Datenklau-Gefahr Telekom-Affäre alarmiert deutsche Geheimdienste

Große Sorge bei BND und Verfassungsschutz: Die Geheimdienste fürchten, auch ausländische Spione könnten sensibles Material bei der Deutschen Telekom abgreifen. Das Vertrauen in den Bonner Konzern hat schwer gelitten.


Düsseldorf - Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom Chart zeigensorgt laut einem Pressebericht für erhebliche Unruhe beim Bundesnachrichtendienst (BND) und beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Die Weitergabe von Telefondaten an die Berliner Sicherheitsfirma Network Deutschland wecke in Geheimdienstkreisen die Befürchtung, auch ausländische Spione könnten sich relativ leicht sensibles Material bei dem Bonner Konzern besorgen, schreibt das "Handelsblatt". Es sei "nicht zu fassen", dass die Telekom Verbindungsdaten nach außen gegeben habe, zitiert die Zeitung aus Geheimdienstkreisen.

BND, Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst haben nach dem sogenannten G-10-Gesetz das Recht, zur "Abwehr von drohenden Gefahren" für die äußere und innere Sicherheit auf Telekom-Daten zurückzugreifen. So hört der BND beispielsweise zur Terrorabwehr mit Hilfe der Telekom Gespräche nach bestimmten Suchbegriffen ab.

Das Vertrauen in die Zusammenarbeit mit dem Konzern sei nun jedoch erschüttert, sagte ein Geheimdienstler dem "Handelsblatt": "Wer will garantieren, dass nicht höchst sensible Daten über die Telefonverbindungen, die der BND über die Telekom nutzt, ins Ausland gegangen sind?"

Die Firma Network Deutschland hatte im Auftrag der Telekom Aufsichtsräte und Journalisten bespitzelt. Dabei soll das Unternehmen Telefondaten von der Telekom erhalten haben. Damit hätte der Konzern gegen das Fernmeldegeheimnis verstoßen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in der Affäre unter anderem gegen den ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, außerdem gegen einige Mitarbeiter aus der Sicherheitsabteilung des Unternehmens sowie den Geschäftsführer der Firma Network.

wal/dpa-AFX



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