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Datenklau: Auch Bertelsmann soll vom Datenschutz-Skandal betroffen sein

Der aktuelle Datenschutz-Skandal weitet sich aus: Ermittler durchsuchten ein Callcenter in Lübeck, das illegal Adressen und Kontonummern eingekauft haben soll. Inzwischen soll auch eine Tochter der Bertelsmann-Gruppe in die Affäre verwickelt sein.

Hamburg/Lübeck - Im Skandal um illegal genutzte Kontodaten weiten die Ermittler ihre Untersuchungen aus: Nach einem Adresshändler in Viersen am Niederrhein durchsuchte die Polizei nun ein Callcenter in Lübeck und nahm mehrere Computer und Daten-CDs mit. Das Callcenter in der Hansestadt soll von der Firma aus Nordrhein-Westfalen Kontodaten von Verbrauchern erhalten haben.

CDs: "Halbseidene Quellen"
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CDs: "Halbseidene Quellen"

Vor einigen Tagen war eine CD mit Kontodaten von 17.000 Bürgern bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein aufgetaucht. Die CD soll in Zusammenhang mit einer Reihe von Betrugsfällen stehen. Unter anderem hatten als Lottogesellschaften getarnte Firmen über Callcenter Tausende Verbraucher angerufen und in mehreren Fällen ohne Einzugserlaubnis Geld von deren Bankkonten abgebucht.

Von dem Datenklau-Skandal ist offenbar auch ein Unternehmen der Bertelsmann-Gruppe betroffen. Hamburger Verbraucherschützer gaben an, dass ihnen zahlreiche Beschwerden von Verbrauchern gegen die Firma BC Bonusclub GmbH vorliegen. Die Betroffenen hätten von dem Tochterunternehmen der Bertelsmann DirectGroup Begrüßungsbriefe als angebliche Neumitglieder eines Bonus-Clubs erhalten.

In den Schreiben sei auch die Kontonummer der Angeschriebenen aufgetaucht. Diese jedoch versicherten nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg, zuvor keinen Kontakt mit der Firma gehabt zu haben. "Die Daten können nur aus halbseidenen Quellen stammen ähnlich denen, die von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein aufgedeckt wurden", sagte Verbraucherschützerin Edda Castelló.

Ein Sprecher von Bertelsmann in Gütersloh bestätigte, dass BC Bonusclub von dem Skandal offenbar betroffen sei. Allerdings sei das Unternehmen, das Glücksspiele vertreibt, keineswegs in den Skandal verwickelt, sondern offenbar selbst davon betroffen. Bertelsmann versuche nun, diesem Verdacht nachzugehen.

Dem Sprecher zufolge nutzten offenbar Callcenter, die im Auftrag von Bertelsmann arbeiteten, auch illegale Daten für ihre Anrufe. Unabhängig davon, ob die Kunden dann aber Interesse am Angebot der Firma gehabt hätten, hätten die Callcenter dann Unterlagen versandt. Teils sei dies offenbar sogar ohne Anrufe geschehen, hieß es bei Bertelsmann.

Viele der Betroffenen des Datenschutz-Skandals hatten angegeben, vor längerer Zeit Lose der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) per Kontoabbuchung bezahlt zu haben. Die SKL erklärte jedoch, nie Kundendaten an Dritte weitergegeben zu haben. Sie räumte jedoch ein, den Vertrieb von SKL-Losen über Telefonmarketing betrieben und damit auch externe Callcenter beauftragt zu haben. Nun teilte das Unternehmen mit, Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Datenmissbrauchs und Verdachts des Geheimnisverrats gestellt zu haben.

Die Anzeige erfolgt aufgrund eines Berichts der "Bild"-Zeitung, demnach hat sich ein mutmaßlicher Verantwortlicher der illegalen Datenbeschaffung bei den Behörden gemeldet. Der Telefonwerber soll vor zwei Jahren Daten für die SKL gesammelt haben.

cvk/AP/AFP

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