Wirtschaftsminister Wolfgang Clement ein selbstkritisches Fazit gezogen: Deutschland habe den Wachstumsmarkt in Asien lange vernachlässigt. Jetzt aber will er alle Kräfte mobilisieren - und den Handel mit Indien in nur wenigen Jahren verdoppeln.

Clement im Gespräch mit Handelsminister Kamal Nath: "Sind wir in der Lage, unsere Kräfte zu mobilisieren?"
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Clement im Gespräch mit Handelsminister Kamal Nath: "Sind wir in der Lage, unsere Kräfte zu mobilisieren?"

Neu Delhi - Clement stieß während seiner Reise überall auf ausgeprägtes Selbstbewusstsein der indischen Seite. Der deutsche Minister verneigte sich denn auch rhetorisch vor seinen Gastgebern: Mit Wachstumsraten von weit mehr als sechs Prozent habe Indien weltweit einen Spitzenplatz eingenommen, sagte er. "Davon können wir in Deutschland im Augenblick nur träumen." Deutschland müsse nun die Investitionschancen in Indien rasch nutzen.

Es gelte, dafür zu sorgen, dass dieses Jahrhundert nicht nur ein indisches und chinesisches, sondern auch ein europäisches werde. "Die essenzielle Frage für die nächste Generation wird aber sein: Sind wir in der Lage, unsere Kräfte so zu mobilisieren, wie es notwendig ist? Wenn uns das nicht gelingt, dann wird Europa ein Museumsfall."

Inder sollen im Osten investieren

Clement kündigte an, der Handel mit Indien solle in den kommenden Jahren verdoppelt werden. "Die Voraussetzungen sind vorhanden, der Wille ist vorhanden - auf beiden Seiten." Nach einem Plus von 22,5 Prozent lag der bilaterale Handel im vergangenen Jahr bei 6,22 Milliarden Euro und überschritt damit erstmals die Marke von sechs Milliarden Euro. Indiens Hauptexportartikel nach Deutschland sind Textilien, chemische Erzeugnisse, Schuhe und Lederwaren. Aus Deutschland sind besonders Maschinen sowie elektrotechnische und chemische Erzeugnisse gefragt.

Clement im Kindergarten: Große Wirtschaftsdelegation im Schlepptau
DPA

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Die Zusammenarbeit könne etwa in den Bereichen Biotechnologie, Luft- und Raumfahrttechnik, Telekommunikation sowie Lebensmittelverarbeitung vertieft werden, sagte Clement. Er warb für indische Investitionen besonders in Ostdeutschland.

Premier: Strom für alle bis 2009

Deutsche Unternehmen zeigten außerdem ein außerordentliches Interesse daran, beim Aufbau der Infrastruktur in Indien zu helfen, so der SPD-Politiker. Er nannte Häfen, Flughäfen und Schnellstraßen, aber auch das Telekom-Netz als Beispiele. Anfang der Woche hat der indische Premierminister Manmohan Singh einen ehrgeizigen Plan veröffentlicht, der die Stromversorgung im Land verbessern soll. Bis zum Jahr 2009 sollten alle Dörfer des Landes ans Stromnetz angeschlossen werden. Bisher sind noch 78 Millionen Haushalte auf dem Land ohne Elektrizität.

Premier Singh: Elektrifizierung muss schnell vorankommen
AP

Premier Singh: Elektrifizierung muss schnell vorankommen

Der indische Finanzminister Palaniappan Chidambaram sagte am Rande der Clement-Visite, Auslandsinvestitionen würden nun viel schneller genehmigt als bisher - das Tempo der Bearbeitung habe sich verdoppelt. Fast alle Anträge würden binnen zehn Wochen bearbeitet. Die Angst vor indischer Bürokratie sei übertrieben.

Clement war bei seinem zweitägigen Indien-Besuch von knapp 50 Spitzenmanagern deutscher Unternehmen begleitet worden. Viele schätzen den Markt ähnlich optimistisch ein wie der Minister. "Es gibt das Gefühl, das Indien in der europäischen Wahrnehmung aus dem Schatten Chinas heraustritt", sagte Ulrich Stucke von Hochtief-Airport, der Clement begleitete.

Der Vertreter der Metro-Gruppe, Heinrich Birr, betonte: "Es lohnt sich absolut, den Markt anzugehen." Metro betreibt inzwischen zwei Märkte in Bangalore und will künftig "sehr intensiv" in Indien investieren. Zwar gebe es "unterschiedliche Klippen in verschiedenen Bereichen - aber das gibt es in Deutschland auch".

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