Datenaffäre Post speicherte Krankendaten von Mitarbeitern

Erst Lidl, jetzt die Post. Der Logistikkonzern hat nach SPIEGEL-Informationen an einigen Standorten Krankenakten über Mitarbeiter geführt. Darin vermerkten die Verantwortlichen intimste Details über den Gesundheitszustand der Angestellten.


Hamburg - Schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Post Chart zeigen: Über Jahre hinweg hat der Konzern in einigen großen Briefniederlassungen elektronische Krankenakten von Mitarbeitern geführt. Dies geht aus Unterlagen hervor, die dem SPIEGEL vorliegen.

Briefzentrum der Post: Beschreibungen von psychischen Erkrankungen
ddp

Briefzentrum der Post: Beschreibungen von psychischen Erkrankungen

Danach wurden selbst intimste Krankheitsdetails über die Mitarbeiter auf den Post-Computern gespeichert. Neben genauen Beschreibungen von psychischen Erkrankungen wie Depressionen finden sich Zustandsbeschreibungen von Mitarbeitern mit schweren Herzerkrankungen oder auch von Angestellten mit Darminfekten.

Verbunden sind die Krankheitsdaten und -beschreibungen häufig mit klaren Handlungsempfehlungen. So heißt es in den Akten etwa, dass in Gesprächen auf die Patienten eingewirkt werden soll, in Vorruhestandsregelungen einzuwilligen oder ihr Tätigkeitsfeld im Unternehmen zu wechseln.

Die Deutsche Post AG räumt ein, dass solche Akten geführt wurden und dass damit in eklatanter Form gegen geltende Datenschutzbestimmungen verstoßen wurde. Allerdings, so Personalvorstand Walter Scheuerle, sei dies nach Kenntnis des Unternehmens nur in zwei Briefzentren der Fall gewesen.

Bereits im vergangenen Jahr sei die Post durch interne Untersuchungen auf die Vorkommnisse gestoßen und habe sofort alle notwendigen organisatorischen und personellen Konsequenzen gezogen.

Man habe alles getan, um eine Wiederholung auszuschließen. Trotzdem, heißt es bei der zuständigen Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, müsse der Vorgang nun "rigoros aufgeklärt" werden.

Der Fall ähnelt jener Datenaffäre, die Anfang April den Discounter Lidl erschütterte. Der SPIEGEL hatte aufgedeckt, dass der Handelskonzern die Krankheiten von Mitarbeitern in firmeninternen Unterlagen festgehalten hat - obwohl das arbeitsrechtlich bedenklich ist. Datenschützer hatten empört reagiert und den Vorgang überprüft.

