Datenaffäre Mehdorn bittet Mitarbeiter um Entschuldigung

Der Bahn-Chef gibt nach: Hartmut Mehdorn hat seine Beschäftigten wegen der Datenaffäre um Entschuldigung gebeten. Einem Pressebericht zufolge soll er bis zur Bundestagswahl im Amt bleiben - vorausgesetzt, es gibt keine neuen Pannen.


Frankfurt am Main - Der Vorstand bedauere, dass es bei den Mitarbeiterüberprüfungen zu Verstößen gekommen sei und dass keine Gremien der Arbeitnehmervertretungen informiert gewesen seien, sagte Mehdorn nach Teilnehmerangaben in einer Sitzung des Konzernbetriebsrats am Freitag in Frankfurt. Der Vorstand "entschuldigt sich dafür bei seinen Mitarbeitern".

Bahn-Chef Mehdorn: Bedauern über die Datenaffäre
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Bahn-Chef Mehdorn: Bedauern über die Datenaffäre

Damit kam der Bahn-Chef der Forderung der Gewerkschaften nach. Transnet, GDBA und GDL hatten Mehdorn mehrfach eindringlich aufgefordert, sich für den umstrittenen Massenabgleich von Mitarbeiterdaten zu entschuldigen. Bis Dienstag müsse der Aufsichtsrat im vollen Umfang über die Affäre informiert werden, hatten sie ihm als Frist gesetzt. In einem Schreiben an alle Mitarbeiter hatte Mehdorn bereits Fehler eingeräumt. Dies hatten die Gewerkschaften als nicht ausreichend bezeichnet.

Die Bahn hatte eingeräumt, in den Jahren 2003 und 2005 mindestens 173.000 Mitarbeiter auf Korruptionsverdacht überprüft zu haben. Dies geschah mit einem Abgleich von Mitarbeiterdaten wie Wohnadressen, Telefonnummern und Bankverbindungen mit jenen von 80.000 Firmen, die Auftragnehmer der Bahn waren. Damit betraut wurde die Firma Network Deutschland, die auch schon im Zentrum des Datenskandals bei der Deutschen Telekom stand.

Der Konzernbetriebsrat der Bahn erklärte in Anschluss an die Sitzung, dass die Entschuldigung akzeptiert werde. "Die Entschuldigung reicht", sagte der stellvertretende Vorsitzende Jens Schwarz. Ein Rücktritt Mehdorns werde nicht gefordert. Zugleich verlange der Betriebsrat aber "eine lückenlose Aufklärung". Erst wenn das erfolgt sei, könne man die Entschuldigung abschließend beurteilen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber sei durch die Mitarbeiterkontrollen der Bahn "empfindlich geschädigt".

Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge erhält Mehdorn eine Schonfrist - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller haben sich demnach darauf verständigt, dass Mehdorn vor der Bundestagswahl nicht zurücktreten soll. Zuvor war über einen Rücktritt und über mögliche Nachfolger für den Posten des Bahn-Chefs spekuliert worden.

Der "Bild" zufolge sei aber Voraussetzung für einen Verbleib Mehdorns im Amt, dass sich die Datenaffäre nicht weiter verschärfe. Nach der Bundestagswahl solle Mehdorn dann ein "eleganter Abgang" ermöglicht werden, zitiert das Blatt Aufsichtsratskreise. Zur weiteren Aufklärung der Datenaffäre muss der Bahnvorstand am Mittwoch vor dem Bundestagsverkehrsausschuss einen Katalog mit 119 Fragen beantworten. Die Bahn will nach eigenen Angaben Anfang kommender Woche einen ausführlichen Bericht vorlegen.

kaz/dpa

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