Datenaffäre Mehdorn wirft Bahn-Aufklärern Befangenheit vor

Hartmut Mehdorn wehrt sich gegen die externe Kontrolle seines Unternehmens: Laut einem Pressebericht hält er die mit der Aufklärung der Datenaffäre beauftragten Ex-Minister Däubler-Gmelin und Baum für befangen. In einem Brief an den Aufsichtsrat wirft er den beiden mangelnde Professionalität vor.


Berlin - Herta Däubler-Gmelin und Gerhart Baum sollen die Datenaffäre bei der Bahn aufklären, doch dem Konzernchef passen die beiden Ex-Minister nicht. Laut "Handelsblatt" hat sich Hartmut Mehdorn in einer Mitteilung an Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller beschwert: Man müsse an der Professionalität der Kontrolleure zweifeln, heißt es darin. Außerdem wirft Mehdorn den beiden Befangenheit vor.

Bahn-Aufklärer Baum: "Unterstellungen ohne Grundlage"
AP

Bahn-Aufklärer Baum: "Unterstellungen ohne Grundlage"

Däubler-Gmelin und Baum waren vom Aufsichtsrat mit der Aufklärung des Datenschutzskandals beauftragt worden, bei dem Hunderttausende von Mitarbeitern überprüft wurden. Die Bahn war am Dienstagabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das "Handelsblatt" schreibt, Mehdorn beschwere sich in dem achtseitigen Schreiben, das der Zeitung vorliege, die ehemalige Bundesjustizministerin Däubler-Gmelin und der ehemalige Bundesinnenminister Baum erweckten den Eindruck der Befangenheit und ließen sich offenbar von sachfremden Erwägungen leiten. Es stelle sich die Frage, ob die Voraussetzungen für eine unvoreingenommene und den Grundsätzen der Fairness und Objektivität entsprechende Untersuchung überhaupt erfüllt seien.

Baum wies Mehdorns Vorwürfe zurück. Diese Unterstellungen haben keine Grundlage, sagte er dem "Handelsblatt" auf Anfrage. Er kenne den Brief, könne aber nicht nachvollziehen, wie Mehdorn zu seinen Aussagen komme.

Zeitgleich mit Mehdorn verschärft auch Aufsichtsratschef Müller den Kurs gegenüber den politischen Aufklärungsbestrebungen. So wird Müller der Einladung des Verkehrsausschusses, am 18. März zum Thema Stellung zu nehmen, nicht folgen. Dies habe er dem Ausschuss mitgeteilt, bestätigte Müller dem "Handelsblatt". Schon die Befragung von Bahn-Chef Mehdorn vor dem Ausschuss am 4. März sei eine reine Inszenierung gewesen.

Müller wolle gemeinsam mit Mehdorn alle Ermittler auf klare Verhaltensregeln für die Zusammenarbeit verpflichten, schreibt die Zeitung weiter. Der Aufsichtsratschef habe den Compliance-Ausschuss für diesen Samstag nach Essen eingeladen. Nach Informationen des "Handelsblatts" sind mehr als 60 Anwälte und Wirtschaftsprüfer aus mindestens vier verschiedenen Büros an der Aufklärung des Bahn-Skandals beteiligt. Allein das Auftragsvolumen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG belaufe sich nach Angaben aus Bahn-Kreisen auf fünf Millionen Euro.

wal/dpa-AFX/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.