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Depotcheck: Die unfairen Tricks der Fonds-Verwalter

Von Ulrich Stockheim

Still und heimlich erhöhen die meisten Fondsgesellschaften die Gebühren für ihre Leistungen. Zeit, endlich Kosten gegen Rendite aufzurechnen.

Fondsmanager: Hohe Gebühren, niedrige Performance
REUTERS

Fondsmanager: Hohe Gebühren, niedrige Performance

Sich zurücklehnen. Andere arbeiten lassen. Schnell reich werden. Wie schön. Der Traum sorgloser Taugenichtse - bei den Fonds scheint er wahr zu werden. Versprechen sie. Geben Sie uns Ihr Geld, wir erledigen den Rest, schließlich sind wir die Profis.

Jeder weiß: Wenn Profis für jemanden arbeiten, kostet das Geld. Bei den Fonds sind das die so genannten Verwaltungsgebühren. Die fallen jährlich an. Berechnet als prozentualer Anteil vom angelegten Geld. Früher waren das in der Regel 0,75 Prozent für Aktienfonds, 0,5 Prozent für Rentenfonds. Früher. Jetzt, und da regt sich die Verbraucherseele, klettern die Kosten. Still, heimlich, unfair.

Vorreiter im Preisgalopp war der Deutsche Investment Trust (Dresdner Bank), dann kamen Union (Volksbanken), Deka (Sparkassen) und Activest (Hypovereinsbank). Gebühren hoch auf bis zu 1,25 Prozent im Jahr. Erbsenzählerei? Leider nicht: Zwar macht eine Erhöhung von 0,75 auf 1,25 Prozent bei einer monatlichen Sparrate von 150 Mark nur 75 Pfennig aus. Das sind aber ein paar tausend Mark weniger Rendite für den über Jahre fleißigen Langfristsparer.

Das übliche Business-Blabla soll bei einigen herhalten als Rechtfertigung für den Dreh an der Preisschraube: steigende Research-Kosten (für hektisch in aller Welt herumfliegende Fondsmanager), aufwendige Produktentwicklung (selbst schuld), hohe Verwaltungskosten (bitte abspecken!) und internationale Expansion (was schert das den deutschen Anleger?).

Der wahre Grund der höheren Kosten aber liegt vor allem im Vertrieb. Die Fonds an den Mann zu bringen wird immer teurer. Daran sind auch die Mütter der Fondsgesellschaften schuld - die Banken. Die predigen nämlich seit Monaten die schöne neue Welt der "open architecture". Die offene Vertriebsstruktur soll es dem Kunden ermöglichen, bei seiner Bank wirklich frei auszuwählen. Er kann nicht nur konzerneigene Fonds, sondern auch die von der in- und ausländischen Konkurrenz kaufen.

Und gerade internationale Fonds-Riesen wie Fidelity oder Flemings zahlen den Beratern von Deutscher Bank und Volksbank üppige Provisionen für die freundliche Weiterempfehlung.

Eine brüchige Architektur: Was zählt, ist nicht die beste Beratung, sondern die höchste Provision. Mal wieder. Ein ranghoher Manager der Union Investment erzählte mir jüngst, man fühle sich von so manchem (konzerneigenen) Volksbanker geradezu erpresst. Nach dem Motto: Wenn die anderen mehr abgeben vom einmaligen Ausgabeaufschlag und von den jährlichen Gebühren - dann müsst ihr auch mehr tun.

  • 1. Teil: Die unfairen Tricks der Fonds-Verwalter
  • 2. Teil
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