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Datenklau: Zehntausende Kundendaten bei Berliner Landesbank ausgespäht

Datenskandal bei der Landesbank Berlin: Bei dem Institut sind die Kreditkartendaten Zehntausender Kunden ausgespäht und jetzt einer Zeitung zugespielt worden - inklusive Pin-Nummern. Die Bank zeigte sich entsetzt über den Vorfall.

Frankfurt am Main - Deutschland ist um einen Datenskandal reicher: Der "Frankfurter Rundschau" (FR) wurden die Kreditkartendaten Zehntausender Bankkunden zugespielt. Ein anonymer Informant hat der Zeitung nach eigenen Angaben detaillierte Kreditkartenabrechnungen von Kunden der Landesbank Berlin (LBB) zugespielt. Die Daten seien auf Mikrofiches aufgezeichnet gewesen, durchsichtigen Folien, die jeweils tausende Daten speichern können. Lesbar sind demnach Vor- und Nachname der Kunden, Adresse, Kreditkartennummer, Kontonummer und jeder einzelne Bezahlvorgang mit dem dazugehörigen Betrag. Unter den sensiblen Angaben befänden sich auch Geheimnummern (Pin).

Logo der Landesbank Berlin: Zehntausende Datensätze ausgespäht
DDP

Logo der Landesbank Berlin: Zehntausende Datensätze ausgespäht

Die Daten stammten aus diesem Jahr, viele Auflistungen beträfen die Einkäufe der Kunden im August 2008, berichtet die "FR". Auch Auslandsbuchungen, Rücküberweisungen und die kompletten Zahlungsabwicklungen zwischen Firmen und Banken seien nachvollziehbar.

Betroffen von dem Datenklau seien Kunden der Landesbank Berlin sowie Karten, die über den ADAC und den Internet-Händler Amazon ausgestellt wurden. Es handle sich um Kunden aus ganz Deutschland. Die "Frankfurter Rundschau" hat nach eigenen Angaben am Freitag Polizei und Staatsanwaltschaft informiert.

Die Berliner Landesbank ist der größte Kreditkartenvergeber Deutschlands. Die sensiblen Mikrofiches stammen offenbar von der Firma AtosWorldline, die für die Landesbank die Abrechnungen erstellt und eine Filiale in Frankfurt hat. Die Bank bestätigte, dass sie mit AtosWorldline zusammenarbeitet. Der Datenverlust sei bislang nicht bekannt gewesen und werde nun geprüft, sagte ein Banksprecher. Es handele sich offenbar um eine Sendung von Atos, die an die LBB habe gehen sollen. "Wir nehmen das sehr ernst", sagte der Sprecher. Eine Atos-Sprecherin wurde von der Zeitung so zitiert: "Das überrascht mich, wir prüfen, was passiert ist."

In den vergangenen Monaten waren immer wieder Datenschutzpannen wie der Diebstahl von Millionen Kundendaten bei der Deutschen Telekom bekannt geworden. Erst Anfang der Woche hatte die "Wirtschaftswoche" berichtet, dass auf dem Schwarzmarkt die Bankverbindungen von 21 Millionen Bürgern im Umlauf seien.

Die Bundesregierung will Kunden künftig besser schützen. Ein am Mittwoch im Kabinett verabschiedeter Gesetzentwurf sieht als wichtigste Maßnahme vor, dass die Weitergabe von Kundendaten künftig grundsätzlich nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung der Betroffenen möglich ist. Das neue Gesetz könnte laut Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Juli 2009 in Kraft treten.

Die Grünen dagegen kritisierten den Entwurf als "löchrig wie ein Schweizer Käse". Der Entwurf tue nichts, "um die Durchsetzung des Datenschutzes gegenüber der Privatwirtschaft faktisch zu verbessern", sagte die Fraktionsvorsitzende Renate Künast am Mittwoch in Berlin. Die geplante Übergangsfrist von drei Jahren mache das Gesetz faktisch schon jetzt zur Makulatur. "Diese Frist ist nichts anderes als eine Schonfrist für die Lobbyisten aus der Werbewirtschaft", sagte Künast.

"Der Minister, der sowieso erst unter dem Druck immer neuer Missbrauchsskandale scheinbar zum Datenschützer mutierte, ist offenbar vor dem Druck der Lobbyisten und des Wirtschaftsministers eingeknickt", kritisierte Künast. Das Recht auf die eigenen Daten werde zwar verankert, aber durch zahlreiche Ausnahmeregeln gleich wieder ad absurdum geführt.

ssu/AP/dpa/Reuters

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