Debatte um EADS-Doppelspitze Deutschland kommt Frankreich entgegen

Die deutsch-französische Doppelspitze beim Airbus-Mutterkonzern wackelt. Bislang hat Deutschland die Doppelspitze vehement verteidigt. Jetzt ist Berlin bereit, einem Franzosen oder einem Deutschen alleine die Macht zu überlassen, sagt Wirtschaftsstaatssekretär Hintze.


Berlin - Der deutsche Einfluss könne auch auf andere Weise erhalten werden, sagte der neue Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, heute im Bundestag. Die Bundesregierung bestehe bei EADS jedenfalls nicht auf einer Doppelspitze. Man könne sich auch einen entsprechenden Ausgleich in den unterschiedlichen Ebenen vorstellen. Derzeit führen der Deutsche Thomas Enders und der Franzose Louis Gallois EADS gemeinsam. Erst gestern hatten französische Politiker ein Ende der Doppelspitze gefordert.

Luft- und Raumfahrtkoordinator Hintze (bei Airbus in Stade): "Die Balance zwischen Deutschland und Frankreich muss erhalten bleiben"
DDP

Luft- und Raumfahrtkoordinator Hintze (bei Airbus in Stade): "Die Balance zwischen Deutschland und Frankreich muss erhalten bleiben"

Gleichzeitig wies Hintze Dominanzwünsche der französischen Politik zurück. Bei einer möglichen Kapitalaufstockung müssten die gleichen Anteile Deutschlands und Frankreichs gewahrt bleiben, sagte der CDU-Politiker. Den Wünschen der französischen Politik, das bisher gleichgewichtige Verhältnis auf 60:40 zugunsten Frankreichs zu ändern, widersprach Hintze "im Namen der Bundesregierung" ausdrücklich. "Die Balance zwischen Deutschland und Frankreich muss erhalten bleiben." Beruhigende Töne kamen heute auch aus Paris: Das französische Finanzministerium betonte, dass es keine Neugewichtung der Machtverhältnisse bei EADS anstrebe.

Über die Beibehaltung der Doppelstruktur in der Führung "muss das Unternehmen entscheiden", sagte Hintze weiter. Er halte es für denkbar, dass die bisherige "horizontale Doppelstruktur durch eine vertikale ersetzt wird". Dabei könnte jede Position mit nur einer Person besetzt werden. Das Gleichgewicht müsse dann aber durch Ausgleich in den unterschiedlichen Ebenen wieder hergestellt werden. Zum Beispiel könne ein Deutscher EADS-Chef werden, ein Franzose dafür die Airbus-Leitung übernehmen, sagte Hintze SPIEGEL ONLINE. Insgesamt müsse die Macht aber "exakt eins zu eins" verteilt bleiben.

Zum Airbus-Sanierungsprogramm "Power 8" äußerte sich Hintze nicht im Detail. Die Verantwortung für den Restrukturierungsprozess liege einzig und allein bei dem Unternehmen. "Für die Bundesregierung ist klar, dass die industrielle Führung des Unternehmens auch in Zukunft bei der Wirtschaft liegen muss", unterstrich der Wirtschaftsstaatssekretär. Damit wies er französische Forderungen nach mehr staatlichem Einfluss zurück. "Ein Zurück in die Staatswirtschaft wäre ein Fehler", sagte Hintze.

Der CDU-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer mahnte, die scharfen Worte und Forderungen aus Paris angesichts des dortigen Präsidentschaftswahlkampfes nicht auf die Goldwaage zu legen. Der Kandidat der Konservativen, Nicolas Sarkozy, hatte ein Ende der deutsch-französischen Gleichberechtigung gefordert. Die Kandidatin der Sozialisten, Ségolène Royal stellt das Sanierungsprogramm bei Airbus gleich ganz in Frage.

