Datenaffäre SPD-Politiker spricht von 44 Spähprojekten bei der Bahn

Die Datenaffäre bei der Bahn hat offenbar ein noch größeres Ausmaß als bisher bekannt. Über die Fälle in den Jahren 2002, 2003 und 2005 hinaus gab es im Konzern nach Angaben des SPD-Verkehrspolitikers Uwe Beckmeyer viele weitere Spähaktionen - insgesamt seien es über 40 gewesen.


Berlin - Hartmut Mehdorn sieht sich mit einer Kaskade von Rücktrittsforderungen und Ablöse-Gerüchten konfrontiert - jetzt gibt es in der Affäre um übertriebene Kontrollaktionen bei der Bahn schon wieder neue Anschuldigungen.

Bahn-Boss Mehdorn: Dutzende weitere Späh-Aktionen?
DDP

Bahn-Boss Mehdorn: Dutzende weitere Späh-Aktionen?

Erst am Dienstagabend hatte sich die Bahn-Datenaffäre erneut ausgeweitet, als bekannt wurde, dass neben den schon bekannten Daten-Überprüfungen von 173.000 Beschäftigten 2002 und 2003 eine weitere Aktion vergleichbarer Größenordnung im Jahr 2005 stattgefunden hatte.

Jetzt scheint auch diese Dimension wieder überholt: Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, sagte dem Fernsehsender "Radio Bremen" und der Nachrichtenagentur AFP, dass die Bahn zur Korruptionsbekämpfung weit mehr Abgleiche mit Mitarbeiterdaten vornehmen lassen hat als bislang bekannt.

Über die Fälle in den Jahren 2002, 2003 und 2005 hinaus habe es bei der Bahn insgesamt 44 Projekte gegeben, in deren Zusammenhang Daten von Mitarbeitern mit denen von Lieferanten abgeglichen worden sei. Darüber habe ihn der Korruptionsbeauftragte der Bahn, Wolfgang Schaupensteiner, informiert, sagte Beckmeyer.

Der Datenabgleich für lediglich zehn bis zwölf dieser Projekte sei bisher bekannt. Für den systematischen Abgleich der Mitarbeiterdateien im Zusammenhang mit den 44 Bahn-Projekten habe eine EDV-Firma sogar eigens Computerprogramme geschrieben. Das Auftragsvolumen dafür bezifferte Beckmeyer auf etwa 800.000 Euro. Von der Bahn war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Mehdorn gerät durch die neuen Vorwürfe immer stärker in Erklärungsnot. Erstmals schaltete sich am Mittwoch Bahn-Chefkontrolleur Werner Müller ein und ließ erklären: "Der Aufsichtsrat wird vollständige Klarheit in dieser Frage herbeiführen und Regelungen, die eine Wiederholung dieser Vorgänge ausschließen." In einer Sondersitzung werde das "ernste Thema" beraten, sagte sein Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters.

ssu/AFP

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