Damals, im Valley Als Bill Gates noch Maccie war

Wer im Internet fischen geht, kann eine alte Apple-Werbebroschüre aus dem Jahr 1984 auf die Platte ziehen. Darin preist der milchgesichtige Vorstandschef einer zweitklassigen Software-Butze namens Microsoft den Macintosh als den besten Rechner aller Zeiten.

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Apple-Anzeige von 1984 mit Bill Gates (Microsoft), Mitch Kapor (Lotus) und Fred Gibbons (Software Publishing Corporation): Klicken Sie auf das Bild, um die vollständige Anzeigenseite zu sehen
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Apple-Anzeige von 1984 mit Bill Gates (Microsoft), Mitch Kapor (Lotus) und Fred Gibbons (Software Publishing Corporation): Klicken Sie auf das Bild, um die vollständige Anzeigenseite zu sehen

Hamburg - Bill Gates, Chairman und CEO des Softwareanbieters Microsoft Chart zeigen war voll des Lobes: "Um einen neuen Standard zu schaffen braucht man etwas, das nicht nur ein wenig anders ist. Man benötigt etwas, das wirklich neu ist und die Vorstellungen der Menschen einfängt. Macintosh erreicht diesen Standard."

Der amerikanischen Zeitschrift "Newsweek" lag im Jahr 1984 ein 16-seitiger Prospekt bei, der dazu gedacht war, das Computersystem Macintosh einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Als Computerexperten, die auf Seite 10 verkündeten, was für ein einfach zu bedienender, intuitiver Rechner der Mac ist, traten drei Software-Experten auf: Mitch Kapor, der Chef von Lotus. Fred Gibbons, der Präsident der Software Publishing Corporation. Und der schon genannte Herr Gates, 29 und seit zehn Jahren bei Microsoft Chart zeigen.

Deckblatt der Apple-Anzeige 1984
Apple

Deckblatt der Apple-Anzeige 1984

Zwei der drei Mac-Musketiere sind heute nur noch obskure Figuren einer längst vergangenen Ära. Gibbons kennt heute kaum noch jemand, die von seiner Firma hergestellte Textverarbeitung Professional Write und seine Datenbanksoftware sind vom Markt verschwunden. Mitch Kapor war 1984 ebenfalls eine ziemlich große Nummer - seine Tabellenkalkulation Lotus 1-2-3 war ein Riesenrenner. Auch dieses Produkt ist von Microsofts Office-Anwendungen weitgehend platt gemacht worden.

Mac Mac Hurra!

Alle drei hatten gute Gründe den Mac toll zu finden, denn ihre Unternehmen produzierten schließlich Software für "Industriestandard" (Apple Prospekt). Gates hatte es zwar bereits 1980 geschafft, dem Computerriesen IBM Chart zeigen ein schmal programmiertes Rumpf-Betriebssystem namens MS-Dos anzudrehen. Dennoch war Apple Chart zeigen immer noch einer von Gates wichtigsten Kunden. Für den Mac bot Microsoft Programme wie Word, Chart oder Multiplan an.

Außerdem fanden Gates, Kapor und Gibbons den Mac vermutlich wirklich toll. Denn die graphische Benutzeroberfläche des Macs war DOS und den meisten anderen Betriebssystemen unter ergonomischen und funktionalen Gesichtspunkten ähnlich überlegen wie ein AEG Öko-Lavamat einem Waschbrett. Zu dem Zeitpunkt, als Gates den Macintosh in Apples Anzeigenkampagne über den grünen Klee lobte, frickelten seine Leute bereits an einer graphischen Benutzeroberfläche für IBMs Rechner - dem Windows, das ab 1985 den Mac langsam aber sicher in eine Nische verbannen sollte. Damit ist es Apple zumindest bedeutend besser ergangen als den beiden Herren auf dem Bild, deren Firmen nicht mehr eigenständig - beziehungsweise überhaupt nicht mehr - sind.

Alte Apple-Rechner
GMS

Alte Apple-Rechner

In gewisser Weise hat Gates wohl nach wie vor ein stilles Faible für Apple. Das zeigt sich darin, dass er vor einigen Jahren eine Millionensumme in den damals krisengeschüttelten Softwarehersteller investiert hat (böse Zungen behaupten, er habe das nur getan, damit ihm der letzte Wettbewerber nicht auch noch wegstirbt). Zudem verdient Gates derzeit ganz prächtig an der Mac-Version von Microsofts Office-Paket. So etwas wärmt das Herz und erzeugt positive Gefühle.

Ob er das Macintosh-Polohemd noch besitzt, das er auf dem Foto trägt? Vielleicht zieht er es ja manchmal heimlich an.

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