Corny Müsliriegel Foodwatch wirft Schwartau Verbrauchertäuschung vor

"Das Beste aus dem Korn"? Von wegen, kritisiert die Verbraucherorganisation Foodwatch. In einem Corny Müsliriegel steckten keine Zutaten, die den Slogan rechtfertigten - Schwartau begehe Verbrauchertäuschung. Das Unternehmen weist den Vorwurf zurück.


Berlin - Foodwatch macht Front gegen Schwartau: Die Verbraucherorganisation fordert den Konfitürenhersteller zum Stopp seiner Werbung für den Müsliriegel Corny Schoko auf. Diese sei irreführend, heißt es zur Begründung.

Corny-Müsliriegel: "Klebrige Industrie-Süßigkeit"

Corny-Müsliriegel: "Klebrige Industrie-Süßigkeit"

Das Produkt biete keineswegs "das Beste aus dem Korn" oder liefere "leckere Energie und Kraft für den Tag", sondern sei eine "klebrige, hochgradig verarbeitete Industrie-Süßigkeit", kritisierte Foodwatch am Donnerstag. Der Riegel bestehe nur zu zehn Prozent aus Getreideflocken, dafür aber zu einem Drittel aus Zucker. Weitere Zutaten sind demnach gepresste Mehlbällchen in Körnerform, pflanzliches Fett und Aromen.

Die falsche Produktabbildung auf der Verpackung stehe in Widerspruch zum Täuschungsverbot des deutschen Lebensmittelrechts, kritisierte Foodwatch weiter. Von den zahlreichen auf der Packung abgebildeten Getreideflocken finde sich nur ein Bruchteil im eigentlichen Produkt. Mit 439 Kalorien pro 100 Gramm habe der Riegel nur 53 Kalorien weniger als der Schokoriegel Twix. Eine "gesündere Alternative zu Schokoriegeln", wie von Schwartau angepriesen, sei Corny Schoko nicht.

Schwartau betreibe "massive Verbrauchertäuschung", sagte Foodwatch-Sprecher Martin Rücker. Er forderte das Unternehmen auf, künftig eine realistische Abbildung der Süßigkeit auf der Verpackung zu zeigen.

Schwartau teilte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, man könne "die einseitige Bewertung von Foodwatch nicht teilen". Corny enthalte "wertvolle Zutaten". Das Unternehmen habe Foodwatch "sehr detailliert" über das Produkt informiert, man sei "sehr an einer Transparenz" für die Verbraucher interessiert. Auf den Corny-Produktverpackungen und auf der Schwartau-Webseite seien daher "alle Zutaten" aufgelistet. Die Zutatenliste enthalte auch "die Mengenangaben von den wesentlichen wertgebenden Inhaltsstoffen".

Die Verbraucherorganisation Foodwatch wendet sich derzeit mit einer größeren Kampagne gegen irreführende Werbepraktiken von Lebensmittelherstellern. Dazu stellt Foodwatch auf ihrer Internetseite regelmäßig Produkte vor, die nach ihren Angaben nicht halten, was sie versprechen.

In den letzten Monaten haben Verbraucherschützer immer wieder das Verhalten von Lebensmittelherstellern kritisiert, da in ihren Produkten immer wieder nicht das drin ist, was auf der Verpackung versprochen wird. So wird im Einzelhandel beispielsweise Gebäck als Schokoladenkeks verkauft, obwohl keine Schokolade drin ist. Oder Käse, der nicht aus Milch, sondern aus Pflanzenfetten besteht. Und auch ein Bio-Erfrischungsgetränk enthält Aromamittel statt Fruchtsaft - obwohl auf der Verpackung Obst abgebildet ist.

ssu/AFP



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