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche sprach als einziger FDP-Politiker in der Aktuellen Stunde des Bundestages zu Airbus. Er betonte die Verantwortung des Managements an der aktuellen Krise. Damit widersprach er Airbus-Vorständen, die vor allem die Dollarschwäche für die derzeitige Lage verantwortlich gemacht hatten. "Auch das wäre ein Thema des Managements", sagte Hirche. Die Absicherung von Wechselkursen gehöre zu den "allgemeinen Grundfertigkeiten" eines Betriebswirts.

Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend forderte das Management auf, alles zu tun, um Arbeitsplätze in Deutschland und Frankreich zu halten. Der Links-Politiker Herbert Schui bestritt, dass der Sanierungsplan "Power 8" für Airbus überhaupt nötig ist. Das Unternehmen sollte angesichts seiner guten Auftragslage einen Kredit aufnehmen und diesen abzahlen, forderte Schui.

wal/AP/Dow Jones/ddp

Korrektur: In einer ersten Version des Textes wurde Hintze mit den Worten zitiert: Man könne sich auch einen entsprechenden Ausgleich "in den unteren Ebenen vorstellen". Tatsächlich sagte der Wirtschaftsstaatsekretär aber im Bundestag: Man könne sich auch einen entsprechenden Ausgleich "in den unterschiedlichen Ebenen vorstellen". Hintze wurde von den Nachrichtenagenturen falsch zitiert, SPIEGEL ONLINE bittet, diesen Fehler zu entschuldigen.

Forum - Airbus-Sanierung - unter Schmerzen aus der Krise?
insgesamt 772 Beiträge
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Seite 1
5mark, 28.02.2007
1.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind.
jocurt, 28.02.2007
2. Es wohl ein ziemlicher Gipfel an Unverfrohrenheit...
---Zitat von 5mark--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind. ---Zitatende--- das ich dem Spiegel Post entnehmen darf, dass auch eine èbergabe an das Management anstehen kann: " Dazu zählt neben einem Verkauf an Hauptzulieferer auch eine Abgabe an das Management oder die Zusammenlegung mit anderen Werken. Für den Standort Nordenham (ebenfalls Niedersachsen) sowie für Filton in Großbritannien und Méaulte in Frankreich erwägt Airbus "industrielle Partnerschaften". Für diese Standorte gebe es bereits "unaufgefordert Angebote möglicher Investoren". " Das heisst ja, erst abzocken, Karre in den Dreck fahren und die Reste gewinnbringend als MBO übernehmen. Nimmt ein Mitarbeiter eine Schraube mit, wird er wegen Diebstahl entlassen. wie nennt man das aber jetzt?
Mathesar 28.02.2007
3.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Wie so häufig zeigt sich auch bei Airbus mal wieder: Wenn man etwas wirklich gegen die Wand fahren will, muß man nur die Politik mitspielen lassen. Airbus ist dafür ein profundes Beispiel.
medienquadrat, 28.02.2007
4. wie soll das denn funktionieren?
Vielleicht kann mir das endlich jemand erklären, wieso 10.000 entlassen werden sollen? Haben die ansonsten immer herumgesessen und blöd in die Gegend gestiert? Wer soll denn deren Arbeit machen? Oder haben die nichts mehr zu tun, keine Aufträge mehr, oder werden die Flugzeuge von selbst fertig, setzen sich selbsttätig zusammen? Ist das denn etwa demnächst so, dass die Flieger notdürftig zusammengekloppt ausgeliefert werden? Muss man sich Sorgen machen, um die Flugsicherheit?
AttilaR, 28.02.2007
5. Faire Verteilung
Das Management hat versagt; Verkabelungsprobleme. So hieß es. Die Auslieferungen klappten nicht . Krise. Die Folgen. Krise. Es werden ca. 10.000 oder doch nur "8.5oo" Arbeiter entlassen? Das Management wird aufgrund des beherzten Durchgreifens be- fördert und/oder bekommt Prämien. Vielleicht als Krönung eine MBO. Und die Politik? Die Politik labert von "gerechter Lastenverteilung!! Attila Keiner ist so schwer zu überzeugen, als einer, der dafür bezahhlt wird, die Sache nicht zu verstehen. (Nach einen amerikanischen Schriftsteller.)
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