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Commerzbank: Investmentbanker kassieren Millionen trotz Boni-Stopp

Von , Frankfurt am Main

Der Commerzbank droht die Zerreißprobe: Den eigenen Mitarbeitern streicht der Geldkonzern nach Vorlage der Jahresbilanz den Bonus - die Verlustbanker der Dresdner Kleinwort können dagegen auf Zahlungen hoffen. Nun sucht das Institut nach Wegen aus der Belohnungsfalle.

Eigentlich könnte es ein guter Tag sein für die Commerzbank. Die Jahreszahlen sind längst nicht so mies wie erwartet: Vor Steuern liegt das Ergebnis für 2008 bei minus 378 Millionen Euro. Unter dem Strich steht sogar ein kleiner Gewinn von immerhin drei Millionen Euro. In Zeiten wie diesen kann man so etwas schon als Erfolg verkaufen.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: "Boni sind nicht schlecht"
DPA

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: "Boni sind nicht schlecht"

Die Anleger sind dementsprechend zufrieden, der Aktienkurs schießt nach Bekanntgabe der Zahlen um neun Prozent in die Höhe. Noch dazu bietet die Bilanz dem Geldinstitut eine erfreuliche Gelegenheit, bei der Politik zu punkten. Quer durch die Parteien werden Banker derzeit zur Bescheidenheit gedrängt - vor allem jene von der Commerzbank, die nach Kapitalhilfen von mehr als 18 Milliarden Euro zu rund 25 Prozent dem Staat gehört.

Also lässt Commerzbank-Chef Martin Blessing seinen Finanzvorstand und Arbeitsdirektor Eric Strutz am Mittwoch ausrichten: Allen Mitarbeitern wird der Bonus gestrichen, weil zwar unterm Strich schwarze Zahlen stehen - das Vorsteuerergebnis aber negativ war. Und die Maßnahme gelte für die neu erworbenen Töchter genauso wie für die alte Commerzbank. Sprich: Auch die Investmentbanker der Dresdner Kleinwort, die mit ihrem Kampf um die zugesagten Zulagen von 400 Millionen in den vergangenen Tagen für unschöne Schlagzeilen sorgten, sind theoretisch eingeschlossen.

Allerdings hat die Sache einen Haken.

Rund 30 Prozent der umstrittenen Summe sind fest zugesagt, gesteht Strutz bei einer Telefonkonferenz ein. An die 120 Millionen Euro sind den Investmentbankern also sicher.

Fragt sich: Wofür eigentlich? 2,2 Milliarden Euro Miese liefen bei Dresdner Kleinwort allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Geschäftsjahres auf. Das Gesamtdesaster wird kommende Woche mit der Bilanz der Allianz Chart zeigen vorgelegt.

Politik fordert Verzicht

Die Spitzenbanker der Sparte können sich bestimmter Extra-Gelder sicher sein - die Kollegen aus den anderen Bereichen der Commerzbank, die teils noch gute Ergebnisse erzielten, gehen dagegen leer aus. Die Stimmung in der Bank dürfte das kaum heben. Schließlich macht bei vielen Angestellten der Bonus an die 50 Prozent ihrer Gesamtbezüge aus. Allein für die alte Commerzbank summierten sich die Einsparungen durch die gestrichenen Zulagen auf 600 Millionen Euro, sagt Strutz.

Die Geschichte hinter der absurden Konstellation mutet skurril an. Der frühere Chef der Dresdner Kleinwort, Stefan Jentzsch, hatte die umstrittenen Boni schon im August zugesichert, weil die Top-Banker seiner Sparte für die Bank unverzichtbar schienen. Wer könnte schließlich besser qualifiziert sein, angehäufte Berge an Risikopapieren einigermaßen effektiv wieder abzutragen?

Richtig aufgegangen ist die Strategie freilich nicht. Von dem früheren 18-köpfigen Führungsteam bei der Dresdner Kleinwort ist laut "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" nur ein Mitglied heute noch bei der neuen Mutter Commerzbank im Dienst.

Finanzvorstand Strutz bleibt deshalb nur, an die Bescheidenheit der begünstigten Banker zu "appellieren". Viele Manager hätten doch schon auf ihre Zulagen verzichtet, sagt er am Mittwoch - und hofft, dass noch andere den guten Beispielen folgen.

Auch aus der Politik wächst der Druck. "Solche Leute bringen das Gesamtsystem in Misskredit", sagt CDU-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer SPIEGEL ONLINE. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: "Nichts gegen gute Bezahlung. Aber wer seine Bank an den Rand der Pleite steuert, hat eine Bonuszahlung weiß Gott nicht verdient."

Immer wieder ergeht der Ruf an die Branche, zu verzichten - doch bisher überhören die begünstigten Investmentbanker der Dresdner Kleinwort diese Rufe. So beharren 17 der 18 früheren Mitglieder des Executive Committee auf ihre Zulagen, oft Millionensummen. Wahrscheinlich herrsche "Endzeitstimmung in bestimmten Investmentbanking-Kreisen", kommentiert CDU-Experte Meyer trocken. Die Banker wollten wohl mitnehmen, was eben geht, jetzt, da die Goldgräberzeiten vorbei seien.

Basteln am Bonussystem

So hat allein der einstige Chef der Sparte, Stefan Jentzsch, bislang Verzicht angemeldet - nachdem mehrere Zeitungen über einen Segeltörn und seine Leidenschaft für Ferraris berichtet hatten. Jentzsch kann sich Pressemeldungen zufolge mit einer satten Abfindung von rund 7,5 Millionen Euro trösten, die ihm für sein Ausscheiden aus der Bank bezahlt wird.

Finanzvorstand Strutz versucht jetzt, die Stimmung zu retten, soweit es geht. "Natürlich ist das schwer", sagt er über die Situation, vor allem, weil viele Mitarbeiter "ihre Leistung erbracht haben". Aber "Bonuszahlungen sind doch per se nicht schlecht", fügt er beschwichtigend hinzu. Und dass in manchen Bereichen der Dresdner Kleinwort ja sogar im vergangenen Jahr Gewinne erwirtschaftet wurden, die Zulagen durchaus rechtfertigen könnten.

Die Commerzbank will jetzt bis zum Sommer ein neues Bonussystem ausarbeiten, das sich mehr an langfristigen Erfolgen ausrichten soll. Doch da steht Strutz schon vor dem nächsten Problem: Im Kampf um die besten Talente mögen die Banken eine Feuerpause eingelegt haben - vorbei ist er noch nicht. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte kürzlich auf der Bilanz-Pressekonferenz betont, Banking sei ein "peoples business". Die Kunst bestehe jetzt darin, neue Bonusregeln nicht allzu streng festzuzurren, um Jungbanker nicht in die Arme des Wettbewerbers zu treiben.

Man wolle weiterhin "attraktiv" für Talente sein, sagt Strutz deshalb, "Leistungsträger langfristig binden". Und dann flüchtet er sich in die Philosophie. Die Commerzbank wolle alles in allem aber ohnehin "Mitarbeiter, die nicht nur materiell orientiert sind. Wer nur auf sein Einkommen schaut, der kennt auch keine Loyalität."

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