Crommes Abrechnung "Bei einigen Topmanagern kommen einem schon Zweifel"

Siemens-Chefaufseher Gerhard Cromme übt erstaunlich harte Kritik an Managern des Konzerns. Im Interview mit dem SPIEGEL rügt er, einige hätten sich angesichts der Korruptionsaffäre unangemessen verhalten. Voll des Lobes ist er dagegen über den neuen Konzernchef Peter Löscher.


Hamburg - Löscher verfügt nach Crommes Ansicht über bessere Voraussetzungen, den Milliardenkonzern erfolgreich zu führen, als die meisten seiner Vorgänger. "Kein anderer ist prädestiniert wie er, diese Aufgabe wahrzunehmen", sagte Cromme im Gespräch mit dem SPIEGEL.

Cromme, Löscher: "Die amerikanischen Behörden nicht reizen"
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Cromme, Löscher: "Die amerikanischen Behörden nicht reizen"

Schon Anfang Mai habe ihn der Siemens-Aufsichtsrat Walter Kröll gefragt, ob er Peter Löscher kenne. "Ich habe mich dann mit Peter Löscher getroffen, und nach zwei, drei Stunden war ich auf Anhieb überzeugt: Er ist derjenige, den wir suchen."

Der Chefposten war frei geworden, nachdem der bisherige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld "den Arbeitnehmern und uns" mitgeteilt habe, er stehe für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung. Zuvor hatten Cromme und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Kleinfeld gebeten, die Vertragsverlängerung zu verschieben.

Die amerikanischen Anwälte, die Siemens zur Aufklärung der Affäre um Schmiergeldzahlungen und Schwarze Kassen ins Haus geholt hatte, hätten zwar keinerlei Hinweise auf "smoking guns" gefunden, wonach sich Kleinfeld gesetzwidrig verhalten habe. "Aber niemand weiß, was in den nächsten Monaten noch hochkommt."

Die Anwälte hätten deshalb geraten, die Vertragsverlängerung so lange wie möglich aufzuschieben. Von der amerikanischen Börsenaufsicht SEC drohen Siemens wegen der Schmiergeldaffäre drastische Strafen. "Wir wissen aus allen Erfahrungen, dass die Verantwortlichen sehr klug beraten sind, die amerikanischen Behörden nicht zu reizen."

Ende der Untersuchungen nicht absehbar

Heftige Kritik übt der Chefkontrolleur an den Topmanagern des Konzerns. "Bei einigen Topmanagern kommen einem schon Zweifel, ob sie ihrer Führungsverantwortung gerecht geworden sind", rügt er. Auch ein Mitglied des Siemens-Vorstands habe offenbar mehr über die schwelende Korruptionsaffäre in der Kommunikationssparte gewusst als dem zuständigen Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats mitgeteilt wurde, den Cromme leitet.

Der Siemens-Chefaufseher deutete im SPIEGEL-Interview zudem an, dass sich der Konzern demnächst wohl vom ehemaligen Leiter der hausinternen Anti-Korruptionsabteilung trennen werde. Zuvor müssten allerdings noch juristische Fragen geklärt werden.

Nach Aussagen Crommes ist ein Ende der Untersuchungen vorerst nicht absehbar. "Wir müssen Siemens wieder in ruhiges Fahrwasser bringen. Das ist eine nationale Aufgabe", betont Cromme. Deshalb wolle er seine Aufgabe als Aufsichtsratschef auch über die Hauptversammlung Ende Januar nächsten Jahres hinaus "mit aller Kraft erfüllen".

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Forum - Siemens - mit neuem Chef aus der Krise?
insgesamt 157 Beiträge
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Emil Peisker 20.05.2007
1. Kann er?
Zitat von sysopPeter Löscher wird neuer Vorstandsvorsitzender von Siemens. Kann er den Konzern aus den negativen Schlagzeilen holen?
Er muss!
zaphod1965 20.05.2007
2.
Zitat von sysopPeter Löscher wird neuer Vorstandsvorsitzender von Siemens. Kann er den Konzern aus den negativen Schlagzeilen holen?
Siemens wird, neuer Vorstand hin oder her, noch lange in den Schlagzeilen bleiben. Das volle Ausmaß des Skandals ist ja immer noch nicht bekannt. Mittlerweile sind wir bei der ersten Milliarde Euro Bestechungsgelder angekommen. Hoffentlich zahlen diesmal die Aktionäre und Manager die Zeche und nicht die Angestellten. Herrn Löscher ist zunächst einmal Respekt zu zollen, in dieser Situation die Leitung dieser Skandalruine zu übernehmen. Siemens stehen harte Zeiten bevor. Mal sehen, ob ihm etwas intelligenteres Einfällt, als erst einmal tausende von Leuten zu entlassen.
DJ Doena 20.05.2007
3.
Zitat von sysopPeter Löscher wird neuer Vorstandsvorsitzender von Siemens. Kann er den Konzern aus den negativen Schlagzeilen holen?
Nie gehört den Namen und ich arbeite für Siemens, wenn auch nicht für Siemens.
eval, 20.05.2007
4.
Zitat von sysopPeter Löscher wird neuer Vorstandsvorsitzender von Siemens. Kann er den Konzern aus den negativen Schlagzeilen holen?
Ja, der kann Siemens wieder aufrichten. Hoffentlich nicht zu lasten der Belegschaft.. Eine Chance hat er verdient.
hans hoch, 20.05.2007
5. bilanz in 2 jahren
Zitat von zaphod1965Siemens wird, neuer Vorstand hin oder her, noch lange in den Schlagzeilen bleiben. Das volle Ausmaß des Skandals ist ja immer noch nicht bekannt. Mittlerweile sind wir bei der ersten Milliarde Euro Bestechungsgelder angekommen. Hoffentlich zahlen diesmal die Aktionäre und Manager die Zeche und nicht die Angestellten. Herrn Löscher ist zunächst einmal Respekt zu zollen, in dieser Situation die Leitung dieser Skandalruine zu übernehmen. Siemens stehen harte Zeiten bevor. Mal sehen, ob ihm etwas intelligenteres Einfällt, als erst einmal tausende von Leuten zu entlassen.
sämtliche bisher angestrengten prozesse im zusammenhang mit den schmiergeldern sind auch aus juristischer sicht mit vielen fragezeichen versehen.da ist das letzte wort noch nicht gesprochen. 1.ich glaube bis 1999 war diese praxis legal und sogar steuerlich absetztbar. 2.was im ausland gemacht wird,ist etwas anderes als innerhalb deutschland. 3.staatanwälte im mannesmann-prozess haben einen deal angeboten,weil ihnen der überblick verloren ging. 4.die juristen schaden auch hier der deutschen exportwirtschaft enorm.letztlich lebt das deutsche gemeinwesen von solchen unternehmen, nicht von beamten,bäckern,steuerberatern,ärtzten etc-die konkurrenz reibt sich die hände. 5. siemens wird auch dies überstehen. 6.vielleicht läßt sich herr löscher ja nicht von den hofschranzen am wittelbacher platz einnehmen,dafür wünsche ich ihm jedenfalls viel glück.
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