Datenaffäre Bahn-Aufsichtsräte drohen Mehdorn mit Schadensersatzklage

Die Bahn wird womöglich Forderungen gegen ihren Ex-Chef Mehdorn erheben. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es im Aufsichtsrat entsprechende Überlegungen wegen der Datenaffäre. Als Vorbild gelten Siemens und die Telekom - beide Konzerne verlangen von Ex-Managern Schadensersatz.


Hamburg - Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn droht neues Ungemach. Im Aufsichtsrat der Bahn gibt es nach SPIEGEL-Informationen Überlegungen, die für die Datenaffäre Verantwortlichen im Vorstand für eventuell entstandene Schäden persönlich haften zu lassen.

Ex-Bahn-Chef Mehdorn: Werden Abfindungen und Boni zurückgefordert?
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Ex-Bahn-Chef Mehdorn: Werden Abfindungen und Boni zurückgefordert?

Sollten sich die Vorwürfe gegen das Management weiter konkretisieren, wäre es durchaus möglich, dass die Bahn ähnlich wie Siemens oder die Deutsche Telekom aus aktienrechtlichen Gründen Schadensersatzforderungen gegen verantwortliche Vorstände stellen muss. Möglich wäre auch, dass im Laufe des weiteren Verfahrens Abfindungen oder Boni-Zahlungen zurückgefordert werden müssten.

Die Telekom Chart zeigen fordert aktuell Millionenbeträge von ihrem Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und von ihrem Ex-Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke. Grund ist die Spitzelaffäre bei dem ehemaligen Staatskonzern. Auch der Industriekonzern Siemens Chart zeigen hat im Zusammenhang mit seiner Schmiergeldaffäre Schadensersatz von verantwortlichen Managern verlangt.

Bei der Bahn gibt es darüber hinaus einen neuen Fall von Bespitzelung. Nach SPIEGEL-Informationen soll über Jahre hinweg das Personal in den Zugrestaurants ausspioniert worden sein. Die Bahn suchte dafür schon im Jahr 2003 übers Arbeitsamt eigens "Detektive".

Die Angeworbenen bekamen anschließend Ein-Jahres-Verträge, offiziell getarnt als "Sachbearbeiter". In Wahrheit sollte die rund ein Dutzend Personen starke Truppe in den Bordrestaurants schwarze Schafe unter den Gastro-Mitarbeitern der Bahn ausfindig machen.

Sie notierten unauffällig die Reihenfolge der verkauften Waren, die später mit den Bons in der Bordkasse abgeglichen wurden. Auch in den Warenlagern der Bahn, etwa in Hamburg, sollen die Detektive aktiv gewesen sein.

Der Chef der Gewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner, fordert im SPIEGEL nun strukturelle Konsequenzen aus der Datenaffäre. Die Bereiche Sicherheit und Revision dürften nicht wie bisher unkontrolliert und womöglich gegeneinander arbeiten.

Es müsste eine klare Aufteilung geben, wer wofür verantwortlich sei. Dem Compliance-Ausschuss müssten dann "bereits im Vorfeld Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung abgestimmt und dem Ausschuss Zwischen- und Endergebnis der Ermittlungen präsentiert werden". Zudem fordert der Gewerkschaftschef, das Thema Transparenz und Datenschutz in der Bahn aufzuwerten: "Es muss ja kein eigenes Vorstandsressort her, aber es muss im Vorstand verankert werden."



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