suc



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Hartmut Dresia, 25.04.2009
1.
Zitat von sysopViele Unternehmen gehen in Sachen Datenschutz rüde mit ihren Mitarbeitern um. Bespitzelungen und Überwachungen scheinen oft an der Tagesordnung zu sein. Sind Arbeitnehmer solchen Methoden schutzlos ausgeliefert?
Nach der Vielzahl der Skandale der letzten Zeit, ist eine Reform des Betriebsverfassungsgesetzes geboten, damit die Schutzrechte für Arbeitnehmer gestärkt werden. Hierbei muss auch geprüft werden, welche Übergriffe von Betriebsleitungen zukünftig strafrechtlich zu verfolgen sind. Ob allerdings das aktuelle Parlament den Mut dazu aufbringt? Heiner Flassbeck: Gescheitert - Warum die Politik vor der Wirtschaft kapituliert (http://www.plantor.de/2009/gescheitert-warum-die-politik-vor-der-wirtschaft-kapituliert/)
Homanx 25.04.2009
2.
Zitat von sysopViele Unternehmen gehen in Sachen Datenschutz rüde mit ihren Mitarbeitern um. Bespitzelungen und Überwachungen scheinen oft an der Tagesordnung zu sein. Sind Arbeitnehmer solchen Methoden schutzlos ausgeliefert?
Nicht nur Arbeitnehmer! Alle sind schutzlos!!! Wer das nicht erkannt hat, ist einfach weltfremd......
roflem 25.04.2009
3.
Zitat von sysopViele Unternehmen gehen in Sachen Datenschutz rüde mit ihren Mitarbeitern um. Bespitzelungen und Überwachungen scheinen oft an der Tagesordnung zu sein. Sind Arbeitnehmer solchen Methoden schutzlos ausgeliefert?
Das ganze basiert meiner Meinung nach auf den ehem. Stasi Mitarbeitern, die arbeitslos geworden, sich in der Privatdetektei Industrie angesiedelt haben und ihre "Fähigkeiten" wie Sauerbier anbieten. Nur so ist zu erklären, dass zum Teil berechtigte Überwachungsaufgaben in Stasi-ähnliche Verhaltensmuster ausufern, bei denen Mitarbeiter so tiefgreifend bespitzelt werden, dass am Ende Protokolle wie " M. spuckt nach rechts auf die Strasse, spricht mit dem Gemüsehändler" etc., auftauchen. Wer als Arbeitgeber seine Mitarbeiter bespitzeln will, soll sie einfach darüber informieren und entsprechenden Wisch unterzeichnen lassen basta!
hanjin2 26.04.2009
4.
Ich habs an anderer Stelle schon mal gepostet. Hier nochmal: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/729912?inPopup=true Interessant ist auch wie wir von unseren Volksvertretern vertreten werden. Ab der 28. Minute.
daten-terrier 26.04.2009
5.
Volle Zustimmung. Da spricht nämlich der Praktiker und praktisch selbst Betroffene. Wie man nachlesen kann, bin auch ich gewiss kein Freund unserer Staatsschnüffler, unserer ausweitenden Finanzamts-Stasi-Methoden und z.B. der personenbezogenen und nicht anonymisierten Daten-Schnüffelei des Staates auf unseren Bankkonten. Aber im selben Atemzug wurde momentan von den Medien der anonymisierte Kontenabgleich von Lieferantenkonten mit Angestelltenkonten als Stasi-Schnüffelei aufgebauscht. Obwohl diese anonymisierte Kontrollaktion zur möglichen Korruptionsbekämpfung niemandem schadet, im Gegensatz zu den kafkaesken Finanzamtsmethoden, wurde hier von verblendeten Journalisten bewusst die falsche Sau durchs Dorf getrieben. Sie wollten mit diesem kleine-Leute-Populismus Volkszorn erzeugen, um die Auflage zu steigern. Defakto lenken sie damit von von den in Wirklichkeit ausufernden personenbezogenen Schnüffelmethoden des Staates ab. Und nach wie vor, kann Jedermann von Jedermann mit der einfachen Meldeauskunft sämtliche aktuellen und bisherigen Meldeadressen erfahren. Und Wirtschaftsunternehmen erhalten die Adressen gleich in riesigen Paketen, online, gegen Gebühr natürlich, vom Datenhehler Staat in Persona der Kommunen. Allein Bochum brachte diese Adressenhehlerei einige Hunderttausend Euro ein. Diese Einnahmequelle will man nicht verschliessen. Datenschutz hin oder her. So verscherbelt der Staat weiter unsere Adressen an zahlungswillige Interessenten. Und Zypries und Schäuble lassen den Bundesdatenschutzzwerg dabei ins Leere laufen und freuen sich über die überbordende Hysterie, weil Mehdorn mal ein paar anonymisierte Kontennummern hat abgleichen lassen. Das nenn ich Kunst des Ablenkungskrieges! Ich sehe schon einen gewaltigen Unterschied darin, ob ein Finanzbeamter meine gesamten privaten Geldbewegungen durchschnüffeln kann und ob die Stadt meine Adresse für 3,58 Euro an einen Stalker verkauft, oder ob Herr Mehdorn nur Nummer meines Gehaltskontos anonym mit den Konten aus seiner Einkaufsabteilung vergleichen lässt. Man wollte Mehdorn weghaben, Schäuble und Zypries behalten und zur Wahl etwas Unternehmensfeindliche Datenschutz-Hysterie erzeugen, um von den Staatsschnüfflern abzulenken.
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