Gründungsförderung Damit niemals das Licht ausgeht

Mit seiner Steckdose für unterwegs tut Jürgen Zinecker nicht nur Outdoor-Fans einen Gefallen, sondern bringt Strom auch in Flüchtlingscamps und Entwicklungsländer.

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KfW Bankengruppe / Frank Blümler

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Camping-Fans wissen: Es kann ungemütlich werden, wenn im einsamen Nationalpark das letzte Licht erlischt. Jürgen Zinecker möchte das mit seiner mobilen Steckdose ändern. Arvey liefert und speichert Strom unterwegs - mit der Kraft der Sonne. Das Gerät aus Stahl und Aluminium ist so groß wie zwei Schuhkartons, die dazugehörige Kunststoffplatte mit Solarzellen erinnert an eine Yogamatte. Sie haftet magnetisch auf dem Autodach und kann mithilfe der Sonnenstrahlung 50 Watt erzeugen. Da die Steckdose mehrere Zugänge hat, kann ein Mobiltelefon hier laden, während gleichzeitig eine Bohrmaschine läuft.

Doch was passiert, wenn einmal keine Sonne scheint? "Das Besondere an Arvey ist, dass es einen großen Speicher gibt", erklärt Zinecker. Ein oder mehrere Panele erzeugen Strom in großer Menge. Alles, was vom Solarpanel kommt, wird direkt abgegeben, der Überschuss im Gerät gespeichert. Reicht die Energie für den Betrieb nicht aus, gibt der Speicher die Fehlmenge hinzu. Und wie bei einer großen Powerbank überbrückt das Depot die Zeit ohne direkte Energieerzeugung.

Arvey ist das erste Produkt von Axsol, der Firma, die Zinecker 2012 in Würzburg gründete, um neue Technologien im Sektor Erneuerbare Energien zur Marktreife bringen. Die Idee zu Arvey kam Zinecker während der Ebola-Krise in Westafrika. Ein Freund beliefert zu dieser Zeit Hilfsorganisationen mit Druckluftbehältern zur Desinfektion, sogenannten Autoklaven. Er berichtet Zinecker von den Schwierigkeiten vor Ort: Im Stromnetz gibt es immer wieder Ausfälle von wenigen Sekunden. Dadurch schalten sich die Autoklaven ab und medizinische Geräte können nicht mehr sterilisiert werden.

Jürgen Zinecker macht sich auf die Suche nach Alternativen und stellt fest: Es gibt keine. Er beginnt zu experimentieren, mit dem Ziel ein Gerät konzipieren, das eine eigene, konstante Stromzufuhr mit Hilfe von Fotovoltaik liefert, also die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie ermöglicht. Nach ersten Erfolgen konzentriert er sich auf die Weiterentwicklung des Systems. Für ein marktfähiges Produkt musste der Prototyp zunächst sehr viel kleiner und leichter werden. Um wie viel genau, erfährt Jürgen Zinecker vom OBI-Chefeinkäufer: "Rund zehn Kilo darf es höchstens wiegen, damit man es aus einem Regal heben kann. Außerdem soll es in den Einkaufswagen passen und 80 Prozent aller Geräte, die in einem Baumarkt zu kaufen sind, betreiben können".

Diese Herausforderung spornt den Gründer an, doch er muss zahlreiche Rückschläge einstecken. In ganz Deutschland sucht er nach den geeigneten Batterien. Erst im Ausland wird er fündig und konfiguriert das Material für seine Zwecke. Da die Solarpanele eine große Menge Strom erzeugen sollen, muss auch die Technik im Innenleben von Arvey entsprechend stabil sein. Die Dicke der Kabel, die Systemspannung, die Batteriechemie - das Zusammenspiel und die Konfiguration dieser Komponenten ist anspruchsvoll. Auch muss alles nach deutschen Normen zertifiziert sein. Ein sinnvolles, aber teures Verfahren, das bei jeder Änderung wiederholt werden muss, zum Beispiel beim Einbau einer leistungsfähigeren Spule.

Als Gründer brauchte Jürgen Zinecker einen ebenso langen Atem wie als Tüftler: "Es ist schwer, Innovationen zu finanzieren, die nicht digital sind. Da fehlt in unserer Kultur auch ein wenig die Bereitschaft zum Risiko. Es gibt jede Menge Regeln und wer scheitert, verliert oft alles. Ich habe bestimmt mit hundert Interessenten gesprochen, die meiner Erfindung großes Potenzial bescheinigt haben. Aber die Finanzierung auf die Füße zu stellen, hat genauso lange gedauert wie die Entwicklung des Geräts."

Heute beliefert Axsol Entwicklungsländer mit dem kleinen Bruder von Arvey. Diese Version nutzt als Speicher eine Autobatterie, da sie vor Ort leichter zu beschaffen ist. Der Solargenerator liefert in Flüchtlingscamps Strom, in Äthiopien und Indien hilft er den Menschen beim Aufbau von Mikro-Businesses. Das Interesse humanitärer Hilfsorganisationen an dem Produkt ist groß. Arvey kann für Licht bei Bergungsarbeiten in Katastrophengebieten sorgen, Blutkonserven kühl halten und die Akkus der Funkgeräte aufladen. Zudem ist das System mit rund 2.400 Euro inklusive Solarpanel vergleichsweise günstig.

Für den Gründer ist damit schon jetzt ein Teil seiner Vision wahr geworden. Er ist überzeugt, dass seine Erfindung in Zukunft selbstverständlicher Bestandteil der Energiegewinnung sein wird, sei es beim Camping, auf unzugänglichen Baustellen - oder eben um dabei zu helfen, die Lebensbedingungen in ärmeren Ländern zu verbessern.

KfW Gründerpreis

Jürgen Zinecker wurde für seine Idee mit dem KfW Award Gründen 2017 ausgezeichnet. Seit 1998 zeichnet die KfW Bankengruppe Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihrer Geschäftstätigkeit mit dem KfW Award Gründen aus. Für den renommierten Preis können sich Start-ups aller Branchen bewerben, die ihren Sitz in Deutschland haben.

Die KfW fördert

Wer in Deutschland gründen möchte erhält mit dem ERP-Gründerkredit – StartGeld bis zu 100.000 Euro Kredit, um ein Unternehmen einzurichten und zu betreiben. Das Besondere: Da die KfW 80% des Kreditausfallrisikos von Ihrer Bank übernimmt, erhalten Sie den Kredit in der Regel umso leichter.

Mit dem ERP-Gründerkredit – Universell fördert die KfW alle Formen der Existenzgründung in Deutschland oder im Ausland, auch im Nebenerwerb oder eine erneute Gründung. Sie erhalten bis zu 25 Mio. Euro Kredit, um ein Unternehmen einzurichten oder zu übernehmen und innerhalb der ersten 5 Jahre zu festigen.

Alle Informationen zur KfW Gründungsförderung finden sie unter: http://www.Kfw.de/gruenden


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