Datenskandal Transnet ließ von der Bahn Mitgliederbeiträge abgleichen

Die Deutsche Bahn hat nicht nur im eigenen Interesse Mitarbeiter ausgespäht - auch für die Bahn-Gewerkschaft Transnet ließ sie nach SPIEGEL-Informationen Datenabgleiche durchführen. Dabei ging es um die Höhe der Mitgliedsbeiträge.


Hamburg - Der Datenskandal bei der Deutschen Bahn weitet sich aus: Nach Informationen des SPIEGEL hat das Unternehmen in den Jahren 1994 und 1998 auch für die Gewerkschaft Transnet Datenabgleiche durchgeführt.

Insidern zufolge wollte die Transnet abgeklärt haben, ob ihre Gewerkschaftsmitglieder satzungsgemäß ihre Mitgliedsbeiträge in der festgelegten Höhe von ihrem jeweiligen Einkommen entrichtet hatten. Noch Ende 2008 soll der damalige Transnet-Boss Lothar Krauß in einem Schreiben an die Bahnführung um einen Abgleich gebeten haben.

Auch nachdem sowohl der Datenschutzbeauftragte als auch das Personalressort der Bahn dieses Ansinnen aufgrund neuer datenschutzrechtlicher Bestimmungen abgelehnt hatten, sollen Transnet-Funktionäre weiter Druck in der Sache gemacht haben - was die Gewerkschaft bestreitet.

Gegenüber dem SPIEGEL bestätigte Transnet die beiden Datenabgleiche. Das Verfahren sei seinerzeit im Vorfeld mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten erörtert und von diesem auch genehmigt worden, sagt Transnet heute. Persönliche Daten wie Anschriften oder Kontoverbindungen seien nicht einbezogen worden.

Der langjährige Transnet-Chef Norbert Hansen war im Mai 2008 in den Vorstand der Deutschen Bahn gewechselt. Nach dem Abgang des Unternehmenschefs Hartmut Mehdorn muss er wie drei weitere Vorstandsmitglieder seinen Posten räumen. Der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube hat einen radikalen Aufklärungskurs versprochen.

Unterdessen sehen die Sonderermittler im Datenskandal weiteren Aufklärungsbedarf. Nach Informationen des SPIEGEL fordern die Rechtsanwälte Gerhard Baum und Herta Däubler-Gmelin in der 204 Seiten umfassenden Langversion ihres Gutachtens weitergehende Ermittlungen.

"Wir empfehlen dem Aufsichtsrat, die wegen der Kürze der Zeit und der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Aufklärungs- und Ermittlungsinstrumente, die nicht in allen Details zu Ende geführten Prüfungen in Verantwortung des Vorstandes abzuschließen", heißt es in dem Bericht. Darüber hinaus fordern Baum und Däubler-Gmelin in ihrem Bericht das Kontrollgremium zu zivilrechtlichen Schritten gegen den ehemaligen Bahnvorstand auf. Sie "empfehlen dem Aufsichtsrat, die mögliche aktienrechtliche Verantwortlichkeit der Geschäftsführungsorgane … zu prüfen".

Aufsichtsratschef Werner Müller hatte am vergangenen Mittwoch noch betont, "Spekulationen gegen potentielle Schadensersatzansprüche entbehren jeder Grundlage".

flo



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Seite 1
Reziprozität 02.04.2009
1.
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
Man weiss sehr wenig ueber Herrn Grube und kann sich demzufolge der Beurteilung nicht sicher sein. Dies gilt nicht fuer Herrn Sarrazin, der ja auch als Kandidat gehandelt wurde. Dem haette ich es zugetraut.
uwp-berlin 02.04.2009
2.
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
... es können qua Herkunft und Qualifikation sowieso nur die Kameraden der Automobilindustrie oder die Herren der Luftflotte für das sorgen, was die Schiene braucht. Von Danaergeschenk sollte da keiner reden.
Rainer Eichberg 02.04.2009
3.
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
Der ewige Fehler ist doch zu glauben, daß Entscheidungen von einer einsamen Person an der Spitze getroffen werden. Herr Grube hat sich anderswo längst seine Meriten verdient. Jetzt steht er halt der Bahn vor. Na und? Das ist wie dem Bundeskanzler oder dem Bundes-Horst: Die müssen vor die Kamera treten und was rein sprechen. Am Entscheidungsprozess sind sie doch nur marginal vertreten.
chagall1985 02.04.2009
4. Meine Einschätzung von Mehdorn!
Er hat es geschafft die Bahnhöfe vom Schmuddelimage zu befreien (zumindest die grossen). Er hat es geschafft, dafür zu sorgen das man sich gerne in die Bahn setzt. ER hat aus vergammelten IC hochmoderne ICE gemacht. Wo er absolut versagt hat: Es ist keine Leistung mit einem quasi Monopolisten Gewinn zu machen wenn man ständig die Preise über der Inflationsrate erhöht. Es ist absolut verfehlte Politik ICE3 zu kaufen und die auf strecken fahren zu lassen wo sie genauso dahinkriechen wie ein IC. Dabei aber 40% mehr Geld kosten. Ein schicker und moderner Bahnhof ist auch wenig wert wenn die Preise für die Ticktets ständig steigen und die Ausfälle und Verspähtungen auch nicht besser werden. Ein ICE Fahrpreis bei dem man einem Stehplatz im Gang mit 5 Cm Bewegungsfreiheit bekommt ist eine Frechheit. Das Tarifsystem der Bahn ist ebenfalls auf Mehdorn Mist gewachsen und eine absolute Frechheit und Caos pur. Alleine die Trennung der Fahrpreise bei Schalter und Internetbuchung sind keinem zu vermitteln. Nicht das die Preise sich nicht unterscheiden dürfen! Aber das ein Schaltermitarbeiter keinen Zugriff und keine Ahnung von Internetangeboten hat ist ein Witz!! Im Grunde steht die Bahn durch Mehdorn am Abgrund! Begründung: Die Bahn ist ein Zomie ähnlich wie die Lufthansa in den 90'er Jahren. Wenn der erste grosse Konkurrent kommt und wie Ryanair die BRanche durchwirbelt trudelt die Bahn in den Abgrund. Die Menschen wollen schnell, verlässlich und günstig von einem Ort zum anderen kommen. Die Bahn ist durch die mangelnden Hochgeschwindigkeitsstrecken nicht schnell. Die Bahn ist nicht verlässlich. (KOnkurrenten wie die NWB machen es vor) Und günstig ist die Bahn schon gar nicht! Ich komme mit dem Flieger von Bremen nach Finnland für den Preis den die Bahn nach Hamburg verlangt!
Sgt_Pepper, 02.04.2009
5. ?
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
Ob Herr Grube der richtige Mann für die DB ist, sollte man in ca. einem Jahr wissen. Das heute zu beantworten, ist unmöglich.
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